Kapitel 10: Viele Strähnen, ein Zopf

Aus Aeonversum
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Auf der Festung (19. Juli 2005)

Nachdem das Gespräch mit Naginata und O'Kage abgeschlossen war, verließen alle gemeinsam den Besprechungsraum und traten auf den mit Kies bedeckten Vorhof. Dabei unterhielt man sich in lockerer Atmosphäre und Sprache über Okura No Oni und die Dinge, die Tatsache, dass er zwar vorher durchaus bekannt gewesen war, aber niemals auffällig wurde und die Dinge, die er gesagt hatte. Durch dieses Gespräch fielen Manuel noch Details ein, die zu einer möglichen weiteren Verbindung führten:

Geryon

Eine der Sachen, die Okura No Oni zu Manuel gesagt hatte, nämlich, dass Götter keine Götter töten sollten, war auch schon von einer anderen berüchtigten Person gesagt worden: Geryon, dem gefürchtetsten Novaterroristen der Welt. Bisher war man davon ausgegangen, dass dieser alleine agierte, aber die Ähnlichkeit der Philosophien und auch Methoden von ihm und Okura No Oni konnten auch darauf hindeuten, dass es vielleicht eine Verbindung zwischen ihnen gab, der eine vielleicht Lehrer des anderen war, oder sie einen gemeinsamen Lehrer hatten.

Weitere Pläne

Da es sich dabei aber auch nur um weitere Spekulationen handelte, und es derer bereits genug gab, wurde entschieden, sich einmal ein ordentliches Gesamtbild zu machen, um genauer feststellen zu können, was die nächsten sinnvollen Schritte seien. Einer davon würde sicherlich das Verhör des gefangenen Nova sein, der sich im Kraftwerk befunden hatte, aber noch hatte dieser sein Bewusstsein nicht wiedererlangt. Den Protagonisten würde aber die Ehre des ersten Verhörs gebühren, da sie es ja auch gewesen waren, die ihn gefangen genommen hatten.

Also wurde das Treffen erst einmal aufgelöst.

Esther und Kenshin nutzten ihre jeweiligen Kräfte, um schnell nach Hause zu gelangen und sich für das geplante Mittagessen bei Yagami Hakiro frisch zu machen, Manuel rief seinen Fahrer, der wohl immer noch bei Kenshin vor der Tür stand, zur Festung. Die Zeit, bis dieser eintraf, nutzt er für ein kurzes Gespräch mit Miko, bei dem er ihr gestehen musste, dass er die gestellte Aufgabe - einen Tag lang keine Kräfte einzusetzen - absolut nicht hatte erfüllen können. Sie verzieh es ihm ob der Umstände jedoch, und erteilte ihm eine neue Aufgabe: Bewusst darauf zu achten, zu welchen Gelegenheiten er welche Kräfte nutzte.

Mittagessen mit Yagami Hakiro (19. Juli 2005)

Wie immer war Esther die erste, die vor Ort eintraf. Durch ihre Fähigkeiten waren ihr Entfernung und Verkehr sowie Strassensperren vollkommen egal. Auch Kenshin konnte durch die Stromleitungen reisen und so sehr zeitig eintreffen. Mit seinem plötzlichen Erscheinen aus einer Laterne, deren Lampe und Glas dabei zu Bruch gingen, erschreckte er die wartende Esther kurz. Da diese noch etwas vorhatte, von dem Manuel nicht mitbekommen sollte, klingelten die beiden am Tor.

Das Haus

Durch das doppelflügelige, gußeiserne Tor, auf dem das Logo von Unlimited Imagination durch einige Streben nachgebildet worden war konnten sie das Haus sehen, das ansonsten von einer ordentlich gepflegten Zypressenhecke umgeben war. Das Haus hatte eine Grundfläche von vielleicht 150 m² und lag direkt am Hang, nicht unweit des Cafés, in dem sich vor nur wenigen Tagen die Gefährten mit Naginata getroffen hatten. Alles machte einen prunkvollen, vielleicht sogar etwas protzigen, Eindruck.

Begrüßung

Nur wenige Augenblicke nach Betätigen der Klingel wurde auch schon eine Gegensprechanlage aktiviert und die beiden wurden gebeten, vorzufahren. Das Tor schwang auf und sie liefen den kurzen Weg bis zu den Treppen, die zum Eingang führten. Kenshin konnte sich nicht verkneifen, dabei die Geräusche eines Autos zu immitieren, wie es vor der Erfindung der modernen Motoren allgegenwärtig gewesen war.

An der Tür wurden die beiden von einer sehr adrett gekleideten professionellen Geisha begrüßt, die sich als Onoko vorstellte, ihnen warme, feuchte Handtücher reichte und höflich darauf hinwies, dass sie mit vier Gästen gerechnet habe, und nicht mit zweien. Nachdem Esther ihr mitteilte, dass die anderen sich etwas verspäten würden, führte Onoko sie in einen Empfangsraum, der mit Ledersofas, die vermutlich alles Einzelstücke eines oder mehrerer Designer waren, bestückt war. Sie verließ kurz den Raum und kam dann mit einem Tablet mit Sake und vier Bechern zurück, goß in zwei der Becher etwas ein, überreichte sie, und zog sich dann in eine Raumecke zurück um auf weitere Aufgaben zu warten. Dort verharrte sie dann im üblichen seitlichen Sitz.

Erinnerungen

Während sie warteten, hörte Kenshin plötzlich Esthers Stimme in seinem Kopf. Sie fragte ihn, ob sie etwas ausprobieren dürfe, von dem sie glaubte, dass sie es können sollte: Sie wollte seine Erinnerungen verändern. Natürlich nur etwas völlig harmloses. Aber bevor sie diese Fähigkeit in einer ernsteren Situation ausprobierte, wollte sie wissen, ob es denn überhaupt so funktionierte, wie sie es sich vorstellte. Kenshin war zwar ein wenig besorgt, aber er vertraute ihr, und so willigte er ein.

Dann spürte er ... gar nichts. Er fragte sich noch, was genau Esther wohl tun wollte, als diese ihn fragte, was für Tiere auf dem Kimono von Onoko zu sehen seien. Er antwortete, dass dort Drachen zu sehen waren. Er erinnerte sich genau an das Muster, das durch die leichte Reliefierung des Kimonos geschaffen worden war. Aber dann blickte er in Richtung von Onoko und stellte fest, dass es Kraniche waren, nicht Drachen, die die junge Frau zierten. Esther hatte also bereits Erfolg gehabt. Eine äußerst gefährliche Fähigkeit. Was, wenn der Feind über ähnliche Kräfte verfügte? Wie viele der Informationen, die sie hatten, waren dann vielleicht falsche Erinnerungen?

Zeit, wirklich darüber nachzudenken, hatte er jedoch keine, denn der Hausherr, Yagami Hakiro traf ein. Er war gekleidet in Knickerbockers und ein Golfhemd und wirkte wie immer gut gelaunt. Er begrüßte seine Gäste und Esther kam noch einmal auf dem Abend vor ein paar Tagen im Glaspalast zu sprechen. Sie entschuldigte sich für ihr Verhalten an diesem Abend und versicherte ihm, dass die sonderbaren Halluzinationen, die sie dort geplagt hatten, nun vorbei seien. Während des Gespräches drang sie vorsichtig in den Geist von Hakiro ein und sorgte dafür, dass dieser sich auch an eben Halluzinationen erinnerte und nicht, dass sie bewiesen hatte, dass sie Gedanken lesen konnte. Ob sie Erfolg hatte, konnte sie nicht genau wissen, aber was sollte ein Baseline schon für eine Chance haben, sich gegen eine solche Kraft zu wehren, wenn nicht einmal ein Nova es konnte? Ihr Plan war aufgegangen. Noch bevor Manuel eintraf, konnte sie behutsam dafür sorgen, dass ihr Geheimnis im kleinsten Kreis ihrer Gefährten blieb.

Wie sich herausstellte, war sie damit auch keine Sekunde zu spät gewesen, denn nur kurze Zeit später klingelte es erneut. Manuel war auch endlich angekommen und fuhr gerade vor.

Der Vorschlag

Jetzt, da alle versammelt waren, wurde das Treffen auf die Terasse verlagert, die über die Klippe hinausragte und einen herrlichen Blick über die Edoer Bucht ermöglichte. Auch das Essen ließ nicht lange auf sich warten, und so begannen erst einmal kurze Gespräche, während man speiste.

Nachdem der Hauptgang verzehrt war, kam die Sprache auf ernstere Themen und damit auch den Grund, warum Hakiro die Gefährten an diesem Tag eingeladen hatte: Er schlug vor, ein offizielles Team aus Atarashi kokka zu bilden, das von Unlimited Imagination gesponsort und, ermöglicht durch eine seit kurzem bestehende Kooperation mit Kuro-Tek, mit modernster Technologie ausgestattet werden würde. Im Gegenzug sollten entsprechende, dezente, Logos getragen werden sowie einige Auftritte, wie zum Beispiel auf Mitarbeiterversammlungen, erfolgen. Für beide Seiten hätte dieser Vorschlag aus seiner Sicht nur Vorteile.

Er war von seinem Vorschlag völlig überzeugt, und so umso überraschter, als sowohl Kenshin als auch Esther ihn rundheraus ablehnten. Beide hatten bereits Verpflichtungen bei staatlichen Organen, und diese würden es nicht akzeptieren, wenn solch offizielle Nebentätigkeiten stattfinden würden. Hakiro bot zwar an, die Anwälte von Unlimited Imagination mal einen Blick auf die entsprechenden Verträge werfen zu lassen, aber beiden gaben vor, sich sicher zu sein, dass auch die Anwälte keinen Weg finden würden, und lehnte erneut ab. Er wollte gerade dazu ansetzen, das Angebot ein drittes Mal vorzubringen. Aber Esther unterbrach ihn und gab ihm freundlich aber deutlich zu verstehen, dass es sich nicht um eine Ablehnung im Sinne der japanischen Etikette handelte, sondern um eine wirkliche Ablehnung des Vorschlags.

Auch die Tatsache, dass Manuel den Vorschlag gut fand, konnte die Laune Hakiros nicht mehr heben.

Golf mit Yoshiro Nakamura

Was Hakiro natürlich nicht wusste: Die Ablehnung Esthers hatte einen völlig anderen Grund als den vorgebrachten. Sie hatte während des Gesprächs - als die Sprache auf die Kooperation mit Kuro-Tek kam - kurz einen Blick in die Gedanken des jungen Mannes geworfen und dabei gesehen, dass er noch an diesem Vormittag mit Nakamura Yoshiro, CEO von Kuro-Tek und Gerüchteweise Oyabun der Yakuza, Golf gespielt. Einem Mann, der nach den Informationen des vorigen Abends vermutlich viel tiefer in die Angelegenheiten der Freunde verstrickt war, als ihnen allen lieb war. Wie konnte man der Technologie, die aus einer solchen Kooperation stammte, jemals weit genug vertrauen, um sie in gefährlichen Einsätzen, unter Umständen eben gegen diesen Mann, einzusetzen?

Smalltalk

Nachdem sein Vorschlag so vernichtend abgeschmettert worden war, war Hakiro nicht mehr zu besonders tiefgreifenden Gesprächen geneigt. Erwahrte zwar immer die Höflichkeit und alle Form, aber zumindest Esther fiel sehr wohl auf, dass er schwer enttäuscht war und das Treffen aus seiner Sicht keinen weiteren Zweck mehr hatte. Aus ihrer hatte sie aber sehr wohl noch einen: Im Glaspalast hatte sie in Hakiros Kopf geblickt und gesehen, wie er über Manuel dachte. Sie wollte sich nun ein genaueres Bild machen, wie es um die Beziehung zwischen den beiden wirklich stand.

Ein echter Freund

Und so verbrachte sie die Zeit damit, ihm im Umgang mit Manuel zu beobachten. Und sie stellte fest, dass ihr erster Eindruck vielleicht etwas zu negativ ausgefallen war. Ja, Hakiro war jemand, der in der Lage war, ohne Gewissensbiss auch harte Entscheidungen zu treffen. Jemand, dem für den Erfolg jedes Mittel recht war. Und es war vollkommen klar, dass die Freundschaft zwischen ihm und Manuel asymmetrisch war. Aber es war eben doch noch immer eine Freundschaft. Vermutlich nutzte Hakiro Manuels Talente für seinen eigenen finanziellen Vorteil aus. Aber er empfand auch definitiv Zuneigung zu dem Gaijin und sah ihn nicht nur als Gans die goldene Eier legt und deshalb geschützt werden musste, auch wenn das sicherlich Bestandteil der Verhältnisses zwischen den beiden war. Wirklich sympathisch machte das Hakiro immer noch nicht, aber vielleicht war er auch nicht das Monster, für das ihn Esther zuerst gehalten hatte.

Nachtisch im Hafencafe (19. Juli 2005)

Nachdem das 'offizielle' Treffen bei Yagami Hakiro beendet wurde, machten sich Esther und Kenshin auf den Weg in das kleine Café, in dem sie vor einigen Tagen bereits gewesen waren. Hakiro wollte noch ein paar dienstliche Dinge mit Manuel besprechen.

Das Café war wie schon beim letzten Mal ruhig, die Bedienung freundlich und unaufdringlich. Dieser Ort schien von all dem Trubel, der sonst in Edo war, unberührt und könnte vielleicht in Zukunft zu einem guten Rückzugsort werden, an dem man ein wenig loslassen konnte.

An diesem Tag wurde das Café genutzt, damit Esther und Kenshin mal ein wenig mehr über die jeweils andere Person lernen konnten. Sie kannten sich erst seit knapp zwei Wochen, aber es fühlte sich bereits wie eine Ewigkeit an. Sie erzählten sich über den jeweiligen Werdegang, was sie getan hatten, bevor sie eruptierten, und wie es zur Eruption gekommen war. Zum Erstaunen beider stellte sich heraus, dass es das selbe Ereignis gewesen war, bei dem sie zu dem geworden waren, was sie heute sind. Hatte nicht auch Yumi Kara berichtet, dass sie bei diesem schicksalhaften Anschlag eruptiert war? Ein sonderbarer Zufall. Zufall? Oder etwas anderes?

Dann wurden die beiden durch einen Anruf Manuels aus ihrem Gespräch gerissen. Das Treffen mit Hakiro war beendet, und Manuel hatte eine rein theoretische Frage, deren Antwort für niemanden außer ihm wichtig war. Aber der Anruf erinnerte alle daran, dass man sich noch einmal zusammensetzen wollte, um die vorhandenen Informationen zu sortieren. Manuel bot dafür sein Labor als Schauplatz an, wohl wissend, dass die anderen dazu neigten, viele unpräzise Worte zu nutzen, um einfach Sachverhalte langsam auszudrücken, und er so die Monologe nutzen konnte, um nebenbei an dem Helm zu forschen, der ihn vor weiterer geistiger Einflussnahme bewahren sollte. Unwissend über die Beweggründe stimmten die anderen zu.

Besprechung in Manuels Labor (19. Juli 2005)

Sie ließen Manuels Fahrer Zeit genug, zum Campus von Unlimited Imagination zu gelangen, dann öffnete Esther ein Portal und beide erschienen in Manuels Labor.

Hologramm

Während Manuel auf die anderen gewartet hatte - der Fahrer hatte weniger Zeit gebraucht, als sie angenommen hatten - hatte er bereits ein wenig Vorarbeit geleistet und den begehbaren 3D Hologrammprojektor, den er sonst für die Entwicklung von Protoypen nutze, schon einmal mit ein paar Grundlegenden Daten gefüttert, aus denen er mit den anderen ein Entity Relationship Modell entwickeln wollte. Woran er nicht gedacht hatte, war die Tatsache, dass das Licht für Kenshin nicht solide genug war, damit dieser es wahrnehmen konnte. Er wollte erst eine andere Möglichkeit suchen, aber dann hatte Esther eine Idee:

Sie fasste Kenshin an einer Hand an und veränderte seine Erinnerungen so, dass er sich genau daran erinnerte, nur Sekudnenbruchteile zuvor jeweils genau das gesehen zu haben, was sie gesehen hatte. Es war nicht ganz eine Illusion, aber es erfüllte seinen Zweck.

Kenshin wäre vielleicht in Tränen ausgebrochen, wenn er noch funktionierende Tränensäcke gehabt hätte. Denn zum ersten Mal seit seiner Eruption nahm er Farben war. Zwar nur in seiner Erinnerung, aber sie waren dennoch im Kurzzeitgedächtnis. Und sie waren wunderschön.

Synchron?

Manuel war über Esthers Vorgehen ebenfalls sehr erfreut, jedoch aus einem völlig anderen Grund: Er hatte die Chance, eine Gedankenbeeinflussung live und direkt zu beobachten. Das würde ihm bei dem Helm sicherlich helfen. Also öffnete er seine Augen für die Quantumebene und studierte die Quantenmuster der beiden anderen sehr genau. Genauer, als er es je getan hatte. Und stellte dabei etwas sonderbares fest: Es gab eine gemeinsame Komponente. Nicht direkt eine Verbindung, aber doch eine Synchronizität in den Signaturen der beiden. Er war sich nicht sicher, ob Esthers Kraft diese vielleicht verursachte.

Als er die beiden anderen darauf ansprach, eröffneten diese ihm, dass sie auch erst vor weniger als zwei Stunden herausgefunden hatten, dass sie in direkter zeitlicher und räumlicher Nähe zueinander eruptiert waren. Als sie das Datum und den Zeitpunkt nannten, war Manuel noch erstaunter als zuvor: Er selbst war nur 4 Stunden später ebenfalls eruptiert. Konnte das noch ein Zufall sein?

Er untersuchte daraufhin seine eigene Quantumsignatur und stellte fest, dass er ebenfalls über diese Sychronizität zu den anderen verfügte.

In jenem Moment war es Esther, die sich an ein Gespräch erinnerte, das Slider einst mit Ricardo Montoya-Bernal geführt hatte, als sie sich in ihrer Ausbildung befunden hatte. Es ging dabei darum, dass die Mitglieder eines Teams eine neue Fähigkeit entwickelt hatten, die es ihnen erlaubte, ihre Kräfte besser zusammen einzusetzen und sich zu ergänzen. Als sie damals jedoch dazugekommen war, wurde das Thema abrupt gewechselt, so dass aus dieser Andeutung keine direkt verwertbare Information zu entnehmen war.

Entity Relationship Modell

Nach diesen ebenso erstaunlichen wie aktuell irrelevanten Erkenntnissen gingen die Protagonisten wieder dazu über, sich einen Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen.

Das Resultat aus diesen Überlegungen stellte sich wie folgt dar:

ERM zu Mittag des 19. Juli 2005 Während das ERM erstellt wurde, kam die Sprache auf einige interessante Punkte, bei denen Uneinigkeit herrschte:

Sind Nova Menschen?

Während Esther und Kenshin der Ansicht waren, dass Atarashi Koka immer noch Menschen seien, war Manuel der Ansicht, dass sie eine neue Spezies seien. Eine Einigung konnte in diesem Punkt nicht gefunden werden, beide Seiten blieben bei ihrer Ansicht.

Am Ende der Diskussion stand die Äußerung Manuels, dass er sich auch vor der Eruption nie wirklich zugehörig zu anderen Menschen gefühlt hatte, was seine Sichtweise für die anderen verständlicher machte.

Ziele von Okura No Oni

Auch wurde überlegt und diskutiert, was denn eigentlich die Ziele und Pläne von Okura No Oni seien. Warum verübte er Anschläge auf Mensche, wenn sie ihm doch eigentlich nur egal waren? Und was wollte er damit erreichen, Ryu zu brechen?

Auch wenn die Diskussion sehr spekulativ war, so bestand am Ende Einigkeit darüber, dass er Menschen nicht hasst, aber für unwichtig hält, und dass er die Atarashi Koko lehren will. Was genau es ist, was er lehren will, war aber immer noch unklar.

Kurze Pause

Nach einigen Stunden, die so mit Diskussionen verbracht worden waren, wurde Esther immer schlapper und bleicher. Zu viel war sie an diesem Tag herumteleportiert, hatte zu oft in den Kopf anderer Personen geblickt oder ihre Gedanken an andere übertragen. Das Ende ihrer Kräfte war erreicht.

Manuel bot ihr das Bett an, das in einem kleinen Raum neben den Labor stand, und sie nahm das Angebot dankbar an und legte sich für ein paar Stunden Schlafen. Außerdem gab er der Werksküche Bescheid, dass sie sich darauf vorbereiten sollten, Rührei, Speck und Orangensaft bereits zu stellen.

In der Zwischenzeit werkelte Manuel an seinem Helm, während Kenshin weiter über den zusammengestellten Informationen grübelte. Mit seinem Verständnis von Strategie und Taktik suchte er nach Angriffspunkten und Schwachstellen in dem Konstrukt, und machte schließlich tatsächlich die Yakuza als das schwächste Glied der Kette aus. Wenn es gelänge, die Verbindung zwischen der Yakuza und Kokuyoseki no hebi - der neunköpfigen Schlange - zu durchtrennen, wäre der Feind erheblich geschwächt.

Nach etwa drei Stunden wachte Esther, spürbar erfrischt, wieder auf und begab sich zurück ins Labor. Manuel orderte das zuvor beschriebene "Frühstück" und Kenshin berichtete, während Esther dieses dankbar vernichtete, von seinen Erkenntnissen.

Nachricht von Mungo Kawashi

Noch während die Freunde beratschlagten, was man denn als nächstes tun solle, bemerkte Manuel einen Eindringling in seinem System. Dieser bohrte sich unaufhaltsam durch alle Firewalls und Sicherungen, geradewegs auf das Labor zu. Manuel hatte schon so eine Ahnung, wer es sein würde, und holte das Modem, das Mungo Kawashi das letzte Mal verwendet hatte, hervor. Außerdem trennte er die externe Festplatte mit den aktuellsten Forschungen und Erkenntnissen von seinem Rechner.

Aber das Modem wurde dieses Mal nicht verwendet. Statt dessen erschien in dem holografischen Display, das sie für das ERM benutzt hatten, der Satz

"And a terrible angel will be set loose upon the world, to bring justice, equality and destruction."

Dann zog sich der Angreifer auch sofort wieder zurück.

Manuel machte sich sofort daran, herauszufinden, was das Ganze sollte.

Teragen

Er folgte Datenspuren, verwaisten Paketen, vergessenen Nachrichten, und gelangte in ein System, in dem er noch nie zuvor war. In einem Moment der Klarheit wurde ihm bewusst, dass er sich auf einem Sicherheitsserver von Team Tomorrow befand. Kurz überlegte er, sich zurückzuziehen. Aber das hier erschien ihm wichtig. Und er war eh schon an einem Punkt, an dem er nicht sein durfte, was machte es also für einen Unterschied, wenn er weiter vordrang?

Er folgte der Spur weiter und stieß auf einen zwei Wochen alten Feldbericht. Dieser wurde von Richard Drawings verfasst, einem Mitarbeiter, der die Sicherheitsstufe Proteus 3 hatte, unter der der Bericht auch stand. In ihm beschrieb Richard Drawings die Organisation Teragen, deren Ziel es war, alle Nova auf Seiten der Menschen sowie alle Schwachen zu vernichten. Sie beriefen sich dabei auf einen "Apostel" und dessen Aussage, die eben dem an Manuels Labor gesendeten Zitat entsprach.

Verhör auf der Festung (19. Juli 2005)

Nachdem Esther nun wieder wach war, und man mit den derzeit vorhandenen Informationen nicht weiterkam, wurde beschlossen, den "Radioactive Man" aus dem Kraftwerk zu befragen. Dieser befand sich derzeit in sediertem Zustand auf der Festung. Man wurde sich schnell einig, dass Manuel bei einem Verhör eher für Irritation denn für Ergebnisse sorgen würde, und so verblieb er in seinem Labor, um weiter an dem Helm zu arbeiten, der seine Gedanken davor bewahren sollte, weiter so einfach manipuliert zu werden.

Ankunft

Nachdem nun endlich eine entsprechende Nummer vorhanden war, kündigten Esther und Kenshin ihr Kommen telefonisch an und gaben der Festung ein paar Minuten Zeit, Vorbereitungen zu treffen. Als "Landeplatz" wurde der große gekieste Vorplatz auserkoren.

Esther öffnete ein Portal dorthin und beide schritten hindurch. Begrüßt wurden sie von einer Handvoll Soldaten in voller Kampfmontur, die ihre Waffen zwar griffbereit hatten, aber weder aggressiv noch bedrohlich wirken wollten. Generell war sofort klar, dass der Alarmzustand keineswegs beendet war.

Die Wachsoldaten händigten den beiden ihre Besucherausweise aus und führten sie zum Hauptgebäude der Festung. Dort wurden sie übergeben an andere Wachen, die sie zu einem Aufzug führten.

Hinunter ins Verlies

Der Aufzug fuhr herunter in das dritte Untergeschoss, das keiner der beiden jemals zuvor betreten hatte.

Im Gegensatz zum Rest der Festung, in dem auch optisch Tradition und Stil deutlich Bedeutung beigemessen wurde, war der Gang, in den sich der Aufzug öffnete, sehr nüchtern gehalten.

Die Wachen führten die beiden weiter durch die Gänge. Und überall bot sich das gleiche Bild: Die Wände bestanden aus kargem Beton, die Türen, die zu sehen waren, allesamt aus Stahl.

Dann bogen sie um eine Ecke und erblickten Kyojin der, gelassen wir immer, an der Wand lehnte. Ihm direkt gegenüber war eine der Stahltüren. Man begrüßte sich, dann schob Koyjin ein Sichtfenster auf, vergewisserte sich, dass in der Zelle alles in Ordnnug war, und schloss sie dann auf.

In der Zelle

Als Esther und Kenshin in die Zelle blickten, bot sich ihnen ein sonderbares Bild:

Unterbringung

Auf der einen Seite war die Zelle äußerst karg eingerichtet: Eine Pritsche an der Wand, auf der der Gefangene lag, eine Trennwand, hinter der eine Toilette zu erahnen war, ansonsten keine weitere Einrichtung. Auf der anderen Seite aber gab es direkt mehrere Sicherungsmaßnahmen, die keine von beiden je vorher gesehen hätte. Zum einen waren die Hände des Mannes - dessen Name übrigens nicht "Radioactive Man" war, sondern Jōnetsu, wie ihnen gesagt wurde - mit Handschellen gefesselt, an denen einige LEDs zu erkennen waren, die aktuell aber nichts anzeigten außer der Tatsache, dass es offenbar keine normalen Handschellen waren. Zum anderen steckten die einzelnen Finger in Metallhülsen, die jeweils mit einem Kabel verbunden waren, die seitlich in der Wand verschwanden.

Auf kurze Nachfrage von Kenshin teilte Kyojin mit, dass die Sicherungen das modernste vom Modernen waren und extra für Nippontai angefertigt worden waren - von Kuro-Tek.

Wie es Jōnetsu ging, konnten sie nicht genau feststellen, denn er lag, ihnen den Rücken zugedreht, auf der Pritsche und machte auch keine Anstalten, sich seinen "Besuchern" zuzuwenden, als diese ihn ansprachen. Aber da ihnen versichert worden war, dass es ihm gut genug für eine Befragung ging, machten sie sich an die Arbeit.

Befragungsversuche

Die Befragung verlief anfangs sehr schleppend. Esther und Kenshin versuchten Jōnetsu einzuschätzen, Ansatzpunkte zu finden. Kyojin machte seinem Beinamen - Stummer Riese - alle Ehre und trug außer seiner Anwesenheit nur wenig bei.

Offenbar war sich Jōnetsu sicher, dass er die Oberhand in der Situation hatte. Irgend etwas ließ ihn glauben, dass er gewonnen hätte. Und bevor dieser Glaube nicht zerstört war, würde aus ihm keine Information herauszuholen sein. Also wagte Eshter einen Blick in seine Gedanken.

Die lebende Bombe

Schockiert stellte sie dort fest, dass Jōnetsu sich selbst offenbar für eine Bombe hielt, die auch bald hochgehen und die Festung in Schutt und Asche legen würde. Auch hatte er für die Gaijin keinerlei Respekt und nahm ihre Fragen daher weniger ernst.

Diese Information gab Esther aber einen neuen Hebel: Sie behauptete, dass er gar nicht in der Festung in den Wolken war, sondern in einer Sicherheitsanlage, dir fern von eventuellen Zielen lag.

Handschellen

Diese Information machte Jōnetsu offenbar sehr wütend und brachte ihn dazu, seinen Plan beschleunigen zu wollen und so zumindest die Feinde zu töten, die ihm gerade gegenüberstanden. Seine Arme entflammten in dem schon bekannten grünlichen Nuklearfeuer - welches dann aber, bevor es seine Hände erreichen konnte, scheinbar von den Handschellen aufgesogen wurde. Kenshin war erleichtert, denn insgeheim hatte er befürchtet, dass die Technologie Kuro-Teks an dieser Stelle versagen würde. Denn irgendwie waren die ja in die ganze Sache verstrickt.

Jōnetsu versuchte es noch einmal, wurde dann noch wütender und ausfallend, und wollte wissen, was man mit ihm gemacht habe. Aber auch das daraus resultierende verbale Geplänkel konnte ihn noch nicht brechen.

Die Schwester

Dann war es an Kenshin, eine neue Taktik zu versuchen: Er sagte, dass man es dann eben bei der anderen Gefangenen versuchen sollte und beschrieb in kurzen Worten Shinigami. Offenbar hatte er einen wunden Punkt getroffen. Denn Jōnetsu rastete fast augenblicklich aus, nannte ihn einen Lügner, wollte nicht glauben, dass seine "Schwester", wie er sie nannte, hier war. Aber Kenshin und Esther bestätigten dies beide glaubhaft, während Kyojin fast durch seine eigene Überraschung den Bluff hätte in sich zusammenfallen lassen. Aber auch er spielte nach einer Schrecksekunde mit, auch wenn er im Lügen offenbar nicht so geschult war wie die beiden anderen.

Esther und Kenshin erkannten den Schwachpunkt bei Jōnetsu und setzten an genau dieser Stelle mehr Druck an. Sie beschrieben, wie sie Shinigami foltern würden, um so vielleicht an weitere Informationen zu gelangen, da sie offenbar leichter zu knacken war als Jōnetsu. Kenshin beschrieb sogar einige Dinge, die er mit ihr anstellen würde.

Zusammenbruch

All das setzte Jōnetsu immer weiter zu. Aber er war noch immer nicht gebrochen.

Wieder und wieder versuchte er, seine Kräfte heraufzubeschwören, beschimpfte seine Peiniger. Eine dieser Beleidigungen an Esther war es, die Kenshin dazu brachte, selbst die Räson zu verlieren. Und so schlug er zu, Jōnetsu direkt ins Gesicht.

In diesem Moment wurde es Jōnetsu klar: Er war gefangen, entmachtet. Er konnte nichts tun. Und so brach sein Wille und damit auch sein Widerstand.

Nachdem klar war, dass er nun am Ende seiner Kräfte war, versuchten Kenshin sich bei ihm für die Grausamkeit zu entschuldigen und ihn wieder so weit ansprechbar zu machen, dass man ihm Fragen stellen könnte, aber Jōnetsu lag fast katatonisch auf seiner Pritsche und weinte nur noch.

Endlich Resultate

Für Esther war jetzt jedoch der Moment gekommen, auf den sie gewartet hatte. Nachdem der Wille gebrochen war, sollten keine geistigen Barrieren mehr vorhanden sein, die sie hinderten, die Informationen zu finden, die sie suchten. Und so drang sie wieder in den Geist des Mannes ein.

Sie spürte, dass der Geist noch nicht völlig wehrlos war, und dass sie nicht viel Zeit haben würde, bevor die letzten Widerstandskräfte sie herauswerfen würden, also beschränkte sie ihre Suche auf ein paar grundlegende Informationen:

Rekrutierung

Zuerst ging sie der Frage nach, wie es kam, dass Jōnetsu für Okura No Oni arbeitete.

Sie fand heraus, dass er einst ein Mitarbeiter im Atomkraftwerk gewesen war, mit einer Familie, die er liebte, und einem ganz normalen Leben. Aber dann kam der N-Day und die Rezession. Sein Arbeitsplatz war einer von denen, die gestrichen wurden, und er wusste nicht, was er tun sollte. An dem Tag, an dem er die Kündigung erhalten hatte, ging er nicht nach Hause zurück, sondern in eine Nackt-Bar und betrank sich. Und auch die folgenden Tage wiederholte er dies, bis er eines Nachts, völlig heruntergekommen, aus der Bar geworfen wurde und sich wie ein erbärmlicher Hund in der Gosse übergab. Und in diesem Zustand war es, dass eine junge Japanerin in Schulmädchenuniform und mit Punk-Zöpfen plötzlich vor ihn stand, ihm die Hand reichte und ihn mit zu einer Limousine nahm, die Tür geöffnet wurde, und er von einer weißen Keramikmaske eingeladen wurde, einzusteigen. Er kam der Einladung nach und lernte so Okura No Oni kennen, der ihm ein neues Leben, eine neue Chance bot. Jōnetsu nahm an.

Das gab Esther zwar ein wenig Einblicke und legte dar, warum das Atomkraftwerk ein Ziel gewesen sein konnte, aber viel mehr dann doch leider nicht. Also suchte sie weiter, dieses Mal nach Informationen, die verhindern könnten, dass weiter Anschläge stattfanden.

Verbündete

Sie suchte nach Verbündeten. Sie sah die Gesichter von Okura No Oni, von Shinigami und noch ein paar weitere, die sie aber alle schon kannte. Aber sie spürte auch, dass da noch mehr war. Etwas, was Jōnetsu zu verbergen versuchte. Sie konnte sich entweder zurückziehen und an anderer Stelle weitersuchen, oder aber gewaltsam auch diese Sperre brechen, in dem Wissen, dass sie dadurch aus dem Geist geworfen werden würde - hoffentlich nachdem sie das gefunden hatte, was sie suchte. Sie entschied sich für den Angriff und drang tiefer vor.

Die Erinnerung, in die sie so eindrang, war eine große Industriehalle voller Leute. Etwa einhundert müssen es gewesen sein. Nicht alle konnte sie von ihrer Position sehen, manche nur im Profil, manche gar nicht. Und sie alle standen wartend vor einem Podium. Es verging einige Zeit, in der Esther sich alle Gesichter, die sie sehen konnte, einprägte. Dann stieg ein Mann das Podium hinauf.

Dieser trug einen langen dunklen Umhang aus feinem Stoff und eine rotgoldene futuristisch anmutende Rüstung. Sein Haar war flachsblond, sein Gesicht schmal und attraktiv und er radiierte selbst in der Vision unvorstellbare Macht und Charisma. Er war hochgewachsen und eindeutig ein Kaukasier.

Dann richtete er seine Worte an die wartende Menge, die diese sehnsüchtig aufsog. Er sprach von seiner Vision, von einem Plan, der vorsah, all die Nova zu auszumerzen oder zu bekehren, die zu schwach waren und den Menschen dienten. Von einer Revolution. Und dass es bald beginnen würde. Er schickte die Zuhörer fort mit den Worten, dass es für jeden Bereich einen Leutnant geben würde, der ihnen sagen würde, was zu tun ist. Jōnetsus Blick wendete sich in diesem Moment nach hinten, auf Okura No Onis Maske, dieser nickte und verschwand dann in einer Raumfalte aus gleißendem Licht. Und mit ihm auch die Vision und der Zugang zu den Gedanken.

Genug

Da der Körper Jōnetsus immer noch nicht ansprechbar war, wurde entschieden, dass es für diesen Tag genug sei.

Nachdem sie die Zelle verlassen hatten, berichtete Esther von ihren Erkenntnissen. Dabei behauptete sie - glaubhaft, wie sie hoffte - dass sie mit ihrem Kräften in die Vergangenheit Jōnetsus geblickt hätte. Von ihrer Telepathie sollte niemand bei Nippontai etwas erfahren.

Esther schon wieder leer

Nachdem Befragung und Nachbesprechung abgeschlossen waren, war es schon später Abend geworden. Auch war Esther nach der Portalreise zum Festung, dem herumstöbern in Köpfen, und dem Senden ihrer Gedanken, um die Taktik mit Kenshin abstimmen zu können, schon wieder an die Grenzen ihrer Kräfte gestoßen. Also beschloss man, die immer noch bereitgestellten Zimmer zu nutzen, und auf der Festung zu übernachten.

Bastelarbeiten (19.-20. Juli 2005)

Während das Verhör auf der Festung stattfand, und noch bis weit in die Nacht hinein, werkelte Manuel an seinem Schutzhelm. Erst, als er einen ersten Prototypen fertigstellen konnte, nahm er sich dann gegen fünf Uhr am nächsten Morgen die Zeit, sich ein wenig schlafen zu legen.

Auf der Festung (20. Juli 2005)

Während Esther recht lange schlief - entweder durch die Anstrengung des vorigen Tages oder die Tatsache, dass sie auf Tatami-Matten einfach keinen guten Schlaf fand - stand Kenshin wie beim Militär üblich noch vor Sonnenaufgang auf.

Frühsport

Er zog sich einen Trainingsanzug an und begann, einige Runden um das Gelände zu joggen. Außer den Wachen war zu diesem Zeitpunkt noch wenig Betrieb auf der Festung. Erst, als er das Dojo betrat, traf er dort eine andere Person: O'Kage trainierte dort ebenfalls schon am frühen Morgen.

Das Duell

Beide trainierten eine Zeit lang unabhängig von einander, bis O'Kage Kenshin schließlich zu einem freundschaftlichen Kräftemessen einlud. Ein Training ohne jeglichen Einsatz von Novakräften und mit Bokken. Kenshin erkannte, welch große Ehre diese Herausforderung darstellte und nahm sie ohne zu zögern an.

In dem Duell stellte er schnell fest, dass O'Kages Technik fehlerfrei war. Noch nie hatte er jemanden gesehen, der mit solcher Perfektion die Klinge führte. Nicht nur die übernatürliche Geschwindigkeit und Grazie, die nicht wenige Nova besaßen, war Ursache für diese Perfektion, sondern auch ein wahrlich meisterliches Beherrschen der zu Grunde liegenden Techniken.

Aber auch Kenshin verstand sich durchaus auf die Führung der Klinge, und so konnte er zumindest gut genug mithalten, dass O'Kage zum Abschluss in eine gebückte Haltung, den Bokken seitlich in den Gürtel gesteckt, die Hand eine Handbreit darüber lauernd. (Eine Variante der Sha-no-Kamae) Kenshin erkannte die Stellung korrekt als Aufforderung zu einem formelleren Duell, und nahm selbst die Hasso-no-Kamae ein. Eine offensivere Haltung als die defensive, die O'Kage innehatte.

Dann geschah einige Zeit lang nichts, zumindest für die Beobachter die sich mittlerweile angesammelt hatten. Darunter waren unter anderem Esther, Naginata und Geisha. Esther rief Manuel an, in der Annahme, dass er sich das nicht entgehen lassen wollte. Und sie hatte völlig recht. Er wurde kurzerhand per Portal hinzugeholt und konnte so den Ausgang des Duells mitverfolgen.

Diese Veränderungen in der Umgebung nahmen die beiden Kämpfer allenfalls unterbewusst war. Ihre volle Konzentration war auf den jeweils anderen gerichtet. Winzige Veränderungen in der Stellung und Haltung des einen reagierten auf ebenso minimale Veränderungen des jeweils anderen. Beide warteten auf den perfekten Moment. Versuchten, die Bewegung des anderen besser vorherzusehen, als dieser die eigene.

Dieses Duell des Willens gewann O'Kage, und so war es zuerst Kenshin, der sich auf einen Angriff festlegte und diesen Ausführte. Aber blitzschnell zog O'Kage seine eigene Waffe und traf Kenshin damit direkt auf der Brust. Er hatte eindeutig gewonnen.

Neuer Respekt

Aber der eigentliche Sieger des Duells war dennoch Kenshin. Denn durch sein sehr ehrenhaftes und fähiges Verhalten in Training und Duell entstand ein neuer Respekt für ihn bei O'Kage und dieser äußerte, dass es ihn freuen würde, wenn man dies in Zukunft wiederholen würde. Eine deutliche Einladung, wieder mit ihm zu trainieren. Was eine große Ehre für Kenshin war, der auch sogleich annahm.

Danach löste sich das Treffen im Dojo auf.

Der Verdacht

Nachdem Geisha den Raum verlassen hatte, erzählten Kenshin und Esther Manuel, O'Kage und Naginata von den Ergebnissen des Vorabends. Bei der Gelegenheit wurden dann auch zum ersten Mal die Informationen rund um Terragen erwähnt und erläutert, und es stellte sich heraus, dass dieser Name den beiden Nippontai-Mitgliedern tatsächlich etwas sagte. Offenbar war diese Terrororganisation bereits bekannt, auch wenn bisher die Verbindung von diesen zur Obsidianen Schlange nicht gezogen worden war. Die Ähnlichkeit der Philosophien legte zumindest eine Nähe zu einander nahe.

Im Verlauf dieses Gespräches fragte Kenshin O'Kage noch, ob Kyojin die gestern überbrachte Warnung, dass Kuro-Tek vom Feind unterwandert sei, schon ausgerichtet hätte. Hatte er nicht, und Kenshin wiederholte sie noch einmal, zusammen mit dem Hinweis, dass die Sicherheitsanlagen auf der Festung entsprechend untersucht werden sollten.

O'Kage verlor fast seine Fassung, denn an genau diesem Abend würde der Kaiser höchstpersönlich auf der Festung sein. Also fragte er noch einmal ganz genau nach, und Kenshin wiederholte seine Warnung formell noch einmal.

Nun, da die Warnung also von einem Samurai, der ja stets die Wahrheit spricht, ausgesprochen worden war, musste auch entsprechend gehandelt werden. Zuerst fragte O'Kage Manuel, ob dieser bis zum Abend die Systeme überprüfen könnte. Aber auf Grund der Kürze der Zeit sah sich dieser außer Stande, das alleine stemmen zu können. Kurz zögerte O'Kage, aber dann ließ er Geisha zurück ins Dojo rufen.

Hilfegesuch an T2M

Als sie wenig später kam, fiel es ihm sichtlich schwer, sein Anliegen vorzubringen, aber schlussendlich gestand er ihr gegenüber ein, dass Nippontai alleine nicht auf die Warnung reagieren könne, und Geisha bot die Hilfe durch Techniker von Team Tomorrow an. Es war ein großer Gesichtsverlust, diese Hilfe anfordern zu müssen, aber für die Sicherheit des Kaisers war kein Preis zu hoch.

Konsquenzen

Nachdem Geisha wieder gegangen war, wandte sich O'Kage noch einmal an die ebenfalls noch anwesenden Freunde. Mit grimmiger Miene gab er ihnen sehr deutlich zu verstehen, dass er sehr hoffte, diese Hilfe nicht ohne Grund angefordert zu haben. Sollte sich all das als falscher Alarm herausstellen, so würde es auf jeden Fall ein Nachspiel geben.

Mit diesen Worten stapfte er davon und in Richtung Duschen.

Maricel Analyn Hamapongo

Manuel hatte es auf Grund der ohnehin schon schlechten Laune nicht gewagt, ebenfalls noch etwas zu sagen, aber nachdem O'Kage weg war, gestand er, dass er am Mittag bei seiner Mutter sein müsse. Es wurde diskutiert, ob es nicht anders ginge, aber Esther sah schnell ein, dass sie ihn zwar wahrscheinlich überzeugen könnte, das Treffen abzusagen, aber nicht ohne seine Konzentration auf die Aufgabe damit stark zu gefährden. Also überlegten sie gemeinsam und kamen zu dem Schluss, dass er, wenn das Treffen auf die Festung verlegt würde, während des Treffens durchaus an der Überprüfung arbeiten konnte. Aber dafür musste seine Mutter erst einmal Zugang zur Festung bekommen.

Also machte sich Esther auf die Suche nach ihrem Lehrer und fand heraus, dass er sich in der Dusche befand. Sie wartete und wartete und wartete, aber er kam einfach nicht heraus. Irgendwann kam Kenshin, der ebenfalls duschen gegangen war, heraus und teilte ihr mit, dass O'Kage die Dusche soeben auf der anderen Seite verlassen habe. Esther eilte, zur Verwunderung einiger dort ebenfalls duschenden Soldaten, durch mitten durch den Raum und ihrem Sensei hinterher. Sie erläuterte die Situation kurz, und so wurde es gestattet, dass in dieser Ausnahmesituation Manuels Mutter auf die Festung dürfe.

Sie eilte zu Manuel zurück, der noch immer dort stand, wo sie sich unterhalten hatten - seit nunmehr 50 Minuten - und warpte sich und ihn in die Nähe des Hospizes, in dem Maricel Analyn Hamapongo untergebracht war. Es war schon eine Minute nach der zwölften Stunde, als sie eintrafen, aber diese minimale Abweichung irritierte Manuel nur kurz. Ein paar Formulare wurden unterzeichnet und dann kehrten alle drei zur Festung zurück.

Untersuchung

ACHTUNG
Die kompletten Informationen unterliegen einer NDA, an die sich Manuel auch halten wird. Entsprechend sind die Details der Untersuchung, wie auch die Existenz von Sanmiittai, den anderen Charakteren NICHT bekannt. Lediglich das insgesamte Ergebnis werden sie kennen.

Vorüberlegungen

Noch während Esther auf die Erlaubnis von O'Kage wartete, Manuels Mutter auf die Festung bringen zu dürfen, hatte Manuel fast eine Stunde Zeit, sich mit dem Problem, vor dem er stand zu beschäftigen. Dabei stellte er einige Vorüberlegungen an, und kam so zu dem Schluss, dass es aufs äußerste unwahrscheinlich war, dass Kuro-Tek absichtliche Fehler/Backdoors in die Systeme Nippontais eingebaut hat. Dieser Schluss stützte sich auf eine Kombination aller bisher verfügbaren Informationen, vor allem aber auf der Tatsache, dass es Kuro-Tek zu sehr schaden würde, wenn so etwas wirklich existieren würde und sie kaum eine Möglichkeit hätten, es vollständig zu vertuschen.

Auch stellte er dabei ein paar weitere Lücken in ihren bisherigen Informationen fest:

  • Okura No Oni predigt offensichtlich, dass Nova keine anderen Nova töten sollten. Auch hat er selbst niemals offensive Aktionen durchgeführt, von denen wir wüssten. Seine Verbündeten tun dies aber sehr wohl. Einer von ihnen hält sich gar für eine Bombe, die Nippontai vernichten sollte. Wie passt das zusammen?
    • Woher kommt überhaupt der Plan Jonetsus, als Bombe zu fungieren? War nicht auf jeden Fall davon auszugehen gewesen, dass entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen würden?
  • In Jonetsus Erinnerungen hat Esther gesehen, wie er das erste Mal Kontakt zu Okura No Oni hatte. Das war zu einem Zeitpunkt, an dem er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht eruptiert war. Wie konnte Okura No Oni ihn also finden?
    • Die einzige Person, die bisher glaubhaft damit arbeitet, dass sie Eruptionen auslösen kann (was die einzige Alternative zu vorheriger Kenntnis wäre, die nach aktuellem Informationsstand unmöglich ist) ist der Anführer des Kamisama Buddhismus. Hat er vielleicht etwas damit zu tun?

Aber auch wenn er sich nun sicher war, dass er nichts finden würde, so wollte er die gestellte Aufgabe dennoch nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen. Auch in der Hoffnung, doch noch irgend etwas zu finden, was O'Kage davon überzeugen würde, dass nicht ohne Grund Geisha um einen solchen Gefallen bitten musste. Sein Hauptaugenmerk richtete er entsprechend nicht auf Manipulationen des Systems, auch wenn er darauf sicherlich eingehen würde, sondern auf das Gesamtkonzept, in der Hoffnung, dort Fehler zu finden, übersehene Kombinationen aus Knotenpunkten, die zu einem katastrophalen Versagen des Gesamtsystems führen würden.

Eine weitere Überlegung war, ob Jonetsu nicht vielleicht wirklich eine Bombe war und den Reaktor der Festung als Energiequelle nutzen wollte. Dass er über eine Möglichkeit verfügte, aus eigener Kraft aus den Handschellen zu entkommen, schloss Manuel aus, da er diese in seiner Wut am vorigen Abend sicherlich benutzt hätte. Also blieben noch Fehlfunktion und Hilfe von außen. Fehlfunktion schloss er aus den gleichen Gründen aus wie den generellen Verdacht, Kuro-Tek hätte manipulierte Systeme geliefert. Hilfe von Außen war nicht so einfach auszuschließen, aber das war auch nicht sein Aufgabengebiet. Die Sicherheit des Reaktor hingegen wollte er in Augenschein nehmen.

Durchführung

Als es dann endlich soweit war und die eigentliche Arbeit beginnen sollte, wurde Manuel von Naginata in das dritte Untergeschoss geführt. Dort hörte er bereits das Wummern eines Reaktors, was ihn dazu brachte, nach der Natur des Reaktors zu fragen. Zuerst wurde ihm jegliche Information darüber verwehrt, aber nachdem er einen Verdacht, dass Jōnetsu den Reaktor als Energiequelle nutzen wollte, äußerte, gab Naginata zu, dass der Reaktor zwar Nuklear war, aber anders, als Manuel es sich vorstellte, und das davon keine Gefahr ausging. Ohne weitere Informationen muss Manuel es dabei belassen und ihr glauben.

Er wurde in einen Raum geführt, der voll mit Monitoren und elektronischem Equipment war. In der Mitte des Raumes fuhren mehrere Konsolen aus dem Boden und Manuel wurde angewiesen, dort Platz zu nehmen. Dann tippte Naginata noch zweimal mit dem Fuß auf, ein weiterer Bildschirm fuhr hervor, und Manuel lernte Sanmiittai kennen, die KI der Festung. Manuel versuchte erfolglos einen Witz zu machen ("Sanmiitai - Trinität. Ist eine deiner Formen ein schwarzer Trans-Am?"), den die KI allerdings nicht verstand. Dann machte er sich gemeinsam mit ihr an die Arbeit.

Ergebnisse

Mehrere Stunden lang gingen sie alle Protokolle, Pläne und Prozeduren durch. Oftmals musste dabei Naginata die Freigabe erteilen, dass Manuel Zugriff auf diese Informationen erhielt. Am Ende gab es eine lange Liste mit Systemen, die von den Techniker von Team Tomorrow zu überprüfen seien sowie die Erkenntnis, dass es konzeptionell keinerlei Fehler an der Sicherheit gab, die Manuel hätte finden können. Hier hatten sicherlich mehrere hochbegabte Techniker und Sicherheitsexperten, vermutlich nicht wenige von ihnen mindestens so intelligent wie Manuel viel Arbeit investiert, um ein nahezu perfektes System zu erschaffen.

Auch die untersuchten Komponenten waren allesamt so, wie es von ihnen erwartet wurde. Eine akute Gefahr konnte an keiner Stelle gefunden werden.

Die einzige Schwachstelle, die er finden konnte, war die zu große Autonomität von Sanmiittai sowie dessen komplette Kontrolle über das System. Sollte die KI jemals der Ansicht sein, dass Nippontai selbst zur Gefahr wird, könnte sich die Festung gegen sie wenden. Diese Bedenken ließ Manuel sicherheitshalber aus dem digitalen Bericht heraus, und fügte sie Handschriftlich dem ausgedruckten Bericht hinzu, den er am Ende der Untersuchungen übergab.

Und all das würde noch weitere Arbeit für die Techniker der Festung nach sich ziehen, denn natürlich hatten die Techniker von Team Tomorrow nun Zugriff auf bestimmte Systeme gehabt, weshalb nicht auszuschließen war, dass diese nun kompromittiert waren. Hierbei ging es jedoch um Spionage, nicht um einen Angriff, so dass dem Besuch des Kaisers am Abend nichts mehr im Weg stand.


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