Kapitel 16: Ans Werk

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Der Realität Zeit zum Setzen geben (08.-10- August 2005)

Auch wenn der Auftrag, den die Gefährten von O'Kage erhalten hatten, einer gewissen Dringlichkeit unterlag, so blieb es doch bei der Entscheidung erst einmal ein paar Tage zu beobachten, wie sich die Realität aktuell verhielt. Drei Tage Auszeit nahmen sie sich also, in denen sie sich um Training, Beobachten und persönliche Dinge kümmerten.

Innerhalb dieser drei Tage wurde bereits offenbar, dass die Realität tatsächlich noch im Fluss war. Es wurde von "Freak Accidents" berichtet. Aber diese wurden weniger. Die Vermutung, dass die Grenzen der Realität sich wieder verfestigten, stimmte also.

Auch konnte Esther feststellen, dass die beiden verschiedenen O'Kage, die existierten, sich einen Körper teilten. Aber es war nicht so, dass eine Persönlichkeit dominant und die andere ruhend war. Es befand sich tatsächlich immer nur genau eine Persönlichkeit gleichzeitig in ihm und die jeweils andere schien nirgendwo zu existieren. Zumindest an keinem Ort, der innerhalb der Suchreichweite von Esthers Kräften lag.

Ähnlich verhielt es sich auch mit dem Geist der jungen Drachenfrau. Die meiste Zeit über war sie nicht bei Bewusstsein und Miko konnte ihren Geist auch nirgendwo finden. Aber ab und zu war sie für kurze Zeit wach. Diese Zeit verbrachte sie meist mit O'Kage

Frisch, fromm, fröhlich, frei ... (11. August 2005)

Untersuchung des Miyoshi Building

Nach drei Tagen waren genug grundlegende Daten gesammelt, um genauere Untersuchungen anstellen zu können. Manuel entschied sich, die Punkte genauer untersuchen zu wollen, an denen seiner Vermutung nach die Grenze zwischen den Realitäten am schwächsten war: Das Gebäude der nun nicht mehr existierenden Miyoshi Corporation, den Ort des Anschlags, an dem Yumi Kara gestorben war, sowie den Ursprungsort der Explosion, die die Eruption der Gefährten und die Verschmelzung der Welten ausgelöst hatte. Da der U-Bahn Schacht stillgelegt war und der genaue Ausgangspunkt der Explosion noch nicht bekannt war, kümmerte er sich zuerst um das einfachste: Das Miyoshi Building.

Nachforschungen ergaben, dass es tatsächlich seit der Übernahme der Miyoshi Corporation durch Kuro-Tek stillgelegt war. Es stand zum Verkauf, und es hatte auch verschiedene Interessenten gegeben, aber sie alle waren von ihrem Angebot zurückgetreten. Gerüchte besagten, dass es in dem Gebäude spuke. Es würden dort von einem Moment auf den anderen immer wieder Personen erscheinen, die arbeiten, Räume völlig normal und benutzt wirken, nur um Sekunden oder Minuten später wieder in den desolaten Zustand zu verfallen, den die Gefährten von ihrem letzten Besuch kannten.

Manuel begab sich zum Gebäude und untersuchte es auf der Quantumebene. Sofort stellte er schwere Verwerfungen und Störungen fest. Und je näher er sich dem Punkt im vierten Stock näherte, an dem sich das Portal befunden hatte, des stärker wurde es.

Den Ort des Portals untersuchte er über längere Zeit und stellte dann fest, dass sich in unregelmäßigen Abständen, aber dann doch nach einem erkennbaren Muster, ein Mirkoportal öffnete, das nur einen Sekundenbruchteil Bestand hatte. War das vielleicht der Grund, warum die Welt sich noch immer veränderte?

Kontakt zur anderen Seite

Aber es war nicht nur eine interessante Erkenntnis, es war auch eine potenzielle Möglichkeit, mit der anderen Seite zu kommunizieren. Dadurch, dass er einige Sekunden vor Öffnung feststellen konnte, dass wieder ein Portal kommen würde, konnte er versuchen, eine Nachricht auf die andere Seite zu senden. Er requirierte Ausrüstung für optischen Richtfunk und einige Mitarbeiter, die damit umgehen konnten und zeichnete eine Nachricht an Raphael auf, die dann durch das Portal gesendet werden sollte:

"Hallo Raphael, hier ist Manuel Hamapongo. Es gibt noch immer einen Einfluss eurer Welt auf die unsere, die sich nicht stabilisiert.
Vermutlich ist der Übergang nicht sauber geschlossen worden. Ich bitte um Zusendung der Spezifikationen der Maschinen, mit der ihr das Portal geöffnet habt.
Wenn wir das Portal von beiden Seiten errichten und dann kontrolliert und sauber herunterfahren, sollte das die Störungen beheben."

Die Nachricht wurde nun die nächsten beiden Male gesendet, bei denen sich das Mikroportal öffnete. Das erste Mal, damit die andere Seite mitbekommen konnte, dass ein Nachricht kam, das zweite Mal, damit sie diese dann auch verstehen konnten.

Dann öffnete sich das Portal ein drittes Mal. Nur 4 Minuten nach dem zweiten. Aber es kam keine Nachricht von der anderen Seite. Entweder hatten sie das Signal nicht empfangen, oder sie hatten einfach noch nicht genug Zeit gehabt, eine Antwort vorzubereiten.

Als das Portal sich ein viertes Mal öffnete, nahmen Manuels Hypersinne sofort extrem starke und schnelle Lichtimpulse wahr. Eine Antwort. Noch einige Sekunden, nachdem das Portal schon wieder vergangen war, flimmerten seine Augen von dem hellen Licht. Dann nahm er die Antwort in Augenschein:

"Hier Raphael. # Ihr habt das erste Portal geöffnet # Ihr habt versucht, eine Sonne zu verbrennen #"

Diese Antwort erstaunte Manuel kurz, aber dann verstand er, dass vermutlich der Vorfall vor 8 Monaten damit gemeint war. Aber um sicherzugehen, verfasste er eine weitere kurze Frage und sendete sie beim nächsten Mal:

"Wann und wo?"

Die Antwort war ebenso kurz und knapp wie seine Frage:

"27122004"

Damit hatte er zumindest eine Bestätigung: Die Explosion in den U-Bahn Schächten, hatte tatsächlich den Riss zwischen den Welten erzeugt. Was auch bedeutete, dass Okura No Oni und Loki nicht die gleiche Person sein konnten, denn Okura No Oni war schon vor diesem Vorfall in Erscheinung getreten. Es sei denn natürlich, er konnte durch die Zeit reisen, aber wenn er das konnte, war ihm sowieso nicht beizukommen, also konnte es für weitere Pläne erst einmal ausgeschlossen werden.

Manuel ließ die Ausrüstung und einen entsprechenden Techniker vor Ort verbleiben - vielleicht kamen ja doch noch weitere Nachrichten - und machte sich dann auf zu anderen Dingen. Er hatte gerade einen Anruf von Esther bekommen und musste sich auf den folgenden Tag vorbereiten.

Unterweisung durch Sosuke

Esther hatte an diesem Tag den Entschluss gefasst, sich mehr damit auseinanderzusetzen, was es bedeutete, dass sie nun Anführerin eines Teams von Hojo Butai war. Und der erste Schritt, den sie dabei gehen wollte, war in Erfahrung zu bringen, wie sie sich denn in der Öffentlichkeit verhalten sollte. Und der fähigste und qualifizierteste Ansprechpartner, der ihr dabei einfiel, was Shimamoro Sosuke. Also suchte sie ihn am Nachmittag in seinem Büro auf. Sie traf ihn stattdessen auf dem sonnendurchfluteten Dach des Hochhauses, in welchem die PR Agentur sitzt.

Wie immer war er umgeben von einer ganzen Reihe Sekretärinnen, die auch Models hätten sein können, deren kurvige Formen von eng anliegenden Lackkleidern nur oberflächlich verdeckt wurden. Er empfing Esther und berichtete ihr erst einmal von den Fortschritten der gemeinsam erdachten Anime Serie. Er hatte Grafiker, Produzenten und Storyboard Designer gefunden und beauftragt, und diese hatten das Grobkonzept bereits genommen, an einigen Punkten leicht angepasst, und die Produktion war im Gange. Mit ersten brauchbaren Ergebnissen war vielleicht in 3 Wochen zu rechnen.

Esther hörte sich das an und war erfreut über den guten Fortschritt. Dann kam sie zu dem eigentlichen Grund ihres Besuches. Sie wollte von Sosuke wissen, wie sie sich, nun offiziell zu Nippontai affiliiert, gegenüber der Presse verhalten solle. Auch nutzte sie den Themenwechsel, um einmal die Gedanken ihres Gegenübers zu lesen. Dort fand sie die feste Überzeugung, dass sie als Amerika-jin an dieser Aufgabe scheitern würde. Seine gegebene Antwort war jedoch weit diplomatischer und respektvoller. Er wies sie an, in offizieller Kapazität überhaupt nicht mit der Presse zu sprechen. Ihr Rang innerhalb von Nippontai war zu gering, und ein falsches Wort an falscher Stelle, könnte Pläne zunichte Machen, die seit Monaten liefen, und von denen sie vielleicht gar nichts wusste. Alles, was sie zur Presse sagen durfte war: "Kein Kommentar" oder "Wenden Sie sie diesbezüglich an die Pressestelle von Nippontai."

Weder die gelesene noch die gehörte Antwort gefielen Esther, und so begann sie, in der für die typischen Art, dagegen aufzubegehren. Sosuke versuchte ihr, zuerst diplomatisch, dann direkter, klar zu machen, dass der Weg, den sie ging eine Gratwanderung war und sie stets unter Beobachtung von allen Seiten stand. Nippontai hatte ihr einen großen Vertrauensvorschuss gegeben und es war nun an ihr, zu beweisen, dass dies kein Fehler war. Und bevor sie ihren eigenen, direkteren Weg, gehen konnte, müsste sie zuerst zeigen, dass sie bereit war, den japanischen Weg zu akzeptieren und zu leben. Wie viel von seinen Ratschlägen jedoch durch die akute Trotzigkeit Esthers wirklich ankamen, wusste Sosuke nicht.

Die Einladung

Während des Gespräches kam aber auch noch eine andere Information ans Licht: Kuro-Tek hatte die Helden vom Edo Tower eingeladen, das Werk, in dem die Senchineru produziert werden sollten, zu besichtigen. Anschließend sollte es noch ein gemeinsamen Presseshooting geben.

Das war genau die Gelegenheit, die das Team gesucht hatte: Sie alle hatten die Möglichkeit, sie vor Ort umzusehen. Und die Einladung war sogar von der anderen Seite gekommen, so dass kaum ein Verdacht auf sie fallen konnte. Esther rief Manuel an, und auch dieser stimmte ihrer Ansicht zu. Also sagte Esther dem Termin zu, der am nächsten Tag stattfinden sollte. Abflug war um 11:30 Uhr auf der Festung in den Wolken. Auch Kenshin wurde informiert, berichtete aber, dass er durch die sonderbaren Zwischenfälle stark eingespannt sei und seine Teilnahme daher noch nicht sicher zusagen konnte.

Manuel rief, nachdem er von dem Termin erfahren hatte, direkt bei Yagami Hakiro an, der offenbar bei Shimamoro Sosuke angefragt hatte, ob er ebenfalls an dem Termin teilnehmen durfte. Dieser hatte diese Entscheidung dem Team überlassen, sah er doch weder signifikante Vor- noch Nachteile für Nippontai darin. Von Hakiro erfuhr Manuel, dass die Führung gemeinsam mit einer Gruppe von Kindergarten- oder Vorschulkindern stattfinden würde, was Manuel natürlich ein wenig nervös machte. Mit Kindern konnte er noch nie gut umgehen. Hakiro versprach, Amai Bescheid zu geben, damit diese sich am Abend um Manuels Nervosität kümmern konnte.

Während des gesamten Gespräches fiel Manuel auf, dass Hakiro offenbar auch in dieser Realität anders war. Seine Wortwahl war vulgärer und seine Interessen anders gelagert, als er es in Erinnerung hatte. So fing er plötzlich an, sich für die technischen Details der Senchineru zu interessieren. Etwas, was ihm nach Manuels Einschätzung, relativ egal hätte sein sollen.

Ausflug

Währenddessen, und in völliger Unkenntnis der Probleme, die anderenorts in den letzten Tagen aufgetreten waren, kümmerte sich Tamura Hikari um ihre Kindergruppe. Es war ein ganz normaler Tag, und alles verlief wie gewohnt. Immer noch gab es keine Spur von Ichiro, dem Jungen, der vorgestern plötzlich Teil ihrer Gruppe gewesen war. Vorgestern war das niemandem außer ihr sonderbar vorgekommen, und als er gestern nicht wieder auftauchte, erinnerte sich auch offenbar niemand außer ihr an ihn. Nachdem sie verwirrte Blicke von ihren Kolleginnen geerntet hatte, war sie der Sache nicht weiter nachgegangen. Sie wollte kein Aufmerksamkeit. Sollten die Leute misstrauisch werden und Untersuchungen anstellen, könnte vielleicht ans Licht kommen, dass sie zum neuen Volk gehörte. Und diese Verantwortung wollte sie nicht. Sie war kein Held, wie die Leute von Nippontai, oder auch die kleineren Helden, wie die, die vor einigen Wochen den Banküberfall vereitelt hatten, oder die, die am Edo Tower den Senchineru geholfen hatten. Sie war doch nur eine Kindergärtnerin. Auch wenn ihr diese Aufgabe seit jenem Zwischenfall vor 8 Monaten sehr viel leichter fiel, wodurch sie auch diese fantastische Stelle hatte bekommen können. Bei Kuro-Tek zu arbeiten war eine große Ehre. Die Eltern "ihrer" Kinder gehörten zu den besten und klügsten in ganz Nippon, und vielleicht würde sie mit dafür sorgen können, dass einige von den Kindern in die Fußstapfen ihrer Eltern treten konnten.

Das Mittagessen war gerade vorbei, und die Kinder hatten sich wieder daran gemacht, in den üblichen Gruppen zu spielen, als Hikaris Vorgesetzte hereinkam und sie ein Stück beiseite nahm. Sie erklärte ihr, dass ihre Kindergartengruppe für den nächsten Tag eingeladen worden war, das Kuro-Tek-Werk in Kagoshima zu besichtigen. Eben jenes Werk, in dem die Senchineru gebaut werden würden. Und damit nicht genug: Sie würden dies sogar zusammen mit den Helden vom Edo Tower tun, die so heldenhaft den Senchineru beigestanden hatten im Kampf gegen den unbekannten Drachen. Die Vorgesetzte selbst hatte andere Verpflichtungen, weshalb sie Hikari um den Gefallen bat, diesen Ausflug an ihrer Stelle zu begleiten.

Hikari erkannte natürlich sofort, dass der Gefallen eigentlich gar keiner war, aber dies nun einmal der Weg war, wie solche Angebote gemacht wurden. Mit großer Freude nahm sie also an, war doch Kagoshima sogar ihre Heimat. Vielleicht würde sich die Chance ergeben, ihre Familie zu besuchen, wenn sie schon einmal dort waren. In der typischen japanischen Art dankte sie untertänigst für die Ehre, die ihr zuteil wurde und äußerte Zweifel daran, dass sie diese auch verdient hatte. Ihre Vorgesetzte erwiderte nur kryptisch, dass das Schicksal sie an den Ort bringen würde, an dem sie sein musste. Dann wandte sie sich zum Gehen.

Als sie den Raum verließ, blickte sie noch einen Moment zurück und kurz war Hikari, als würde ein Teil des Gesichts der Matronenhaften Frau zu glatt und zu weiß sein. Fast wie bei einer Maske aus dem No Theater. Aber sie musste sich getäuscht haben. Sicherlich nur ein sonderbarere Lichteinfall.

Vorbereitungen

Nach die Vorgesetzte gegangen war, rief Hikari ihre Kinder beisammen und verkündete ihnen die großartige Neuigkeit. Die Freude war natürlich riesig und die Kinder stellten aufgeregte Fragen. Hikari verschwieg ihnen zuerst, welche Atarashi Koka es sein würden, auf die sie trafen, und fragte statt dessen, welche sie denn einmal gerne kennen lernen würden. Die meisten nannten natürlich die großen Helden von Nippontai, aber der ein oder andere würde tatsächlich Glück haben und die Personen treffen, die sie sich gerade am meisten wünschten.

Hikari gab den Kindern Einverständniserklärungen für die Eltern zur Unterschrift sowie Listen mit Dingen, die sie einpacken sollten, mit. Die Reisezeit war zu lang, als dass sie am gleichen Tag noch wieder zurückkommen würden, und so musste etwas mehr als bei einer normalen Exkursion eingepackt werden.

Dann besprach sie mit den Kindern Fragen, die diese stellen könnten und war am Ende zufrieden, die meisten von ihnen auf vernünftige Fragen gelenkt zu haben. Nur bei dem ein oder anderen Kind war es ihr nicht möglich gewesen, sie von ihren Fragen abzubringen. Sie hoffte, dass nicht gerade diese dazu kommen würden, ihre Fragen zu stellen.

Nachdem dann alle Kinder abgeholt worden waren, begab sie sich noch zu den Eltern, von denen sie wusste, dass sie zu lange arbeiten mussten, um am Abend noch von ihren Kindern angesprochen zu werden, und holte sich dort die notwendigen Unterschriften. Es war ein Ausflug, für den Kuro-Tek bezahlte und der eine große Ehre war. Kein Elternteil hatte irgendwelche Einwände. Was sollte auch schon schief gehen?

Nächtlicher Umbau

Nach dem Telefonat mit Hakiro begab sich Manuel noch in seine Werkstatt und begann damit, seinen Helm umzubauen. Es war zu lästig, immer einen Rucksack mit sich herum zu tragen, und ständig den Helm aufzuhaben hielt er auch nicht für eine gute Idee. Also modifizierte er ihn so, dass der Helm sich in Einzelteile zerlegen konnte, die dann über Schultern und Rücken verteilt ruhten, bis er ihn wieder aktivierte. Das Funkgerät und das HUD mit der entsprechenden Kamera waren dabei ständig aktiv, denn auf diese Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten wollte er zu keinem Zeitpunkt verzichten.

Der Umbau nahm einige Stunden in Anspruch, und als er damit fertig war und sich nach Hause fahren ließ, stellte er fest, dass er vergessen hatte, dass Hakiro ihm Amai vorbeischicken wollte, die in seiner Wohnung auf ihn wartete.

... ans Werk (12. August 2005)

Abflug vom Kuro-Tek Gebäude

Knapp 1.000 Kilometer war die Distanz zwischen dem Firmengebäude in Edo und der Produktionsstätte in Kagoshima. Und nicht ein Flugzeug, sondern ein Helikopter sollte Tamura Hikari, ihre beiden Kolleginnen, und die 18 Kinder dorthin bringen. Das bedeutete 6 Stunden Flugzeit. Und da die Führung auch schon gegen Mittag beginnen sollte, musste es sehr früh losgehen. Treffpunkt war um 05:30 im Kindergarten, dann ging es gemeinsam hinauf auf das Dach des Gebäudes, auf dem der Helikopter bereits wartete. Viele der Kinder waren fürchterlich aufgeregt und hatten die Nacht über kaum geschlafen. Hikari hoffte, dass sie das auf dem Flug nachholen konnten, bezweifelte es aber.

Bevor sie die Kinder das Dach betreten ließ, ging Hikari noch einmal die Sicherheitsanweisungen durch und ließ durchzählen. Alle waren da, es konnte also losgehen. Sie öffnete die Tür und die Kinder liefen, geordnet in Zweierreihen, wie sie es ihnen gesagt hatte, zum Hubschrauber, an dem einer der beiden Piloten bereitstand und ihnen drinnen zeigte, wo sie sich setzen konnten. Auf beiden Seiten des Helikopters waren Sitzbänke, auf die jeweils 3 Kinder oder zwei Erwachsene passten. Alle nahmen Platz und schnallten sich an. Dann ertönte die freundliche Stimme des Piloten aus den Lautsprechen und fragte, ob es losgehen könne. Die Kinder jubelten und riefen ihre Zustimmung. Der Pilot blickt sich um, in Richtung von Hikari, welche ihm kurz zunickte. Kurz darauf nahmen die Rotoren Geschwindigkeit auf und der Helikopter erhob sich vom Dach.

Die ersten 10 Minuten waren der Flug, die Geräusche und der Ausblick unglaublich spannend für die Kinder und sie waren gebannt. Aber dann begann die Faszination langsam nachzulassen und die sonoren Geräusche und der unruhige Boden wurden immer lästiger für sie. Hikari versuchte ihr Bestes, sie bei Laune zu halten, ging noch einmal die erdachten Fragen durch und zeigte ihnen den Werbespot über die Senchineru. Aber irgendwann wurde es ihr zu viel. Außerdem mussten die Kinder doch sowieso noch ein wenig Schlaf finden. Also griff sie mit ihren Kräften um sich, und ließ die Kinder müde werden. Kurze Zeit später war endlich ein wenig Ruhe in dem Helikopter und sie selbst hatte noch etwas Zeit, sich mit den Unterlagen, die sie bekommen hatte, zu beschäftigen.

Abflug aus der Festung

Für Kenshin, Esther und Manuel begann der Tag wesentlich beschaulicher. Sie sollten erst um 11 Uhr auf der Festung in den Wolken sein. Natürlich würden sie einen der Nippontai Jets nehmen. Schließlich waren sie in offizieller Mission einer offiziellen Einladung gefolgt und würden entsprechend Nippontai repräsentieren.

Esther hatte sich dafür extra in Paris ein neues Kostüm besorgt, das in rot und weiß gehalten war. Um den Hals trug sie zudem eine Kette, an der eine Chrysantheme aus Silber und Halbedelsteinen prangte. Manuel trug seine selbst gestaltete Uniform, nun mit dem umgebauten Helm. Auch hatte er auf der rechten Schulter ein weiteres Symbol angebracht: Die Chrysantheme. Dazu hatte er das Schwert dabei, das er bei seiner Eruption geschaffen hatte. Es war ihm zu wichtig, als dass er es irgendwo liegen lassen wollte. Die Gefahr, dass dieser Ort sich dann veränderte und das Schwert verschwand war ihm zu groß. Kenshin trug seinen rot, weißen "Ausgeh-Kampfanzug". Er hatte es einrichten können, dabei zu sein, allerdings würde er unterwegs noch einige Dinge koordinieren müssen. Er hoffte, bis zur Ankunft in Kagoshima damit fertig zu sein.

Freak Accidents

In den letzten Tagen, so berichtete er, waren wirklich einige sonderbare Dinge vorgefallen. Es gab zahlreiche Berichte über das Auftauchen längst verstorbener Personen, die kurz darauf wieder verschwanden. Aber auch größere Zwischenfälle waren denkbar. Der sonderbarste bisher waren etwa 300 Arbeiter, die im Norden der Hauptinsel eines Morgens zur Arbeit erscheinen wollten. Aber das Firmengebäude war eine Ruine und war das auch schon seit Jahren gewesen, und die Arbeiter arbeiteten bei ganz anderen Firmen als der, die an diesem Standort einst existierte.

Gespräch mit Naginata

Während die Gefährten darauf warteten, dass der Jet fertig wurde, kam Naginata auf Manuel zu und verwickelte ihn in ein Gespräch. Auch sie schien sich verändert zu haben. Dies äußerte sich in anderem Tonfall und anderer Stimmung als sonst, aber das fiel Manuel wie gewohnt nicht auf. Sie wünschte ihm, dass er in dem Werk in Kagoshima alles finden würde, was es dort zu finden gibt. Natürlich verstand Manuel das in Hinblick auf ihren Auftrag und so antwortete er auch darauf. Naginata schüttelte daraufhin unmerklich, und von Manuel auch unbemerkt, den Kopf, wandte sich ab und verließ das Rollfeld. Der Jet war gerade herauf gefahren und sie würde die Gefährten nicht begleiten. Dann wandte sie sich noch einmal um und sagte zu Manuel, dass das Schicksal dafür sorgen würde, dass alles an dem Ort ist, an dem es sein soll. Als sie sich wieder abwandte, meinte Manuel kurz, eine weiße Maske über einem Teil ihres Gesichtes zu sehen, aber es war nur ein Sekundenbruchteil und so schob er es auf einen sonderbaren Lichteinfall oder eine Spiegelung von irgendwo.

Dann war der Jet startklar und die Gefährten stiegen ein. Eine kurze Beschleunigungsphase folgte, und keine halbe Stunde später kam der Fertigungskomplex in Sicht.

Ankunft

Im Hubschrauber

Als die Bergkette, in der das Kuro-Tek Werk lag, in Sicht kam, informierte der Pilot Hikari, die daraufhin die Kinder wieder weckte. Den Überflug sollten sie wirklich nicht verpassen.

Das Firmengelände war direkt in den Berghang gebaut, und bei einigen Gebäuden war sofort ersichtlich, dass der sichtbare Teil nur ein Bruchstück des gesamten Gebäudes war. Ein Zaun umgab das gesamte Gelände und nur eine einzige Straße führte durch ein Tor, an dem es natürlich ein Wachhäuschen gab, hinein. Sie hörte den Piloten funken, aber seine Stimmlage klang dabei nach Routine und nicht nach einer Gefahr. Und so lehnte sie sich entspannt zurück und genoss den Ausblick und die faszinierten Gesichter ihrer Kinder.

Doch als der Helikopter gerade zur Landung ansetzte, war es plötzlich mit der Entspannung vorbei.

Im Jet

Der Jet schoß aus der Wolkendecke und umrundete einmal das Gelände. Ein Hubschrauber war gerade im Landeanflug und die Luftverwirbelungen des Jets hätten diesen gefährdet, hätte er direkt auf die Landebahn zugehalten. Landebahn? wunderte sich Manuel. Warum hatte dieses Werk eine eigene Landebahn, an deren Ende ein recht großer Hangar stand. Wohl für eine Modellreihe der Senchineru, die auch zu Langstreckenflügen in der Lage war, so vermutete er.

Dann näherte sich der Jet in seiner Umrundung dem landenden Hubschrauber und solche Überlegungen wurden komplett in den Hintergrund gedrängt.

Ein vertrautes Band

Tamura Hikari

Mit einem Mal verspürte die junge Japanerin ein sonderbares Gefühl. Es fühlte sich an, als hätte sie nach langer Zeit einen alten Freund - nein, sogar einen alten Geliebten - wieder getroffen. Aber wie konnte das sein? Sie spürte ganz deutlich, dass da etwas war, konnte aber weder eine Quelle noch einen Grund dafür ausmachen, und das war, obwohl das Gefühl an sich ein gutes war, beängstigend und beunruhigend.

Hogo Kyodai

Kenshin, Esther und Manuel fühlten, dass jemand in der Nähe war, zu dem sie ein Band besaßen. Zuerst dachten sie, Yumi Kara sei es. Aber das konnte nicht sein. Und es fühlte sich auch nicht ganz genauso an, eben nur fast.

Manuel aktivierte seine Quantensinne, und diese durchdrangen problemlos die metallene Haut des Jets und auch des Helikopters. Er sah, dass sich in dem Gefährt unter ihnen ein Attarashi Koka aufhielt. Die Signatur war ganz eindeutig synchron zu seiner und der der anderen Mitglieder der Hogo Kyodai. Auch diese Person musste also am 27. Dezember 2004 eruptiert sein. Mehr konnte er auf die Entfernung jedoch nicht feststellen. Auch konnte er durch die Wand natürlich nicht sehen, zu wem die Signatur gehörte.

Er teilte seine Erkenntnisse den beiden anderen mit. Aber keiner von den dreien konnte sich erklären, was ein Mitglied des neuen Volkes, und dann auch noch eines, das ihnen offenbar so nahe stand, in diesem Hubschrauber machte.

Dann setzte auch der Jet zur Landung an und die Gefährten machten sich bereit, auszusteigen. Doch in genau diesem Moment bekam Kenshin einen Anruf von der Leitstelle der Armee, die zuständig war für die sonderbaren Zwischenfälle der letzten Tage. Es hatte schon wieder einen solchen gegeben, und seine Expertise wurde benötigt. Für den Moment war es ausreichend, dass er das Team über das OpNet begleitete, aber an der Führung würde er vorerst nicht teilnehmen können. Entsprechend blieb er auch gleich im Jet, als die beiden anderen die Gangway heruntergingen.

Begrüßung

Hikari

Hikari erinnerte noch einmal ihre Kinder daran, den Kopf unten zu halten, bis sie den Bereich um de Helikopter verlassen hatten, dann verließ sie als erste eben diesen. Begrüßt wurde sie dabei von einem Mann in Anzug mit einem Kuro-Tek Namensschild. Er stellte sich als Ashigawa Mori vor und fragte, wie der Flug gewesen sei und wie es den Kindern ging. Hikari erwiderte, dass der Flug angenehm war, die Kinder aber Hunger hätten und auch ein wenig Bewegung brauchten, da sie ja nun 6 Stunden auf recht kleinem Raum verbracht hatten. Ashigawa teilte ihr mit, dass er die Kantine anweisen werde, Essen zuzubereiten, dass alle für die Kinder wichtigen Nährstoffe enthielt und diese sich bis dahin in einem großen Becken voller Plastikbälle austoben konnten.

Dann landete der Jet von Nippontai und Kinder sowie Kindergärtnerin bestaunten, wie die Helden vom Edo-Tower herauskamen, von einer Angestellten in Empfang genommen und in ihre Richtung geführt wurden. Beide waren recht auffällig, aber gleichzeitig auch völlig unterschiedlich, gekleidet. Eine gut aussehende junge Frau war dort, die klassische, gut sitzende Kleidung in rot und weiß trug, dazu eine große Chrysantheme an einer Kette um den Hals. Und ein eher schmächtig wirkender junger Mann. Für japanische Verhältnisse recht groß geraten und gekleidet in einen Anzug, der offenbar dafür gedacht war, im Kampf Schutz zu bieten. Dazu trug er sogar ein Schwert auf dem Rücken. Erwartete er hier etwa Gefahren? Waren die Kinder in Sicherheit? War sie in Sicherheit? War der junge Mann vielleicht eine Gefahr? Und warum blickte er sie so direkt an? Hatte sie ihn angestarrt und so seine Aufmerksamkeit erregt? Nein, sicher nicht. Aber sie war sich sicher: Er musterte sie sehr genau. Was für eine Unverschämtheit! Hatte der Mann kein Benehmen? Und was war das für ein sonderbares Schimmern, dass in genau diesem Moment über die Augen des Mannes lief?

Hogo Kyodai

Esther und Manuel verließen über die Gangway den Jet. Kenshin würden sie über ihre psychische Verbindung auf dem Laufenden halten. Am unteren Ende der Gangway befand sich eine junge Frau, die auch ein Model hätte sein können und begrüßte die beiden mit einer Verbeugung. Diese war exakt so tief, dass sie einen Blick in ihren tiefen Ausschnitt geradewegs provozierte. Sie stellte sich kurz vor und geleitete die Gäste in Richtung der Kindergruppe, die am Ende der Landebahn vor einem der Gebäude stand.

Erkennen und Untersuchen

Manuel wollte die vorhin gefundene Signatur genau einer Person zuordnen können, daher aktivierte er erneut seine Quantensinne. Offenbar versuchte die Frau, die er erkannte, ihre Kräfte zu verschleiern, aber es gelang ihm dennoch, einen Eindruck davon zu bekommen, wozu sie in der Lage war: Ihre Kräfte waren die Manipulation von Emotionen, Kraftfelder, Selbstverwandlung, sowie Heilung. Eine ungewöhnliche Mischung. Und trotz der großen Unterschiede in den Kräften hatte Manuel doch das Gefühl, dass diese Signatur der von Yumi Kara sehr ähnelte.

Dann, nach einer kurzen gemeinsamen Begrüßung, fingen die Kinder an, in das Gebäude zu laufen. Dieses war vor Funkstrahlung abgeschirmt, so dass es ein leichtes sein würde, das OpNet Signal der jungen Attarashi Koka zu finden. Als die Kinder alle im Gebäude waren, blieben 5 mögliche Signale übrig: Die drei Betreuerinnen der Kinder, unter ihnen die gesuchte, dann die Frau, die sie hierher geleitet hatte, und Ashigawa Mori. Er speicherte die Nummern ab und fing an zu recherchieren.

Es dauerte keine Minute und er hatte den Namen und grundlegende Daten der jungen Frau: Tamura Hikari, 24 Jahre alt, Angestellte von Kuro-Tek.

Im Werk

Hikari

Die beiden Attarashki Koka betraten vor Hikari das Gebäude, und blickten sich dabei immer wieder an, ohne auch nur ein Wort miteinander zu wechseln. Auf kurze Entfernung hatte sie erkannt, dass beide Gaijin waren. Die Frau wurde als Esther O'Hara vorgestellt. Ein amerikanischer Name. Der Mann als Manuel Hamapongo, auch genannt Panday. Sie hatte fast damit gerechnet, dass er "Iron Embers" war. Aber nein, wie hätte so ein schmächtiger, fast schon zerbrechlich wirkender, junger Mann auch tausende Tonnen Stahl halten sollen. Aber wer war er dann? Ein Filipino, das sah sie sofort. Also nicht nur bewaffnet, sondern wahrscheinlich auch noch ein Krimineller. Na toll. Und warum schickte Nippontai zwei Gaijin zu diesem Termin? Wollten sie Kuro-Tek beleidigen?

Hikaris Verwirrung hielt weiter an, doch dann schlug sie in Empörung um, als sie sah, wie dieser Panday auf dem holografischen Display seines OpPhone gerade ihre eigene Personalakte öffnete. Dieser Mann hatte wirklich kein Benehmen. Dann riss ein Summen sie aus ihren Gedanken. Sie blickte auf ihr eigenes OpPhone und stellte fest, dass sie eine Nachricht bekommen hatte:

"Am 27. Dezember 2004 ist etwas geschehen, was ihr Leben verändert hat. Wir sollten uns unterhalten."

Keine Unterschrift, kein Name, nichts. Immerhin war die Absendernummer nicht blockiert. Aber was nützte ihr das schon? Sie wusste natürlich sofort, welches Ereignis gemeint war - ihre Eruption! Acht Monate hatte sie es geschafft, sie zu verbergen. Vor Freunden, Familie und Fremden gleichermaßen. Und nun kamen diese beiden, und binnen wenigen Minuten hatten sie sie durchschaut. Wie konnte das sein? Und was sollte sie nun tun?

Als sie von ihrem OpPhone wieder aufblickte, sah sie gerade noch, wie Panday sein holografisches Display einfuhr. Und wie O'Hara-san ihn strafend anblickte.

Dann erreichten sie die Kantine.

Mittagessen

Ashigawa deutete Hikari, Esther und Manuel, am gleichen Tisch wie er Platz zu nehmen. So sollte die Leiterin der Kinder die Chance bekommen, sich mit den beiden Attarashi Koka zu unterhalten, bevor diese mehr Kontakt mit den Kindern haben würden. Die Kinder waren noch immer im Bälleparadies. Er wollte gerade den üblichen Smalltalk beginnen, als er über Funk eine Nachricht erhielt, die in zwang, sich für den Moment zu entschuldigen und seine Gäste an dem Tisch alleine zu lassen.

Hikari hatte schon vor dem Gebäude und während des Weges die Chance genutzt, die Körpersprache der beiden Gaijin zu beobachten. So konnte sie mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass O'Hara-san eine offene und freundliche Person war, die sehr selbstsicher auftrat und sich sicher war, Herrin der Lage zu sein. Dieser Panday hingegen war schwerer zu lesen. Sie meinte zu erkennen, dass eine gewisse Unsicherheit zu spüren war. Sicher war sie sich, dass seine Augen sehr viel sahen. Und auch hinter den Augen ruhte ein wacher, wenn auch wohl etwas unsteter, Geist.

Gespräche am Tisch

Nachdem Ashigawa Mori den Tisch verlassen hatte, stellte Hikari dem Filipino dann die Frage, die ihr schon seit einigen Minuten auf der Zunge brannte: "Haben Sie mir die SMS geschickt?", worauf dieser nur mit einem knappen "Ja." antwortete. Sie fragte ihn, woher er denn das wissen könne. Seine Antwort prasselte auf sie ein, bestand aber aus viel zu vielen, viel zu schnellen Worten, die zwar japanisch waren, aber die sie dennoch nicht wirklich verstand. Irgend etwas mit Signaturen und Quanten. Ihren fragenden Blick richtig deutend ergriff O'Hara-san das Wort und erklärte ihr, dass Manuel in der Lage war, so etwas zu sehen. Hikari verstand das zwar immer noch nicht wirklich, nahm es aber für den Moment hin. Wichtiger als das "Wie" war, was sie nun mit dieser Information vor hatten. Erst einmal gar nichts, wurde ihr versichert. Aber dennoch würden die beiden sich gerne einmal in privaterem Rahmen mit ihr unterhalten, um Dinge zu besprechen, die sie wissen sollte. Der Filipino überreichte ihr eine Visitenkarte. Sein Name stand darauf, und dass er CTO einer Firma mit Namen Unlimited Imagination war, also ein Techniker oder Wissenschaftler. Gut, das erklärte zumindest, warum er hier war.

Dann kam Ashigawa zurück und auch das Essen wurde serviert, so dass sich die Gespräche unverfänglicheren Themen zuwendeten. Hikari erklärte, dass die Kinder gut vorbereitet seien, und jedes sich eine Frage ausgedacht hatte. Sie bemerkte sofort, dass Panday diese Aussage nervös machte, ließ sich dieses Wissen aber nicht anmerken. Alles andere wäre schließlich unhöflich gewesen.

Dann verebbten die Gespräche, da das Essen an die Tische geliefert wurde.

Fragestunde mit den Helden vom Edo Tower

Vorstellung

Bach dem Essen sammelte Hikari die Kinder, die sich wie gewohnt in Zweierreihen aufstellten und durchzählten. Dann folgte sie Ashigawa-san und den beiden sonderbaren "Helden" in einen Raum, der offenbar für Pressekonferenzen oder ähnliches gedacht war. Dort gab es ein Podest, auf dem eine Tischreihe mit Stühlen stand, und vor dem Podest mehrere Sitzreihen aus Stühlen.

Die "Helden" - sie konnte nicht umhin, in ihrem Geist die Anführungszeichen um den Begriff zu setzen, denn wie echte Helden wirkten die beiden nun wirklich nicht - nahmen gemeinsam mit Ashigawa hinter dem Tisch Platz. Auch für sie war dort ein Platz reserviert. Sie sollte wohl gemeinsam mit Ashigawa das Ganze moderieren. Die Kinder und ihre beiden Kolleginnen setzten sich in die Stuhlreihen.

Ashigawa-san ergriff das Wort und stellte die beiden "Helden" formell vor. Als er dabei behauptete, dass O'Hara-san noch keinen Namen habe, unterbrach diese ihn sofort und wies ihn so sehr unhöflich auf seinen kleinen Fehler hin. Ashigawa verbesserte sich und stellte klar, dass damit natürlich ein Korusain gemeint war, welches ihr fehlte. In ihren Nachforschungen am vorigen Abend hatte Hikari herausgefunden, dass man munkelte, eingeweihte Personen würden sie Koyaku - Großmaul - bezeichnen. Nach ihrer bisherigen Erfahrung ein durchaus passender Name.

Durch die Vorstellung erfuhr Hikari auch, dass der junge Filipino tatsächlich jener "Iron Embers" war, von dem berichtet worden war. Offenbar war sein korrekter Name Nova! Networks einfach nur nicht bekannt gewesen.

Fragen

Nach der Vorstellung sagte Ashigawa-san dann, dass insgesamt fünf Fragen gestellt werden dürften. Sein Blick ging zu Hikari, auf dass diese die Kinder auswählen konnte, deren Fragen es sein würden. Aber Hikari wollte diese Wahl nicht treffen und hielt sie auch für unnötig. Die Kinder waren gut vorbereitet und fast jedes von ihnen hatte gute Frage einstudiert.

Als die Kinder jedoch erfuhren, dass sie nicht alle ihre Frage würden stellen dürfen, wurden sie nervös und unruhig. Um zu verhindern, dass sie laut wurden und ein Chaos entstand, griff Hikari kurz nach ihren Gefühlen und dämpfte sie ein wenig. Das war für alle Anwesenden sicherlich besser, und wenn sie es jetzt tat, bevor etwas auffällig wurde, würde es auch sicher niemand bemerken.

Nachdem sie ihre Kräfte angewendet hatte, bemerkte sie, dass die Blicke der beiden Gaijin sie beobachteten. Hatten sie etwas mitbekommen? Wenn ja, wie? Und warum blickten sie sich nun schon wieder so an, als würden sie sich über etwas unterhalten?

Doch dann war der Moment vorbei, Ashigawa wählte das erste Kind aus, das eine Frage stellen sollte, und die Blicke der beiden richteten sich wieder auf die Kinder.

Die gestellten Fragen waren:

  1. An O'Hara-san: Wie fühlt es sich an, ein Portal zu öffnen? Eher wie tanzen oder eher wie Kuchen backen?
  2. An Panday-san: Wenn er sich in Metall verwandelte und dann auf Toilette ging, machte er dann auch Metall-Aa?
  3. An O'Hara-san: Wie fühlte es sich an, O'Kage zu küssen?
  4. An Panday-san: Was war die maximale Kraft, die er mit seinen Schlägen aufbringen konnte?
  5. An O'Hara-san: Wenn sie ein Portal öffnete, konnte man dann hindurchkacken?
  6. An O'Hara-san: Konnte sie jetzt und hier ein Portal öffnen, damit die Kinder es sehen würden?

Bei den Antworten auf die ersten fünf Fragen wurde Hikari schnell klar, dass der Filipino überhaupt nicht mit Kindern umgehen konnte. Seine Antworten waren sachlich und korrekt, aber die Kinder konnten mit ihnen wenig anfangen. Bei der zweiten Frage ware es O'Hara-sans eingeworfene Antwort: "Er musste noch nie scheißen, als er aus Metall war.", die seine Antwort für die Kinder verständlich machte. Etwas vulgär zwar, aber in dem Moment war das gut, da es die Stimmung etwas lockerte. Auch bei den Antworten auf ihre eigenen Fragen fand sie stets die richtigen Worte, so sonderbar die Fragen auch gewesen sein mochten. Wer auch immer die Gaijin war, und was auch immer ihr wirkliches Ziel hier war, die Kinder mochten sie. Und Kinder mochten selten schlechte Menschen. Aber auch die Antworten des Filipinos waren nicht dazu gedacht, etwas zu verheimlichen oder die Kinder vor den Kopf zu stoßen. Es wirkte eher, als habe er einfach nie gelernt, mit Kindern zu reden. Das machte ihn aber nicht direkt zu einem schlechten Menschen.

Die sechste Frage dann, das Öffnen eines Portals, sorgte für etwas größere Probleme als die bisherigen: O'Hara-san versicherte zwar, dass das Portal völlig ungefährlich sein würde und gar nichts passieren konnte, aber konnte sie dieser Frau wirklich so weit trauen? Hikari blieb also wachsam.


Das Portal

Dann öffnete die Gaijin das Portal. Eine schimmernde Scheibe erschien in der Luft, wuchs langsam an. Als sie ausgewachsen war, verlief von Außen nach Innen eine Veränderung. Zuerst bildeten sich Außen dunkle, wabernde Ränder, dann wurde im Inneren ein Bild von einem Strand sichtbar. Menschleer, direkter Blick auf das klare blaue Wasser des Meeres. Die Kinder waren außer sich, und drei von ihnen konnte nicht an sich halten und stürmten auf das Portal los. Gut, dass sie wachsam geblieben war. Mit einem Satz stand sie zwischen den Kindern und dem Portal. Mit einem Satz? War sie nicht gerade noch mehrere Meter davon entfernt gewesen und hatte auf einem Stuhl gesessen? Hatte das noch jemand bemerkt oder hatten die anderen das Portal beobachtet? Sie blickte sich um und fand wieder einmal den Blick der Gaijin auf sich ruhen. Entging denen denn gar nichts?

Hikari wandte ihren Blick den drei Kindern zu und schalt sie. Sie wussten genau, dass sie das Portal nicht hätten berühren dürfen, aber sie hatten es dennoch versucht. Eine Strafe musste sein, also tat sie das, was sie den Kindern vorher versprochen hatte: Sie schloss die drei von der weiteren Exkursion aus. Sie würden sofort ins Hotel gebracht werden und dort bis zu Abend warten, bis die anderen auf dort eintrafen. Eine ihrer beiden Kolleginnen nahm die Kinder bei der Hand und führte sie aus dem Raum. sie machten zwar lange Gesichter und protestierten, aber Konsequenzen mussten eben gelernt werden.

Ende der Fragestunde

Ashigawa-san erwähnte kurz, dass er sich offenbar verzählt hatte, was der Filipino unhöflicherweise bestätigte, und entschuldigte sich für die zusätzliche Frage, die dann auch zu einem kleinen Eklat geführt hatte.

Damit war die Fragestunde beendet und die eigentlich Besichtigung des Werkes konnte beginnen.

Führung

Manuel war froh, dass die Fragestunde endlich vorüber war. Die Fragen, die diese Kinder gestellt hatten, waren zu 80% sinnlos gewesen. Und bei der einen Frage, die interessant war, nämlich der nach seiner maximalen Schlagkraft, hatte das Kind die Antwort nicht verstanden. Auch seine Versuche, sie einfacher zu fassen, waren erfolglos geblieben, und so würde bei den Kindern am Ende nur die Information erhalten bleiben, dass er viel Stärker war als sie. Eine Information, die so offensichtlich und trivial war, dass sie auch schon wieder sinnlos war.

Aber nun ging es endlich an die Erkundung des Werkes und die eigentliche Aufgabe, wegen der sie hier waren, konnte beginnen.

Die Bahn

Ashigawa führte die Besucher zu einer Hängebahn. Man sah von der Station aus, dass offenbar Schienen durch das gesamte Werk gingen. Und die Bahn war, wie schon das Bälleparadies und die viel zu große Kantine zuvor, ein Indiz dafür, dass dieses Werk darauf ausgelegt war, große Mengen von Besuchern verarbeiten zu können. Natürlich bestand die Bahn zu großen Teilen aus Metall, so dass Manuel sich von den Wänden und auch den Haltestangen in der Mitte fernhalten musste. Und so stand er, vermutlich etwas verloren wirkend, mitten in der Bahn, währen die meisten anderen sich setzten.

Nachdem die Kinder sich gesetzt hatten, ging Esther zu dem kleinen Mädchen, dass die dritte Frage gestellt hatte. Die über die Küsse von O'Kage. In der Fragestunde hatte sie ihr schon erklärt, dass sie ihn noch nie geküsst hatte, und es war ihr klar geworden, dass das Kind von dieser Antwort enttäuscht gewesen war. Offenbar schwärmte die kleine - Ari war ihr Name, erinnerte sie sich - für den göttlichen Schatten. Immer noch betrübt saß sie im hinteren Teil der Bahn. Esther hatte mit Manuel abgesprochen, dass er sich die wichtigsten Aspekte der Fertigung ansah und mental an sie übertrug, da sie das bessere Gedächtnis, er aber das größere Verständnis hatte. Und damit den anderen nicht auffiel, wie konzentriert er beobachtete, sollte sie sie ablenken. Und da kam dieses kleine Mädchen gerade recht.

Esther ging zu ihr, kniete sich hin, und sprach sie an. Sie erzählte ein wenig vom großen Schatten, und dass er tatsächlich keinen Unterschied zwischen neuem Volk und Menschen machte, wenn es darum ging, Frauen zu küssen, und die kleine Ari, wenn sie dann mal groß genug war, durchaus Chancen hatte, dass ihr Traum wahr wurde. Auch schenkte Esther ihr noch ein Armband, welches sie schon auf vielen Reisen begleitet hatte. Zumindest behauptete sie das der Kleinen gegenüber. Auch behauptete sie, dass es ihr immer Glück gebracht und sie beschützt hätte und dies nun auch für Ari tun würde. White Lies nannte man so etwas in Amerika, und es funktionierte in Nippon genauso gut, wie im Rest der Welt. Die Stimmung von Ari war nun wesentlich besser, und das Gespräch hatte genug Aufmerksamkeit erregt, dass Manuel Zeit hatte, sie dich Fertigungsstraße und die dort sichtbaren Bauteile genauer anzusehen. Esther hatte zwar etwas Kopfschmerzen von den vielen Bildern und Informationen, die auf sie eingeprasselt waren, aber diese würden vergehen.

Fertigungsstraße

ACHTUNG RETCON
Ab dieser Stelle beginnen teilweise massive Änderungen gegenüber den gespielten Ereignissen. Diese sind Teil des von Roger beschlossenen Retcons. Bitte lest also ab hier besonders sorgfältig und korrigiert eure Erinnerungen :P

Die erste Halle, über die die Schwebebahn fuhr, war die Fertigungshalle. Es waren allerhand Stationen zu sehen, an denen die verschiedenen Bauteile der Senchineru zusammengebaut wurde. Arme, Beine, etc. lagen hier in ihren Einzelteilen herum. Manuel nutzte die Gelegenheit, um einen sehr genauen Blick auf die einzelnen Bauteile und Platinen zu werfen. Mittels seiner Kräfte zoomte er sie stark genug heran, um die einzelnen Schaltkreise erkennen zu können, und sandte diese Bilder dann an Esther, damit diese sie speichern konnte. Später würden sie diese dann gemeinsam mittels des Holohelms genauer in Augenschein nehmen können und würden so eine Möglichkeit haben, die Technik der Roboter genauer zu analysieren. Auch nutzte er die Chance, sich die Legierung, aus der die Panzerung der Maschinen bestand, auf molekularer Ebene anzusehen. Sie bestand aus mehreren Schichten Wolfram-Carbid-Stahl Legierung und einer kristallinen Komponente, die Manuel nicht kannte und nicht zuordnen konnte. Aber auch das wollte er später, in seinem Labor, nachholen.

Gegenseitiges...

Hikari beobachtete die beiden Gaijin sehr genau. Noch immer war sie fasziniert davon, wie gut diese Esther O'Hara mit den Kindern umgehen konnte. Aber warum stockte sie immer wieder, wenn auch nur für Sekundenbrauchteile? Bemerkte das eigentlich außer ihr noch jemand? Irgend etwas ging doch da vor sich...

OK, der Filipino war Techniker. Da war sein Interesse an der Fertigungsstraße nur natürlich und zu erwarten gewesen. Aber starrte er die Teile nicht etwas lange an? Was tat er da?

Langsam aber sicher gewann sie immer mehr den Eindruck, dass hier wirklich Werksspione am Werk waren, auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie sie die Spionage bewerkstelligen wollten. Die Bauteile einfach nur zu sehen, und das aus dieser Entfernung, konnte ihnen unmöglich genug verwertbare Informationen geben.

Und warum blickte die Frau sie nun schon wieder so misstrauisch an? Oder war das auch nur ein kurzer Moment des Stockens gewesen? Irgendwie sah sie müde aus, erschöpft, oder als habe sie Kopfschmerzen. Aber wovon?

...Misstrauen

Esthers Ablenkungsmanöver schien zu funktionieren. Sie war mit der kleinen zusammen Zentrum der Aufmerksamkeit, zumindest all der Leute, die nicht sowieso die Fertigungsstraße fasziniert betrachteten. Sie hoffte, dass niemand bemerken würde, wie sehr sie von den Bildern, die Manuel ihr die ganze Zeit schickte, abgelenkt war. Die ein oder andere Familienpackung Aspirin hätte sie sich jetzt gerade gewünscht. Und meinte sie das nur, oder war die Kindergärtnerin, die offenbar vor ihren Kolleginnen verbarg, eine Attarashi Koka zu sein, mit ihren Blicken etwas zu wenig auf die Kinder fixiert? Immer wieder schien sie Esther oder Manuel zu beobachten. Sie wollte auf Nummer Sicher gehen, und las die Gedanken der jungen Japanerin.

Sie war erstaunt, wie viel Widerstand der Geist ihr leistete. So einen festen Geist hatte sie selten gespürt. O'Kage war ähnlich schwierig, aber die meisten jüngeren Leute waren weit weniger gefestigt. Aber doch schaffte sie es, ihre oberflächlichen Gedanken zu erhaschen. Erschrocken stellte Esther fest, dass ihre Vermutung korrekt gewesen war. Tamura Hikari dachte gerade darüber nach, dass Manuel und sie selbst Spione sein könnten. Verdammt. Würde diese Frau sie auffliegen lassen? Sie warnte Manuel in Gedanken, dass die Kindergärtnerin Verdacht geschöpft hatte. Er nahm es zu Kenntnis, hatte aber auch keine akuten Ideen, was sie dagegen tun konnten.

Aber dann verschwand die Fertigungshalle auch so langsam aus dem Blickfeld und die Schwebebahn steuert auf den nächsten "Bahnhof" zu, an dem sie dann auch anhielt.

Übungsraum

Ashigawa-san deutete ihnen allen, auszusteigen. Direkt an der Platform, an der sie gehalten hatten, gab es ein breites Sichtfenster, das offenbar aus einem dicken durchsichtigen Material bestand. Es gab den Blick frei auf die Halle, die darunter lag.

In der Halle stand ein Senchineru, momentan bewegungslos. An der Seite der Halle sah man im oberen Bereich ein weiteres Sichtfenster, hinter dem einige Männer standen oder saßen und auf Monitore blickten. Einer davon nahm ein Mikrofon in die Hand, sprach hinein, und man hörte auf der Plattform aus Lautsprechern: "Defensivtest 3. Lethaler Angriff durch mechanische Angreifer. Testbeginn in 3 ... 2 ... 1 ... Start!"

Defensivtest

In diesem Moment drückte er offenbar auf einen Knopf, der auf dem Schaltpult vor ihm lag. Unten in der Halle öffnete sich eine Irisartige Luke im Boden und aus ihr fuhr ein Geschützturm mit Gatling-Repetiergeschütz hervor. Die Rohre begannen sich zu drehen. Gleichzeitig wurde der Senchineru aktiv. Mit den Worten "Bedrohung erkannt, Verteidigung einleiten." ging er in die Hocke und hämmerte seine rechte Faust auf den Boden. In seinem Unterarm öffnete sich eine Klappe und daraus hervor kam ein metallener Teleskopfächer, der sich vor ihm ausbreitete. Dann begann das Geschütz zu feuern.

Die Kugeln prallten harmlos an dem Fächer ab, erzeugten allenfalls kleinere Dellen oder Kratzer, konnten aber keinen Schaden verursachen. Dann gab es eine winzige Unterbrechung. Ein oder zwei "Takte" lang lud das Geschütz offenbar nach. Dann schoss es weiter. Just in dem Moment, in dem es erneut hätte nachladen müssen, fuhren jedoch zwei der Segmente des Fächers ein und ermöglichten den Blick auf eine Waffe, die aus der linken Hand des Senchineru herausragte. Er feuerte zwei Schüsse aus einer Markierungswaffe ab, die beide das Geschütz trafen, welches daraufhin aufhörte zu rotieren und wieder im Boden versank. Aber an anderer Stelle öffneten sich nun Schächte im Boden, aus denen kleinere Drohnen hervorkamen. Teilweise fliegend, teilweise mit Rädern. Sie kreisten um den Senchineru, begannen, ihn aus unterschiedlichen Richtungen zu beschießen. Aber immer schaffte er es, sich in eine Position zu bringen, wo sein Schild den Großteil der Angriffe abfangen konnte. Dann, in den kurzen Verschnaufpausen, die die Drohnen in ihren Angriffsmustern unweigerlich hatten, konterte er mit eigenen Angriffen. Teilweise mit der bereits gegen das Geschütz eingesetzten Schusswaffe, teilweise mit einer Art Klinge, die aus seinem linken Unterarm kam.

Nach wenigen Minuten war der Kampf vorbei. Der Senchineru stand noch, war nahezu unbeschädigt, und alle Angreifer waren neutralisiert. Die Kinder jubelten. So etwas war es, was sie zu sehen gehofft hatten.

Auch Manuel war froh, dieses Schauspiel gesehen zu haben, ermöglichte es ihm doch, die Verhaltensweise der Senchineru genauer zu analysieren. Er achtete sehr genau auf die Aktionen und Reaktionen, und stellte fest, dass es sich bei dem Verhalten um kein rein maschinelles handelte. Die getroffenen Entscheidungen wirkten fast intuitiv. Hier war definitiv eine sehr fortschrittliche Fuzzy Logic im Einsatz, die kalte, maschinelle Effizienz mit intuitiver Entscheidungsgeschwindigkeit kombinierte.

In die Hohle des Löwen

Waren die Kinder vorher schon aus dem Häuschen gewesen, so steigerte sich dieser Zustand noch, als Ashigawa-san vorschlug, nun hinunter in die Halle zu fahren, damit die Gäste - Kinder wie Helden - sich den Senchineru aus der Nähe ansehen konnten. Hikari versicherte sich noch einmal bei ihm, ob das denn auch wirklich sicher sei, aber Ashigawa-san beruhigte sie. Die Senchineru waren schließlich für den Einsatz in zivilen Gebieten gedacht.

Also bestiegen sie alle den Aufzug und fuhren herunter.

Eskalation

Unten angekommen waren die Kinder natürlich noch faszinierter von dem gigantischen Roboter. Acht Meter Höhe, 3 Stockwerke. Das war schon für ausgewachsene Menschen gewaltig. Für die Kinder wirkte die Maschine wie ein Titan. Aber sie hatten auch gerade gesehen, zu was er in der Lage war, weshalb sie sich ihm erst einmal nicht weiter näherten. Statt dessen prasselten unzählige Fragen aus ihren Mündern. Ashigawa Mori versuchte, diese nach bestem Wissen zu beantworten.

Ein paar der Kinder hatten auch ihre Handys hervorgeholt und machten offenbar Bilder des Senchineru. Da dies offenbar nicht untersagt wurde, begann auch Manuel eine Aufzeichnung, um die Spuren des Kampfes am Senchineru später analysieren zu können.

Alles war gut.

Hikari war glücklich, dass die Kinder so einen fantastischen Tag hatten, von dem sie noch Jahren berichten würden. Gut, die beiden Gaijin hatten ihre Tarnung durschaut, aber wie würden sie wohl kaum auffliegen lassen. Und die Spionage der beiden konnte auch kaum Ergebnisse geliefert haben. Was hatten sie denn schon gesehen? Dieses Werk war dazu gedacht, besichtigt zu werden.

Esther und Manuel waren glücklich, so viele Daten gesammelt zu haben. Gut, da war ein neuer unbekannter Faktor aufgetreten. Die Kindergärtnerin. Sie arbeitete für Kuro-Tek, aber war auch mit ihnen irgendwie verbunden. Da würde sich noch zeigen müssen, auf welcher Seite sie stand.

Doch dann ertönte die dröhnende Stimme des Senchineru:

Bedrohung erkannt. Verteidigung einleiten!

Der Auslöser

Alle Augen wandten sich erschrocken dem riesigen Roboter zu. Dessen Blick ruhte auf Ira, dem Mädchen, dass so sehr für O'Kage schwärmte. Sie hatte eine Wasserpistole in der Hand und diese auf den Senchineru gerichtet. Und vor Angst war sie erstarrt. Der Arm des Senchineru begann gerade, sich zu heben.

Rettung der Kinder

Hikari stürmte hervor, stellte sich zwischen Ira und Maschine und streckte ihre Hände aus. Gleichzeitig dazu machte Manuel eine wischende Handbewegung. Im selben Moment, in dem die Wasserpistole des Mädchens zu Sand wurde und aus ihren Händen rieselte, baute sich vor Hikaris ausgetreckten Händen ein Kraftfeld auf. Es wirkte wie eine schillernde Wasseroberfläche, leicht bläulich, durchsichtig. Auch Esther war auf Ira zugestürzt, war jedoch langsamer als die beiden anderen, und musste so ihre Kräfte nicht mehr einsetzen.

Langsam zog sie das vor Angst zitternde Mädchen mit sich, in Richtung der anderen Kinder. Hikari erkannte, dass unter ihnen jeden Moment eine Panik ausbrechen würde. Noch hatten sie aber noch nicht verarbeitet, was geschah, und somit hatte sie noch Zeit. Sie wandte sich in Richtung der Kinder, und damit aus ihrer aktuellen Position auch in Richtung aller anderen Anwesenden, und sandte beruhigende Wellen aus. Wie auf einen Schlag wurden die Kinder, ihre Kollegin und auch Ashigawa ruhig. Nur die beiden anderen Attarashi Koka schienen resistent gegen ihren Einfluss.

Die beiden anderen ... erst jetzt ging Hikari auf, dass sie mit dem Kraftfeld offenbart hatte, dass auch sie dem neuen Volk angehörte. Und ihre Kollegin, die Kinder, Ashigawa, sie alle hatten es gesehen. Vielleicht hatte eines der Kinder es sogar mit seinem Handy aufgezeichnet. Acht Monate hatte sie sich verstecken können. Acht Monate. Und alles vergebens.

Doch jetzt gab es erst einmal wichtigeres. Langsam wich sie, das Kraftfeld noch immer zwischen sich und dem Senchineru, zurück in Richtung Aufzug. Die Kinder sammelten sich hinter dem Feld und auch ihre Kollegin und Ashigawa konnte sicher in den Aufzug gelangen.

Manuel aktivierte in der Zwischenzeit Helm und Levitationsgürtel. Es war offensichtlich, dass der Senchineru nicht wieder heruntergefahren war, obwohl die "Bedrohung" längst nicht mehr existierte. Ein EMP Impuls, den er aussandte, prallte ergebnislos von der Maschine ab. Sie war offenbar zu stark geschirmt für seinen aktuellen Zustand. Er verwandelte sich in Metall, aber auch dieses hatte eine weniger hohe Dichte als sonst. Er hoffte, dass es reichen würde, sollte es tatsächlich zum Kampf gegen die Maschine kommen.

Auch Esther versuchte, den Senchineru zu bezwingen, oder zumindest erst einmal die Gefahr zu bannen. Sie öffnete direkt unter ihm ein Portal, aber der Senchineru bemerkte es rechtzeitig und machte nur einen Schritt beiseite. Dann informierte sie Kenshin über die aktuelle Situation.

In der Halle Verbliebene

Im Hintergrund hörten alle drei, Hikari, die vor dem Aufzug geblieben war, um das Kraftfeld aufrecht zu erhalten, bis die Türen sich geschlossen hatten, Manuel, nun in der Luft schwebend und beobachtend, und Esther, die auch hinter dem schützenden Kraftfeld stand und wusste, dass sie jederzeit entkommen konnte, wie der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte. Die anderen waren vorerst außer Gefahr.

Hinter der zweiten Scheibe sahen sie hektische Betriebsamkeit. Offenbar wurde dort etwas versucht, was aber keinen Erfolg hatte. Sie waren alleine mit der Kampfmaschine und niemand konnte ihnen jetzt helfen.

Anerkannte EP: 4
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