Kapitel 20: Unter Göttern

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Letzte Vorbereitungen (04. September 2005)

Die Gefährten standen noch immer in der Werkstatt. Sie hatten nur noch eine Stunde Zeit, bis Nippontai aufbrechen würde. Und da sie vorauskundschaften sollten, mussten sie schneller vor Ort sein als das Kernteam. Und einen rechten Plan gab es noch immer nicht.

Taktisches Vorgehen

Man überlegte, wie es am besten möglich wäre, unentdeckt auf die Insel zu kommen. Und, wie es die Vision gezeigt hatte, die beste Möglichkeit war wohl über das Wasser und nicht direkt hinein zu teleportieren. Wer konnte schon sagen, was für Sicherungen dagegen existierten? Also wurde ein Punkt etwa eine Seemeile von der Insel entfernt ausgemacht. So gelegen, dass die Strömung selbst das Boot zur Insel treiben würde und so möglich wenig Motorengeräusche verursacht würden.

Erst einmal vor Ort wollte man sich einen Überblick verschaffen und dann das weitere Vorgehen spontan planen. Ohne weitere Kenntnis des Geländes war eine weitere Planung überflüssig und unnütz. Man einigte sich aber noch, dass man möglichst versuchen wollte, zusammen zu bleiben. Es war unklar, was für Gegner auf die Hogo Kyodai warten würden, und so wollten sie das Risiko verringern. Aber da der Auftrag ja auch nur Aufklärung lautete, war sowieso angedacht, Konfrontationen weitestgehend zu vermeiden.

Notwendige Ausrüstung

Da der Weg über das Wasser führte, wurden neben der bereits vorher zusammengestellten Ausrüstung noch ein militärisches Schlauchboot mit Elektromotor sowie einige Atemgeräte mitgenommen. Manuel hatte auch noch eine Idee, wie er kräftesparend mit Gegnern verfahren konnte, und orderte einige Diamantbesetzte Kreissägeblätter aus Metall. Außerdem wurde für eine notwendige Not-OP an Esther noch ein optisches Endoskops sowie ein Skalpell requiriert.

Not-OP

Da den Gefährten bekannt war, dass einer ihrer Feind Daitora sein würde, der über Kontrolle über Magnetismus verfügte, musste das Metall, das noch in Esthers Körper steckte vorher entfernt werden. Hikari sorgte dafür, dass alle im Raum Anwesenden absolut gelassen und ruhig waren, und Manuel machte sich mit Skalpell und Endoskop an die Arbeit. Er setzte einen winzigen Schnitt an, führte das Endoskop hindurch, und wand sich damit durch Esthers Fleisch bis hin zu der metallenen Klammer an ihrer Rippe. Die Rippe war durch Hikaris Behandlung vollständig geheilt, so dass die Klammer keine Funktion mehr hatte und daher gefahrlos entfernt werden konnte. Mittels seiner Kräfte überredete Manuel das Metall, flüssig zu werden und dem Pfad des Endoskopes aus dem Körper heraus zu folgen. Sobald es den Körper verlassen hatte, wand es sich noch ein wenig über Manuels ausgestreckter Handfläche und wurde dort zu einem winzigen Ohrstecker in Form einer Chrysantheme.

Hikari verschloss die Wunde in Esthers Brust wieder und Manuel überreichte Esther den Ohrstecker.

Die gesamte OP war in einem Container in der Werkstatt durchgeführt worden und trotz der beruhigenden Kräfte von Hikari hatte Esther bei der Operation doch einige Male vor Schmerz aufgestöhnt. Das war den Leuten in der Werkstatt natürlich nicht verborgen geblieben, und so sah sich Kenshin, der vor dem Container Wache hielt, bald mit einigen bewaffneten Wachen konfrontiert, die wissen wollten, was in dem Container vor sich ging. Kenshin war gerade dabei, zu einer Erklärung anzusetzen, als der Container sich öffnete, und Esther, Hikari und Manuel, noch immer mit tiefenentspannten Gesichtern heraustraten. Esther war gerade noch dabei den Reißverschluss ihres Kampfanzuges vorne zu schließen und gab den Wachen zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Die Wachen dachten sich ihren - natürlich völlig falschen - Teil, blickten etwas verlegen, und zogen von dannen.

30 Minuten waren es noch bis es losgehen sollte. Und Manuel und Hikari nutzten diese letzte Ruhephase, um ihre gerade aufgewendete Energie zumindest teilweise zurückzugewinnen.

In Medias Res (04. September 2005)

Als die Zeit dann gekommen war, aufzubrechen, öffnete Esther ein Portal an die ausgemachte Stelle. Das Boot wurde hindurchgeschoben, bis nur noch eine Kante in der Werkstatt war und Manuel war der erste, der hindurchschritt. Auf der anderen Seite angekommen, testete er, ob er noch immer in mentaler Verbindung zu den anderen stand. Sie kannten die Reichweite ihrer Verbindung noch immer nicht. Und auch die mehreren tausend Meilen, die die Insel von Nippon] entfernt war, war noch immer nicht weit genug.

Hikari kam als nächstes herüber, dann Esther. Zuletzt schob Kenshin das Boot vollends durch das Portal und sprang hinterher ins Wasser. Die anderen halfen ihm ins Boot und die Position wurde überprüft. Nur 200 Meter entfernt vom geplanten Zielpunkt. Bei einem völlig unbekannten Ziel war das außerordentlich präzise.

Mein olivgrünes Gummiboot

Der Motor des Bootes wurde eingeschaltet und trieb es langsam in Richtung der Vulkaninsel. Die Gefährten stellten fest, dass niemand von ihnen so recht damit vertraut war, wie man diese Dinger eigentlich fuhr, aber wirklich viel falsch konnten sie auch nicht machen. Und die Richtung stimmt zumindest.

Übersicht verschaffen

Nach etwa 15 Minuten zeichnete sich am Horizont eine Formation ab. Durch die Ferngläser konnte die Insel erkannt werden. Und auch einige Wachposten und Patrouillen. Aus dieser Richtung gab es keinen Punkt, an dem man ungesehen anlanden konnte. Aber es gab noch weitere kleine Inseln, die nahe der großen lagen.

Hikari verwandelte sich in ihre winzige und Flugfähige Gestalt und hob sich in die Lüfte, um sich ein besseres Bild machen zu können. Aus der erhöhten Position wurde schnell klar, dass die Hauptinsel zu gut gesichert war, um dort anzulanden. Aber auf einer kleinen Nebeninsel. auf der es offenbar auch eine Art Fabrik gab, war ein Wald, der nicht ständig überwacht wurde.

Was sie bei ihrem Überflug auch sah, war ein Plateau im Vulkan, einige hundert Meter über dem Boden der Insel. Dort gab es offenbar noch einen weiteren Zugang. Aber da nicht alle im Team fliegen konnten, und auch unklar war, wie dieser Zugang gesichert war, wurde die kleine Insel als Ziel ausgewählt.

Umrunden

Das Boot wurde umgelenkt, fuhr einen weiten Bogen um die Hauptinsel, damit die Wachen möglichst wenig Chance hatten, es zu entdecken. Dann näherte man sich dem Strand der kleinen Insel. Auf dieser gab es offenbar nur eine Patrouille, die die Insel stets umrundete. Der perfekte Moment wurde abgepasst und dann Kurs auf den Strand genommen.

Anlanden

Eine saubere Landung war dann aber doch etwas, was die Fähigkeiten von Kenshin, der das Boot lenkte, überstieg. Es setzt am Strand auf und der Motor grub sich in den Sand. Viel Zeit blieb nicht, bis die Wachen den Wald umrundeten und dann unweigerlich das Boot entdeckt hätten. Also wurde es von Manuel gewaltsam befreit, wobei der Propeller beschädigt wurde. Es würde zwar noch fahren, aber nicht mehr mit voller Geschwindigkeit. Für den Moment was das jedoch egal.

Kenshin und Esther packten das Boot und zogen es in den Wald. Manuel folgte ihnen und veränderte den Sand molekular so, dass keine Spuren zurückblieben. Auch der Hund, den die Patrouille dabeihatte, würde nichts riechen.

Auf der Insel

Unwirkliche Umgebung

Als Manuel den Sand analysierte, stellte er fest, dass dieser zu sauber war. Er war absolut perfekt und rein. Gerade so, als sei er erst vor kurzem künstlich hergestellt worden.

Im kleinen Wald, in den sie das Boot gebracht hatten, stellten Esther und Kenshin auch bald fest, dass dieser ebenso sonderbar wirkte. Es gab offensichtlich Affen. Und das, obwohl die Insel mehrere hundert Meilen entfernt war von der nächsten und das Ökosystem die Existenz von Affen an dieser Stelle gar nicht hergab.

Ein Blatt wurde genommen und untersucht. Es stellte sich heraus, dass dieses, im Gegensatz zu der Illusion eines anderen Planeten vor einigen Monaten, sehr wohl über eine Zellstruktur verfügte. Aber auch diese war zu perfekt, um natürlich zu sein. Irgend jemand hatte offenbar tatsächlich diese Insel vor kurzem aus dem Nichts erschaffen. Mit samt von Lebewesen von der Komplexität von Affen. Wer auch immer es war, seine Kräfte waren noch weit beeindruckender, als die Gefährten es bisher angenommen hatten.

Welcher Weg hinein?

Von der Insel aus konnten die Hogo Kyodai den Eingang in den Vulkan sehen: Eine massive Stahltür, vor der direkt vier Wachen positioniert waren. Hier ungesehen einzudringen, erschien unmöglich. Aber war die von Hikari entdeckte Plattform wirklich sicherer? Oder der Weg, den es aus dem Inneren des Gebäudekomplexes auf der kleinen Insel sicher geben musste? Esther wollte die Zukunft befragen, welcher Weg erfolgversprechender war. Und so setzte sie sich im Wald hin, lehnte sich an einen Baum, und ließ ihren Blick die möglichen Zeitströme entlangwandern. Sie sah zwei verschiedene Visionen:

Lange hat sie gedauert, die Suche nach dem Weg im Keller des Gebäudes. Zu gut ist der Zugang verborgen gewesen. Aber am Ende haben sie ihn dennoch gefunden.
Feucht und dunkel führte der Gang unter dem Meer hindurch. Und am Ende zeichnete sich ein Lichtpunkt ab.
Doch bei näherer Betrachtung ist das Licht nicht ganz rein. Denn unterbrochen wird der Lichtschein von einigen Silhouetten: ein halbes Dutzend Wachen hat auf den Gang angelegt.
Und über ihnen schwebt eine Gesichtslose Gestalt - Chinoyōniakai.
Das Tor ist unbewacht.
Eine Figur aus reiner Elektrizität - Kenshin - bewegt sich vorsichtig und langsam durch die Tür, die einen Teil der Elektrizität abzuleiten scheint, sich zu wehren scheint.
Aber er kommt hindurch. Drinnen findet er den Schalter für die Tür und öffnet sie.
Die anderen folgen ihm ins Innere.

Damit endete die Vision. Konnte es wirklich so einfach sein? Und warum war die Tür nicht bewacht? Das hatte die Vision nicht gezeigt. Gab es eine Ablenkung? Würden sie selbst eine machen, wie sie es überlegt hatten? Die eigentliche Frage war ihr nicht beantwortet worden. Doch noch während Esther sich Gedanken darüber machte, spürte sie etwas ihr vertrautes. Sie schreckte auf, was für Kenshin und Manuel Grund genug war, in Kampfhaltung zu gehen - was bei Manuel bedeutete, dass er sich in Metall verwandelte.

Team Tomorrow

Aufklärung

Um die Insel herum bildeten sich binnen Sekunden Portale. Jedes von ihnen war nur Bruchteile einer Sekunde geöffnet. Zu kurz, als dass die Bewacher der Insel sie hätten sehen können. Zumindest die Menschen nicht. Auch Esther nahm sie nur als Verzerrungen des Raumes wahr. Und sie erkannte die Signatur der Verzerrungen. Ihre einstige Lehrerin Slider hatte die Insel gerade ausgekundschaftet. Aber warum? Was wollte Team Tomorrow hier?

Kontakt

Esther kannte Slider gut genug, um nach ihrer Signatur zu suchen. Sie fand sie, wenige Meilen entfernt auf einem Militärischen Schiff. Doch gerade, als sie einen Kontakt herstellen wollte, gerade als sie die Tür zum Geist ihrer Freundin sah, schob sich eine Gestalt dazwischen und schlug diese Tür gewaltsam zu. Allison Pfalzgraff - Psyche hatte den vermeintlichen Angriff bemerkt und war eingeschritten. Es folgte ein kurzes Streitgespräch zwischen ihr und Esther. Psyche beschuldigte sie, der falschen Gruppierung ihre Loyalität zugesprochen zu haben. Aber dann mischte sich Slider ein und bat ihre Teamgefährtin, den Kontakt zuzulassen und sich zurückzuziehen.

Esther sprach mit Slider und fand heraus, dass auch von Team Tomorrow ein Mitglied entführt worden war: Splash. Caestus Pax, Ragnarockette und Slider waren unterwegs, um sie zu befreien. Und sie befand sich offenbar auf der Vulkaninsel.

Team Tomorrow würde in 10 Minuten vor Ort sein.

Rücksprache mit NT

Nach dem Ende des Gespräches mit Slider teilte Esther ihren Gefährten die neuen Informationen mit und Kenshin gab diese an Naginata weiter, auf das die beiden Teams sich vielleicht absprechen konnten. Aber das Team von Nippontai war noch mindestens 30 Minuten entfernt. Die Hogo Kyodai erhielten den Befehl, ihren Auftrag fortzusetzen, und die Ablenkung, die Team Tomorrow darstellen würde, nutzen sollte, um O'Kage zu befreien, sollte sich die Gelegenheit ergeben.

Um in einer guten Position zu sein, wenn die Ablenkung eintraf, mussten die Gefährten schnell handeln. Sie wollten im Inneren des Vulkans sein, wenn es soweit war. Und Hikari war sich sicher, die Wachen ablenken zu können. Esther stimmte dem Plan zu, und so flog sie los.

Ausschalten der Wachen

Hikari flog zu einem Felssims direkt oberhalb des Tores. Dort ließ sie sich nieder und suchte in den Emotionen der Wachen nach etwas, was sie nutzen konnte. Sie fand es auch recht bald in einer deutlich spürbaren Langeweile und dem unterschwelligen Gefühl von Unzufriedenheit. Sie griff nach diesen Gefühlen und verstärkte sie. Doch was dann geschah, überstieg ihre Erwartungen.

Die Wachen warfen ihre Waffen in den Sand, gingen ein Stück in Richtung Meer, und ließen setzten sich hin. Erst brabbelte jeder vor sich hin, dann begannen sie bald, sich gegenseitig von ihrem Leid zu erzählen. Von der Frau, die vermutlich untreu war und mit dem besten Freund eine Affäre hatte. Von den Unsicherheit ihres Job. Vom Tod der Eltern. Und es steigerte sich immer mehr. Es eskalierte so weit, dass eine Wache sich gerade seine Pistole an den Kopf setzte, als Hikari die Reißleine zog. Sie nutzte ihr Fähigkeit, tiefe innerere Ruhe und Ausgeglichenheit in Personen, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhielten, zu erwecken. Aber in dem angeschlagenen Zustand, in dem sich die Wachen bereits befanden, zogen sie sich in Fötalpositionen zurück und schliefen emotional erschöpft am Strand ein.

Keine von ihnen würde Selbstmord begehen, aber war der Zustand, in dem sich ihr Geist befand wirklich besser? Würden sie das, was Hikari ihnen angetan hatte, jemals wirklich verkraften können? Hätte Hikari nicht auch ihre eigenen Emotionen gedämpft, so wäre sie mit dieser Situation vermutlich weniger gut klargekommen. So war sie einfach nur ruhig. Dennoch spukten tief in ihr Schuldgefühle und Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten, wie Schatten durch ihr Gedanken. Sie nahm ihre gesammte Willenskraft zusammen und fokkusierte sich auf das, was nun getan werden musste.

Eindringen in den Vulkan

Nachdem die Wachen kein Problem mehr waren, begab sich Kenshin in Richtung des Tores. Anstatt wie in der Vision direkt hindurch zu gehen, entschied er sich, durch die Wand daneben zu gehen. Aber er stellte fest, dass auch diese sich irgendwie dagegen zu wehren versuchte. Es war anstrengender, hindurchzukommen, aber es gelang ihm.

Auf der anderen Seite befand sich ein kurzer Gang, aber dieser war leer. Kenshin gab den anderen Bescheid und Manuel klemmte sich Esther unter den Arm und flog knapp unter der Wasseroberfläche zum Vulkan. Als die beiden zusammen mit Hikari vor dem Tor standen, öffnete Kenshin es von innen.

Der erste Schritt war geschafft: Sie waren im Vulkan, und es war kein Alarm ausgelöst worden.

Im Inneren des Vulkans

Auskundschaften

Im Inneren angekommen, machte sich Kenshin erst einmal auf, die Lage zu erkunden. Der Rest hielt sich im Eingangsbereich auf und versteckte sich, so gut es ging. Kenshin hörte schon bald, dass sich vom linken Gang her Schritte näherten.

Er kletterte an der Wand empor und hielt sich an der Decke fest, während die anderen sich nach Rechts begaben und in einem kleinen Schlafraum nach Informationen suchte. Da der Komplex noch recht neu war, hoffte Manuel, dass einer der Wachleute vielleicht so unvorsichtig gewesen war, einen der Lagepläne, die sie unweigerlich bekommen haben mussten, nicht zu vernichten. Und tatsächlich fand er ein recht simples OpPhone, dessen Sicherheitseinstellungen unzureichend waren, um ihn aufzuhalten. Und auf diesem fand er eine Karte des Komplexes. Bevor er jedoch dazu kam, diese genauer zu studieren, überschlugen sich bereits die Ereignisse.

Wachen

Patrouille

Die drei Wachen aus dem anderen Gang bogen um die Ecke, waren aber vorerst noch völlig ahnungslos ob der Gefahr, die dort auf sie lauerte.

Kenshin ließ sich mitten unter sie fallen und verfrachtete mit einem kurzen Kick einen von ihnen ins Land der schmerzhaften Träume. Auch einer seiner Kollegen fiel unter dem gezielten Einsatz einer Handkante schnell. Als Kenshin jedoch den dritten angreifen wollte, stolperte er über einen der gefallenen Wachmänner und so ging sein Angriff fehl.

Erschrocken von dem plötzlichen Angriff riss der Wachmann sein Sturmgewehr hoch und feuerte, was das Magazin hergab. Kenshin nutzte das Momentum seines Falls, um mit einer gekonnten Rollen an dem Mann vorbeizukommen. Ein kurzer Tritt in die Kniekehle, gefolgt von einem Schlag auf den Hinterkopf brachte auch diesen Mann zu Fall. Aber da war es bereits zu spät: Das Gewehrfeuer konnte unmöglich ungehört geblieben sein!

Alarm!

Schon bald hörten die Gefährten dann auch tatsächlich weitere Schritte. Manuel hatte neben dem OpPhone im Schlafraum noch zwei Sätze Qi-Gong Kugeln gefunden, die hervorragende Wurfgeschosse darstellten, und schaltete damit einen Trupp aus. Kenshin wollte sich um den anderen kümmern, stellte aber fest, dass dieser in Begleitung von Daitora war. Auch sah er noch einen weiteren Trupp, der ebenfalls nicht alleine war. Sailor Lunatic - Shinigami war bei ihnen.

Er entschied sich, die zweite Gruppe anzugehen, denn diese näherte sich auf dem direkteren Weg den Gefährten.

Projektion

In der Zwischenzeit hatte Esther nach der Signatur von O'Kage gesucht und diese auch in einer Zelle am Ende des Ganges gefunden, in dem sie sich gerade befanden. Bevor sie sich jedoch um diese kümmern konnten, erschien vor eben dieser Zelle eine leuchtende Gestalt, die sie bereits aus ihren Visionen kannte. Divis Mal war erschienen.

Zuerst wichen die Gefährten vor dieser Erscheinung zurück, aber schon bald stellte sich heraus, dass es offenbar nur eine Projektion war. Oder dass der Mann zumindest aktuell kein Interesse daran hatte, aktiv einzugreifen. Denn ebenso plötzlich, wie er erschienen war, verschwand er auch wieder und gab den Weg zur Zelle damit frei.

Manuel versuchte sich daran, die Tür mittels roher Gewalt zu öffnen, scheiterte jedoch kläglich. Da Daitora aber bereits auf der anderen Seite der Zelle war, gingen die Gefährten eh davon aus, dass diese bald von Innen geöffnet werden würde.

Daitora

Und dem war auch so. Mit einem Zischen öffnete sich die Tür und eine Gruppe aus drei schwer bewaffneten Wachen wurde sichtbar. Hinter ihnen Daitora, der die Gefährten feist angrinste. Hikari errichtete ein Kraftfeld, um sich und die anderen zu schützen. Manuel schnappte sich die beiden Frauen und flog in den nach unten führenden Gang, um den Gegnern die Schuss- und Angriffslinie zu nehmen. Dann warf er eine Schockgranate in den kleinen Raum, in dem sich die Feinde befanden.

Die Granate zeigte Wirkung. Alle drei Wachen waren vorerst zu benommen, um noch zu agieren, und auch Daitora schüttelte den Kopf. Für den Moment war er offenbar geblendet.

In dem Wissen, dass er ein direktes Duell mit dem fetten Tiger wie schon beim letzten Mal kaum gewinnen konnte, nutzte Manuel diesen Moment der Blendung, um den Boden unter Daitora in reines Magma zu verwandeln. Da der Tiger noch geblendet war, gelang es ihm nicht rechtzeitig, beiseite zu springen, und so versank er bis über den Bauchnabel im glühenden Felsgestein. Er war zwar hart im Nehmen, aber das war zu viel für ihn. Er schrie wie am Spieß, fand aber nirgendwo genug Halt, um sich aus der Grube zu ziehen.

In diesem Moment vernahm Manuel eine Stimme in seinem Kopf: "Ich kann ihn nicht retten. Aber du kannst es. Und willst du etwas das töten, was einen Gott ausmacht?"

Manuel war sich nicht sicher, ob es jemals seine Absicht gewesen war, Daitora wirklich zu töten. Er hatte sich darüber keine Gedanken gemacht. Der Mann war ein Hindernis und musste aus dem Weg geschafft werden. Und sein Tod hätte das bewerkstelligt. Aber die Stimme, wie auch die Schmerzensschreie von Daitora, brachten ihn dazu, nachzudenken. Und er entschied sich, dass das Hindernis für den Moment keines mehr war, und somit nicht weiter vernichtet werden musste. Also ließ er, von unten nach oben, das Magma wieder zu Fels werden, wodurch Daitora hinausgetrieben wurde. Mit schwersten Verbrennungen, die jeden Menschen sicher getötet hätten, kam er wimmernd auf dem Boden der Zelle zu liegen.

Sailor Lunatic

Währenddessen hatte Kenshin sich kurz dem zweiten Trupp gezeigt. Er war in Energiegestalt, so dass die Reflexartig abgefeuerten Salven der Wachen einfach harmlos durch ihn hindurch gingen. Aber Shinigami grinste als sei sie sicher, etwas zu haben, was ihn verletzen würde. Bevor sie ihn jedoch erreichte, verschwand er bereits durch eine Tür in einen leeren Raum. Direkt hinter der Tür platzierte er eine der Schaumgranaten und wartete.

Kenshin hörte Schritte, dann nichts. Um Shinigami zu locken sagte er dann: "Komm doch rein, wenn du dich denn traust!"

Leider hatte er die junge Frau falsch eingeschätzt, denn anstatt durch die Worte aufgestachelt zu werden, wurde sie vorsichtiger und zog sich wieder von der Tür zurück. Also brachte Kenshin auch an der zweiten Tür eine entsprechende Falle an und wartete.

Auch an der zweiten Tür hörte er alsbald Schritte, aber auch diese Tür wurde nicht geöffnet. Statt dessen hörte er vom Eingang des Komplexes her eine Explosion. Kurz darauf entfernten sich die Schritte von der Tür. Also begab sich Kenshin zu den anderen Mitgliedern der Hogo Kyodai.

Lotus Infinite

Die Explosion war ausgelöst worden durch eine Mitspielerin, mit dem bisher niemand so recht gerechnet hatte: eine junge Chinesin in Mönchsrobe, die sich alsbald als Lotus Infinite vorstellte.

Sie gab an, hierher eingeladen worden zu sein, auch wenn sie nicht wusste, von wem. Auch gab sie zu verstehen, dass sie eine Elite in den Diensten der DeVries-Agentur war, und zwar durchaus bereit war, zu helfen, dafür aber einen ansehnlichen Preis verlangen würde. In diesem Moment eilte eine 3er-Gruppe von Wachen durch den Zugang zum mittleren Treppenflur und wurde augenblicklich durch einen aufkommenden schneidenden Wind, der den im Kreis geführten Händen der Chinesin entsprang, bis auf die Knochen zersetzt. Sie überging die Tötung, als wäre nichts passiert.

Während die Verhandlungen über die genaue Höhe des Preises gerade beginnen sollten, entschied Esther sich, einen anderen Preis vorzuschlagen: Einen Gefallen. Lotus Infinite brach jegliche sonstigen Gespräche augenblicklich ab und ging auf den Handel ein. Erst in diesem Moment eröffnete sie mit einigen wenigen Worten, dass sie sehr wohl wusste, wer die anderen, und insbesondere Esther waren und über welche Verbindungen sie verfügten. Esther konnte zwar schnell klarstellen, dass der Gefallen persönlich von ihr war, und nicht von ihren Gefährten oder Mentoren, aber ein ungutes Gefühl, vielleicht einen schlechten Handel eingegangen zu sein, blieb dennoch bestehen.

Gnade gegenüber dem Feind

Während des Gespräches mit Lotus Infinite hatte sich Hikari bereits in die Zelle begeben, auf deren Boden noch immer Daitora lag und wimmerte. Sie hatte ihn untersucht und festgestellt, dass er dem Tode näher stand als dem Leben, und sich entschieden, seine Wunden zu heilen, so gut sie es konnte.

Das Risiko war groß, und gerade Manuel verstand nicht, warum sie das tat, aber sie konnte das Leiden dieses Mannes nicht mit ansehen. Sicher, ein netter Mensch war er sicherlich nicht. Aber den Tod hatte er auch nicht verdient.

Nachdem sie einen Teil der Wunden des Tigers geheilt hatte, wurde dieser denn auch merklich ruhiger. Und kurz bevor sie seine Hand von ihm wegzog, packte er diese, küsste die Hand in einer unterwürfigen Geste, und sprach ihr seinen Dank aus.

Auch wenn Hikari selbst nicht in diesen Kreisen verkehrte, so wusste sie doch, dass dies der Weg war, in dem Mitglieder der Yakuza eine Lebensschuld ausdrückten.

Die leere Zelle

Neben Hikari und Daitora war die Zelle, in der Esther die Gedanken O'Kages wahrgenommen hatte, jedoch völlig leer. Auch die Sinne von Kenshin und Manuel konnten dort niemanden ausmachen, auch wenn an der Stelle, die Esther beschrieb, auch die Quantensignatur von O'Kage zu sehen war. Eine Manipulation auf Quantenebene oder ein Trugbild? Oder erinnerte sich der Quantenraum an ihn? Auch dies schien nur ein Trugbild zu sein. Die Suche musste also an anderer Stelle weitergehen.

Team Tomorrow

Bevor die Hogo Kyodai sich jedoch auf den Weg machen konnten, ertönten vom langen Gang vor der Zelle ein gewaltiger Knall, als die Felswand teils barst, teils schmolz. Nun wusste wirklich jeder, dass der Komplex unter Angriff stand.

In ihren strahlenden blauweißen gepolsterten Uniformen mit breiter goldener Schärpe schwebten niemand anderes als Ragnarockette und Caestus Pax herein, ihre Hände und seine Augen noch glühend von den Energien, die sie durch den Fels geschmolzen hatten. T2M war da und das nicht alleine - von draußen hörte man schweres Gewehrfeuer.

Kurz zeigte sich Überraschung auf dem Gesicht der beiden, als sie die am Boden liegenden Wachen und die Mitglieder der Hogo Kyodai, wie auch Lotus Infinite vor sich sahen. Das fiel jedoch binnen Sekunden von ihnen ab und Ragnarockette, das skandinavische Power House oder auch die kleine Caesta, wie sie manchmal genannt wird, gibt per Headset durch, dass sie drin sind.

Die Anwesenheit der chinesischen Nova-Söldnerin ruft sofortiges Missfallen im Gesicht des androgynen Hühnen hervor und auch Esther wird kurz missgünstig beäugt. Der Titan der Erde, wie er sich selbst gern nennt, richtet sich zu voller Größe auf und verleiht seinem Mißfallen mit Worten Ausdruck. Die wohlgerühmte Arroganz der Faust des Friedens tritt sofort hervor, als er Esther schmäht und sie warnt, ihm nicht im Weg zu sein. Sie erklärt, dass sie hier sind, um einen der ihren zu retten. Er weiß dies jedoch schon, vermutlich durch Slider und/oder Psyche und zeigt sich nicht als der nette Nova, das Vorbild der Erde, als welches er immer gezeigt wird. Ragnarockette hält indes die Gänge im Blick und wirkt sehr konzentriert.

Nippontai

Esther lässt sich das alles nicht bieten, egal wer da vor ihr steht und es zeigt sich, wie sehr die japanische Abschottung und die Aversion gegenüber T2M sie bereits indoktr...erreicht hat. Caestus Pax, der bereits in eine grundgereizten Zustand ankam, vermutlich ob der Entführung eine der seinen, wird erfolgreich von der Südamerikanerin provoziert und geht einen Schritt auf sie zu, ballt die Fäuste. Gerade, als er zu etwas ansetzen will, donnert eine Stimme wie das Grollen eines Berges durch den Gang von hinter ihnen.

In einer smaragdgrünen Rüstung, die entfernt der eines Samurai ähnelt, aber viel schlanker und moderner ist, biegen Ryu und Naginata um die Ecke und erblicken die Szene vor sich. "Wage es nicht, Hand an eine der meinen zu legen, Faust des Friedens, wenn Dir dein Frieden zwischen unseren Nationen so wichtig ist!" Caestus wirbelt herum und erblickt den Drachen und grinst grimmig. Die sofortige Respektsbekundung der Hogo Kyodai quittiert er nur mit einem weiteren abfälligen Kommentar. Auf das Wortgefecht, was der T2M-Kommandant entfachen will, geht der Drache nur nebensächlich ein "Haben wir nicht etwas dringenderes zu tun?". Naginata drängt sich indes an den Streithähnen vorbei und kümmert sich um die Hogo Kyodai, lässt sich kurz auf den neuesten Stand bringen und fragt nach deren Wohlbefinden. Den Wachen am Boden legt sie Kabelbinder an und nimmt ihnen die Waffen weg.

Als Drache und Faust sich ein Niederstarren liefern, öffnet sich ein violett wirbelndes Portal im Gang, begleitet von einer weißen Lichtsäule. Ein junger quirliger Rotschopf und eine ernst dreinschauende Blondine mit kurzen Haaren treten hin durch. "Kommandant, haben wir sie?" fragt die rothaarige Slider, während die Augen der blonden Psyche kurz jeden sehr genau ansehen und sie sich dann entspannt.

"Nein", anwortet Caestus Pax. "Wir müssen tiefer hinein."

Anerkannt EP bis hierhin: Keine, EP erst nach Abschluss der Vulkan-Episode
für Wikiarbeit: 1 EP an Holger

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