Kapitel 29: Einen Gedanken zu pflanzen ist ganz schön schwer

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Nach dem Null Manifest

Während die Welt sofortig Notsitzungen aller Regierungs- und Lenkorgane einberuft und viele Armeen auf erhöhte Alarmstufe gesetzt werden, ist die Realität eher ernüchternd. Lediglich in Saudi-Arabien kommt es zu einem größeren Zwischenfall, als ein Nova sich selbst in die Luft jagt und dabei ein Stadtviertel einer kleineren Metropole einäschert. Nippontai ruft alle Teams zusammen und die Hogo Kyodai müssen von ihren Erfahrungen berichten. Das erschrockene Schweigen ist darauf hin geradezu dröhnend. Alle sind sich bewusst, dass Krieg ab nun immer eine Option ist, dieser aber nicht leichtfertig von beiden Seiten begonnen werden wird.

Nennenswert ist auch das Auftreten von Graf Raoul Orsaiz als offizieller Sprecher von Teragen – und zeitgleich die Verlautbarung, dass Teragen sich offiziell dem Aufruf von Divis Mal anschließen wird. Teragen war zuvor „nur“ eine Randbedrohung – nun nennen sie einige in Anlehnung an die Marvel-Comics „Die Kirche von Divis Mal“.

Dennoch ist die Welt im Wartezustand und wartet auf den großen Knall – der nicht kommt. Nach vier Tagen beruhigt sich die Lage – das OpNet brummt vor Gerüchten und jeder ist sich sicher, dass es nun einen deutlich schärferen Wind geben wird, wenn es um Nova-Angelegenheiten geht. Mehr als ein Staat wird nun, wenn nicht längst geschehen, Spezialeinheiten aufstellen, um die Nova zu beobachten und ggf. zu bekämpfen. In Nippon werden Stimmen laut, die selbstgewählte Isolierung aufzubrechen und Gespräche mit den vereinten Nationen zu suchen.

Urlaub

Nippontai beschließt, die Hogo Kyodai auf Urlaub zu schicken, um Kraft für die Zukunft zu sammeln, aber auch, um Distanz zu den schrecklichen Ereignissen der letzten Monate zu bekommen. Naginata überbringt Flugtickets und Hotelbuchungen für ein Inselressort im subtropischen Süden Japans für die Superreichen und duldet nahezu keinen Widerspruch. Hikari, die ihre Eltern und Großeltern besucht, wie auch Kenshin, der im Kloster Distanz sucht, werden nachkommen.

Zwei Tage später haben Esther und Manuel eine noble Villa, mehretagig, erbaut am Hang eines erloschenen Vulkans, mitten im Dschungel bezogen. Manuel hat sich Arbeit mitgenommen und Teile des gigantischen Wohnzimmers nebst Terrasse in eine Computerzentrale umgewandelt. Esther hat sich voll ihrem Schicksal ergeben und genießt Sonne, Longdrinks und die angenehmen Umstände eines personalisierten Vollservices.

Es dauert nicht lang, da liegen beiden auf Liegen am einsamen Strand, genießen die Sonne und die Brandung, lassen sich Drinks bringen und finden Gefallen an den frisch zubereiteten Meeresfrüchten, auch wenn Esther Manuel erst befehlen musste, mit an den Strand zu kommen.

Zwischen den einzelnen Villen ist viel Raum und so fällt eine Schönheit, die einige hunderte Meter entfernt aus dem Meer steigt, umso mehr auf. Ikonisch wie Ursula Andres in der bekannten James-Bond-Szene steigt sie genau mit der entsprechenden Körperhaltung aus den Wellen. An einem Haken hält sie zwei Rochen und rechts an ihrem Oberschenkel steckt eine Harpune in einer Halterung. Der Abend verläuft ohne Kontakt zu den Nachbarn und der nächste Tag bringt genau das gleiche entspannende Umfeld aus Sonne, Sand, Longdrinks, gegrilltem Fisch und entspannender Stille sowie, im Falle Manuels, dem Schreiben einer Thesis.

Nachmittags vereinbaren die beiden Urlauber einen Surfkurs, den sie auch recht ordentlich absolvieren. Für Manuel muss aufgrund seines Gewichts ein Barren eines Katamaran als Surfbrett dienen. Als sie den Kurs für den Tag beenden, fällt Manuel die Tätowierung eines weißen Kaninchens an der Lende des Surflehrers (sehr ähnlich zu Jason Momoa, jedoch als japanische Variante) auf. Seine Erinnerungen schweifen zurück an den Tag kurz vor dem Raketenattentat auf Naginata. Er fragt den Surflehrer, ob es besondere Orte auf der Insel gäbe, dieser rät zu einem Spaziergang in der Dämmerung, einmal um die ganze Insel herum. Die Atmosphäre und das, was man sehen würde, wäre besonders und einzigartig. Die Urlauber nehmen sich das für den nächsten Tag vor.

Minister für Forschung und Fortschritt

Bei einer angeregten Unterhaltung über das Kommende, werden unsere beiden Urlauber plötzlich von der Seite angesprochen. Die Schönheit vom Vortag, attraktiv wie die fleischgewordene Amaterasu, steht neben den Liegen und beide haben sie trotz Hypergehör nicht kommen hören. Sie stellt sich als Minako vor und lädt beide zum Abendessen mit ihrem Mann in ihrer Ferienvilla ein. Ihr Mann ist niemand anders als der japanische Minister für Forschung und Fortschritt.

Beide nehmen die Einladung an und man verabredet sich für 20 Uhr an dem Abend.

Esther beschließt, dass es ordentliche Abendgarderobe braucht und begibt sich zur großen Zentralboutique am kleinen Hafen der Insel. Dort findet sie genau die Herrenkombination, die sie für Manuel im Sinn hatte. Exakt das Modell. Kurz grübelt sie, ob ein Attarashi Kokka in der Nähe seine Späße mit ihr treibt. Eine Überprüfung des Quantenraums jedoch zeigt nichts.

Manuel recherchiert indes über den Minister und seine Frau und findet dabei einiges heraus.

  • Er stammt aus einer alten Dynastie, die ihre Wurzeln bis zu einem der ursprünglichen Shogunate zurückführen kann.
  • Seinen Posten hat er als Mitglied der konservativen Partei Japans.
  • Er ist zum dritten mal verheiratet. Die erste Frau wurde vor Kurzem auf den Talaud-Inseln vom Krebs geheilt worden; die zweite war eine Otaku-Ikone und deutlich jünger als er (vermutlich als Protege zum Stimmenfang) und die jetzige, die ein Size XL-Model war/ist. Size XL bedeutet hierbei, dass sie schlank und normal gebaut ist, vielleicht etwas dominantere Hüften und Brüste.
  • Drei Kinder, alle erwachsen, alle aus der ersten Ehe. Das erste davon hat er nur adoptiert, seine erste Frau brachte es in die Ehe mit.
  • Ein Befürworter der Öffnung Japans und des Kappens des Embargos, selbst sehr westlich orientiert.
  • Er steht politisch auf keinem sicheren Fuß, vermutlich übersteht er die Legislatur-Periode nicht.
  • Nach der Krise rund um die Senchineru hat er sich offen gegen Kuro-Tek gestellt und als einer der Ersten das Verhalten des Konzerns verurteilt. Da er selbst über Anteile des Unternehmens verfügt, hat das finanziell erheblichen Schaden bei ihm angerichtet, aber war politisch seine einzige Möglichkeit.
  • Seine Handlungen zeugen stets von großem politischem Kalkül und deuten darauf hin, dass er ein brillianter Stratege ist
  • Neben seiner politischen Tätigkeit taucht sein Name immer wieder in Beiräten großer Unternehmen in Japan auf.
  • Er ist zwar sicher eine schillernde Persönlichkeit, aber an sich niemand, der sich einen Aufenthalt in diesem Ressort leisten könnte.

Esther hat zuvor einen japanischen Whiskey besorgt, der als Gastgeschenk dienen sollte. Manuel nutzt die entsprechende Whiskey-Probe, um nur an Hand der Mimik zu erkennen, welcher Whiskey Esther am besten schmeckt und kauft, ohne ihr Wissen, eine Flasche von diesem, um ihn ihr später zu schenken.

Beide machen sich so auf, dass sie pünktlich bei den Gastgebern sind. An der Tür werden sie empfangen von Minako, die einen sehr westlichen geschnittenen schneeweißen Hosenanzug trägt. Die Hausschuhe an der Tür wirken unbenutzt, aber die Gefährten streifen dennoch ihre Schuhe an und wechseln in diese. Minako führt die Freunde zur Terrasse, wo sie vom Minister mit Handschlag begrüßt werden wollen.

Esther zögert kurz und begrüßt zuerst japanisch, nimmt dann aber die Hand und bezieht so Stellung: Japan vor dem Rest. Es kommt schnell zu Smalltalk bei angenehmen Essen. Die Freunde werden kurz irritiert, als ihr Gastgeber ankündigt, dass es Affenfilet zum Hauptgang gibt. Der Verzehr von Affen ist seit einigen Jahrzehnten verboten in den meisten Staaten Asiens. Das Affenfilet verbleibt in der Küche, stattdessen wird gegrillter Rochenflügel serviert. Dazu gibt es europäischen, genauer gesagt, französischen Wein. Wiederum eine deutliche Positionierung zur Öffnung gegenüber der westlichen Welt und ein Beweis dafür, dass der Minister das Embargo zu umgehen weiß und auch dazu gewillt ist.

Zu viel Widersprüche

Im Laufe des Gespräches kommt es zu einigen Widersprüche zwischen dem, was der Minister und seine junge Frau sagen und dem, was Manuel recherchiert hat. Als ob er erwartet hat, das irgendetwas merkwürdig ist. Auch versucht der Minister immer wieder, seinen beiden Gästen Waren anzubieten, die aus dem Ausland stammen. Esther wählt aber stets die japanische Variante und Manuel tut es ihr nach.

Manuel irritiert vor allem, dass Minako unter dem Tisch mit ihrem nackten Fuß seine Unter- und Oberschenkel liebkost. Er berichtet Esther davon und diese schüchtert Minako mit einem finsteren Blick gehörig ein, weckt aber auch die falsche Vermutung, dass Esther und Manuel ein Paar seien. Irgendwann wird Esther die gesamte Situation zu merkwürdig und sie beschließt, die Gedanken des Ministers zu lesen. Sie empfängt nur ein statisches Rauschen und erkennt einen kleinen Ohrstecker, wie eine schwarze Perle geformt. Sie weist Manuel darauf hin und er nimmt den Ohrstecker näher in Augenschein. Nur dank seiner Hypersinne erkennt er, dass eine fein ziselierte Oberfläche einen Kreis mit neun aufsteigenden Schlangenköpfen den Ohrstecker ziert. Dieses Bild überträgt er an Esther, was diese mitten in einem Satz aus dem Takt bringt. Schnell kann sie aber die Situation überspielen, indem sie sich auf die Toilette begibt. Ab da verändern die beiden Nova ihr Verhalten gegenüber den Gastgebern deutlich.

Zum Abschluss des Mahles soll es auf der Terrasse Zigarren geben, und dieses Mal gibt es nur ausländische Ware, so dass Esther komplett ablehnt. Dies veranlasst dann den Minister, deutlicher zu werden als zuvor. Er erzählt von den sich bessernden Verbindungen nach China und dem Besuch der Hogo Kyodai dort. Dann spricht er über eine Technologie, die nun nach dem Null Manifest hilfreich sein kann, der Menschheit in einem eventuellen Krieg einen besseren Stand zu geben. Und er fragt unverblümt nach Unterstützung beim Transfer dieser Technologie nach China. Das echauffiert unsere Freunde, ist es doch die direkte Frage nach Verrat, was der Minister am Anfang auch unumwunden zugibt. Auf entsprechende Nachfragen spielt er den "Verrat" jedoch weiter herunter. Er ist aber auch nicht gewillt, nähere Informationen über die zu transportierende Technologie preiszugeben.

Als der Bedienstete, der die ganze Zeit Getränke einschenkt und das Essen auftischt, plötzlich den Minister anrempelt und ihm Wein über das Jackett schüttet, werden Dinge komisch. Der Minister schickt den Bediensteten in die Küche.

Da Esther erst vor Kurzem dort war, beauftragt sie Manuel, einen Besuch im Bad vorzuschieben und dabei den Bediensteten zu suchen. Vielleicht kann er neue Informationen liefern. Manuel nutzt den Vorwand auch, um sich von Minako zu lösen, deren Fuß sich immer weiter an seinem Bein hochgetastet hatte. Aber kurz nachdem er aufgestanden war, entschuldigt auch sie sich nach einem kurzen Blickkontakt zu ihrem Mann und folgt dem jungen Mann ins Bad. Ihre Avancen werden nun sehr viel direkter und deutlicher. Unter anderem stellt sie ihm die Frage: "Sag mal, vibrierst du eigentlich?". Für einen Moment ist Manuel sich nicht sicher, ob die Stimme, mit der diese Frage gestellt wurde, nicht die von Sandra Akihito ist. Nur unter Aufbringung seiner ganzen Willenskraft kann Manuel sie am Ende beiseite schieben und das Bad verlassen als sie sich gerade vor ihm niederlässt und anfängt, an seiner Hose zu nesteln.

Währenddessen ist auch das Gespräch zwischen Esther und dem Minister schärfer geworden. Esther wird es zu bunt und sie reißt blutig den Ohrstecker heraus und beschuldigt den Minister, einer Terrororganisation anzugehören. Dieser ist sehr verwirrt und gibt zu verstehen, dass der Stecker ein Geschenk Minakos zu ihrer ersten gemeinsamen Nacht gewesen sei. Somit fällt der Verdacht also nun auf seine Ehefrau. Aber diese schiebt sich gerade an Manuel vorbei wieder ins Esszimmer. Ihre Kleidung hat sie weitestgehend wieder gerichtet und haucht im Vorbeigehen noch ein "Ich wollte doch nur ein wenig Abwechslung." ins Ohr des jungen Mannes. Sie erklärt, dass sie den Ohrstecker in einer Boutique in Edo gekauft hat und einen Sonderpreis bekommen hatte, nachdem sie erwähnt hatte, wer ihr Ehemann war. Ist sie also auch unschuldig? Aber Moment! Erste gemeinsame Nacht. Ehemann. Wieder einmal passen Informationen nicht zusammen.

Esther befiehlt dem Minister, den Bediensteten zu rufen, der ihr schon vorher aufgefallen war. Eingeschüchtert gehorcht er und kurz darauf kommt der Mann auf die Terrasse. Wie alle Bediensteten trägt er ein Livre mit Insignien der Hotelanlage. Esther befragt ihn nach seinem sonderbaren Verhalten und er Mann erwidert "Er gehört hier nicht her!". Auch auf weitere Nachfragen ist es immer nur diese Phrase, die als Antwort erklingt. Die Hände des Mannes sind die ganze Zeit in seinen Hosentaschen und Esther vermutet dort Waffen, weshalb sie ihm telepathisch befielt, die Hände zu zeigen. Dabei stößt sich auf unerwarteten Widerstand, schafft es aber dennoch. Zu ihrer eigenen Verwunderung nimmt aber nicht nur der Mann, sondern auch sie selbst, die Hände aus den Taschen. Das ist das letzte Indiz, das Manuel braucht um sich endgültig klar zu sein, dass die Szene nicht real ist. In seinem Gedanken sagt er "Miko, lass das!". Doch niemand scheint zu antworten. Dann erblickt er zwischen den Palmen ein weißes Kaninchen, dass ihn anzublicken scheint. Er erhebt sich in die Luft und fliegt ohne weitere Worte in diese Richtung. In Gedanken sendet er an Esther noch ein: "Das alles hier ist nicht real. Kobayasi-Maru."

Esther kann damit nichts anfangen, aber sie befragt weiter den Bediensteten. Als der Minister diesen wiederholt verbal angreift, stößt der Diener sie beiseite und will den Minister offenbar die Terrasse hinunterstoßen. Esther umklammert seine Beine und bringt ihn so zu Fall. Dann will sie ihr Training nutzen und ihn niederschlagen, aber der Schlag gegen die Schläfe hat nicht die erwartete Wirkung. Im Gegenteil. Sie selbst spürt einen Schmerz. Genau an den Stelle, wo sie den Mann getroffen hat. Verkörpert der Mann ihr eigenes Unterbewusstsein? Das zumindest ist Manuels Vermutung, die er Esther auch mitteilt. Kurz darauf verändern sich Stimme und Gesicht des Dieners und er wird zu einem Ebenbild von Esthers Vater.

Manuel hat unterdessen das Kaninchen erreicht, dass in Richtung Strand hoppelt. Auf dem Weg dorthin hat er begonnen, sich Gedanken zu machen, seit wann die Diskrepanzen aufgetreten sind. Die ersten Indizien findet er bereits vor ihrem Aufbruch auf der Festung in den Wolken. Um denjenigen, der diese Illusion geschaffen hat, zu überlasten beginnt Manuel damit, komplexe Berechnungen in seinem Geist durchzugehen, die er selbst noch nie angestellt hatte. So können die Antworten unmöglich aus seiner Erinnerung stammen. Die Taktik hat Erfolg und die Welt um ihn herum beginnt zeitweilig zu flackern und zu verschwimmen. Dann hört Manuel Stimmen. Offenbar ist irgend ein Computersystem auf 130% der nominellen Leistung und es gibt Probleme mit der Kühlung. Aus den Gesprächsfetzen erkennt er eine Stimme: Die seines Freundes und CEO Yagami Hakiro. Kein Nova, sondern Technologie ist es also, die ihn und Esther gefangen hält. Er versucht, einen ungerichtete EMP zu nutzen um das System auszuschalten, aber das hat keinen Erfolg. Nur eine weitere Diskrepanz zeigt sich: In dieser Simulation ist der EMP eine von ihm ausgehende Flächenwirkung, wo er doch eigentlich gerichtet sein sollte.

Am Horizont braut sich ein finsterer Tropensturm zusammen, aber es wird noch Stunden dauern, bis er die Insel erreicht. Das Kaninchen verwandelt sich am Strand in eine humanoide, blau schimmernde Gestalt und Manuel spricht sie an mit den Worten: "Cipher, ich brauche einen Ausgang!", was die Gestalt zu erheitertem Gelächter veranlasst. In einem kurzen Gespräch gibt sie zu verstehen, dass Manuel auf dem richtigen Weg sei, um den Ausgang zu finden, seine Freundin aber nicht vergessen solle. Manuel bedankt sich und fliegt zurück zum Haus um Esther einzusammeln.

Er ergreift sie, erklärt ihm kurz, was er vermutet und hält sie an, ebenfalls das System zu überlasten. Gefühle sollten für den Computer vielleicht noch schwerer sein als komplexe Berechnungen.

Mit einem Mal ist der Sturm nicht mehr Stunden entfernt, sondern kommt rasend schneller. Manuel will nicht durch ihn fliegen, also sucht er einen anderen Ausweg. Sie waren mit dem Flieger gekommen, nicht Esthers Portalen. Vielleicht hatte diese Welt Grenzen, die man durchbrechen konnte? Und wenn diese horizontal existierten, dann sicherlich auch vertikal. Also stieg er mit Esther in den Armen immer höher gen Himmel.

Doch plötzlich erscheint der Sturm auch über ihnen und so bleibt keine andere Wahl, als ihn zu durchqueren. Manuel formt aus seinem Eufiber einen Schutz um Esther und steigt weiter auf. Der Wind tost immer heftiger und die ersten Blitze gehen nieder. Sie verfehlen die beiden Gefährten, treffen aber die Terrasse unter ihnen und sowohl der Minister als auch der Bedienstete - Esthers Vater - stürzen brennend in die Tiefe. Aber all das ist nur eine Illusion und so ignorieren die beiden es. Dann werden sie von einem Blitz getroffen. Esther trägt leichte Verbrennungen davon. Höher und höher steigen sie, bis kurz über ihnen aus der Wolkendecke ein Senchineru hervorstößt.

Beide sind sich einig, dass das nicht der Fall sein kann und schreien dem metallenen Giganten auch entgegen. Dieser scheint aber unbeeindruckt und richtet seine Waffen auf sie aus. Die Waffen feuern, Raketen und andere Geschosse setzen sich in Bewegung. Aber kurz bevor sie Esther und Manuel erreichen können, scheint zu Welt zu zersplittern und löst sich in einem grellen Lichtblitz auf.

Aufwachen!

Nachdem sich der grelle Schein aufgelöst hat, schlagen Manuel und Esther die Augen auf. Im Dämmerzustand hören sie noch eine Stimme, die sehr aufgebracht ruft "Scheisse, die sind wach". Nachdem sich die anfängliche Benommenheit verflüchtigt hat, nehmen Manuel und Esther die Umgebung wahr: beide sind auf Liegen positioniert, von allerlei Geräten umgeben. In ihrer Vene in der Armbeuge liegt ein Zugang, der an einen Tropf angeschlossen ist, in dem eine klare Flüssigkeit enthalten ist. Ein Betäubungsmittel?

Esther und Manuel entledigen sich der Nadeln und stehen auf, um die Zuständigen zur Rede zu stellen und um einen Ausgang zu finden. Esther und Manuel stellen fest, dass es sich offensichtlich um eine Art unterirdische Bunkeranlage handelt. Manuel meint, Stimmen der flüchtenden Personen zu hören und nimmt die Verfolgung auf. Esther folgt ihm, ist jedoch langsamer und findet sich nach einer Weile ohne Manuels Begleitung in einem finsteren Gang wieder. Verunsichert versucht Esther, Anschluss an Manuel zu finden.

Dieser ist in der Zeit ein paar Gänge weiter und trifft dort auf seinen alten "Freund", das weiße Kaninchen. In dem Moment wird klar, dass die beiden immer noch in einer Illusion feststecken. Das Kaninchen und Manuel führen ein kurzes Gespräch, daraufhin macht Manuel wieder kehrt und findet Esther, die im dunkeln herumirrt. Er gibt ihr ein Knicklicht, damit sich sich besser zurechtfindet. Gemeinsam suchen sie den Ausgang. Sie kommen an eine große Doppelflügeltür, dessen Öffnungsmechanismus keinen Sinn ergibt: Zahnräder greifen nicht ineinander, Schrauben sind an Positionen, wo sie nichts fixieren etc. Manuel macht Gebrauch von seinen Kräften und versucht, Ordnung herzustellen, doch je mehr er verändert, desto unbehaglicher fühlt sich Esther. Es ist, als ob jemand in ihrem Inneren Bewusstsein herumwühlt. Sie zittert und schwitzt. Dieser Umstand bleibt auch Manuel nicht verborgen und er fordert Esther auf, ruhig zu werden. Offenbar sind Esthers Bewusstsein und die Tür miteinander verbunden. Oder ist die Tür ihr Unterbewusstsein? Esther setzt sich hin und beruhigt ihre Atmung, fängt an zu meditieren. Wie durch Zauberhand beginnt sich der Mechanismus der Tür von selbst zu ordnen. Zahnräder und Schrauben finden ihren richtigen Platz und je ruhiger Esther wird, desto mehr Sinn ergibt das Ganze. Nach einer Weile ist der Mechanismus der Tür soweit hergestellt, dass Manuel die schwere Tür öffnen kann und die beiden hindurchgehen können.

Aufwachen die zweite

Und sie erwachen erneut. Wieder ist es genau die Szenerie, in der sie bereits erwacht sind. Ein Wissenschaftler befindet sich noch im Laber, einige andere verschwinden gerade durch eine Tür. Esther nimmt sich den verbliebenen Wissenschaftler vor um an Informationen zu gelangen, Manuel will die anderen nicht entkommen lassen und folgt ihnen.

Bei der Verfolgung schaffen es die Wissenschaftler, hinter einigen Wachen Deckung zu finden, die mit Waffen komplett aus Plastik ausgerüstet sind. Doch Magnetkontrolle ist nicht Manuels einzige Kraft.

Als gerade mehrere Wachen vor seinen Füßen liegen und er eine am Kragen hält, um diese auszuhorchen, spricht ihn eine metallisch verzerrte Stimme an und direkt hinter ihm steht eine Gestalt in einer Rüstung, die zu Teilen Iron Man und zu Teilen Manuels Rüstung nachempfunden ist. Die Person hält die Handinnenfläche auf Manuel gerichtet und in dieser glüht ein aufgeladenes Waffensystem.

"Es hätte so einfach sein können, Manuel-San" ertönt eine gut bekannte Stimme durch die Lautsprecher des Anzugs: Yagami Hakiro!

Die Spannung steht auf Messers Schneide und doch beginnen beide, sich nahezu zivilisiert zu unterhalten. Hakiro wollte Manuel unter anderem dazu bringen, auch gegen das Embargo aufzubegehren und die Einstellung zu BlackTech zu überdenken, wollte, dass Manuel aktiv ins Waffengeschäft einsteigt. Manuel, der seine eigenen Entwürfe im Anzug wiedererkannte, wollte den Grund für all das wissen. Hakiro erklärte, dass er nicht der einzige wäre, der seit dem Null Manifest Angst hat. Viel zu viele haben sich in einem goldenen Zeitalter befunden gefühlt und nun wäre der täuschende Schleier von der Fratze der Götter, die auf Erden wandeln, herab gerissen worden. Hakiro sagte sogar, dass er Angst vor Manuel hat, seinem ehemaligen Freund. Dass er vorhergesehen hätte, dass es irgendwann Krieg geben müsse, dass er Vorbereitungen getroffen hat. Und Hakiro erzählte von BlasTec Limited. Von seinen Weiterentwicklungen von Manuels verworfenen Ideen und Zwischenstadien. Von Verträgen, die er mit dem Militär machen will. Davon, dass er es nicht zulassen würde, dass die Erde von wenigen Früher-Freunde-Jetzt-Feinde verwüstet werden würde.

Die Erinnerungen an das, was sie selbst erst vor kurzem getan hatte, zusammen mit der Tatsache, dass es Hakiro gelungen war, aus Manuels Ideen Dinge zu erschaffen, an die er selbst nie gedacht hatte, brachten den Filipino dazu, zuzuhören. Und er wollte BlasTec kennenlernen wolle. Prüfen, was Hakiro bauen lassen hat. Ihm vielleicht die Angst nehmen. Das zuerst gefährlich eskalierende Gespräch fand eine Wendung unter ehemaligen Freunden. Denn genau die Freundschaft zerbrach in diesem Moment ...

Sie würden sich erneut verabreden und Hakiro würde einladen. Hakiro zeigte sich erfreut über Manuels scheinbares Einlenken und gab zu verstehen, dass es ihm sehr leid getan hätte, Manuel hier zu töten. Noch immer glaubte er, die Oberhand in der Situation zu haben. Doch diese Vorstellung nahm Manuel ihm mit einem kurzen Hinweis, dass der Boden, auf dem er stand, sich binnen Sekundenbruchteilen in Lava hätte verwandeln können. Hakiro erwiderte darauf: "Und du meinst, dass wir keine Angst vor euch haben sollten? Keine Angst vor Wesen, die so einfach Gott spielen können?"

Manuel bedachte ihn mit einem undeutbaren Blick und erwiderte daraufhin: "Ich spiele nicht Gott. Ich habe nur aufgehört, Mensch zu spielen!"

Esther hatte indes von dem Wissenschaftler ebenfalls erfahren, dass die Anlage unter Befehl von Yagami Hakiro stand. Viel mehr wusste dieser aber nicht und daher hatte sie sich auf der Suche nach Manuel und dem Ausgang gemacht. Sie hörte nichts vom Gespräch, sah aber noch, wie der Iron Man-Verschnitt in den Schatten der Gänge verschwand.

Erklärungen gab es erst auf dem Rückweg. Irgendwie waren sie auf dem Weg durch die Straßen mit der Limousine abgefangen und betäubt worden und auf einen Schrottplatz gebracht worden. Dort verbarg sich die unterirdische Anlage - vielleicht ein ehemaliger Bunker? Es ging zurück in die Festung und in die Firma. Arbeit wartete.


Anerkannte EP: 2

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