Kapitel 34: Massaker im Schwarzen Lotus

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Quarantäne (11.-23. November 2005)

In der Festung

Nachdem klar wurde, dass Esther, Hikari und Hidana aus einer unbekannten und damit potenziell verseuchten Welt kamen, wurden sowohl sie, als auch die Wachen, die sie in Empfang genommen hatten, sofort unter Quarantäne gestellt. Für Hidana wurde ein Krankenbett im leeren Zimmer des Traktes der Hogo Kyodai aufgestellt, wo Maschinen seine Vitalfunktionen überwachten. Körperlich schien ihm nichts zu fehlen.

Auch Esther und Hikari waren in ihrem Trakt unter Quarantäne und es wurde ihnen gesagt, dass sie dort zwei Wochen verbleiben mussten, um eventuellen gefährlichen Viren keine Chance zur Ausbreitung zu geben. Jeglicher Kontakt zu anderen Personen war nur möglich, wenn diese hermetisch versiegelte Schutzanzüge trugen.

Da zwei Wochen in einem recht kleinen Trakt eine lange Zeit sind, suchten die beiden nach verschiedenen Möglichkeiten, die Zeit herumzubringen:

Esther

Esther hatte es satt, in Konfliktsituationen nicht zu wissen, wie vorzugehen war. Schließlich war sie die Kommandantin des Teams. Noch dazu war ihr bisheriger taktischer Berater - Kenshin - nicht mehr verfügbar. Also ließ sie sich von O'Kage eine Liste mit Büchern zusammenstellen, die das Thema Taktik behandelten. Aus O'Kages Sicht war die Liste vermutlich stark gekürzt und auf die nötigsten Grundlagen reduziert, aber für Esther erschien sie immer noch reichlich lang. Aber das war nicht sonderlich tragisch, schließlich hatte sie zwei Wochen Zeit und wenig anderes zu tun.

Neben der Lektüre der Bücher von O'Kages Liste verbrachte Esther auch einige Zeit in Meditation, und erlangte so neue Kenntnisse über ihre telepathischen Fähigkeiten.

Auch spielte sie einige wenige Partien Go mit Hikari, die die Japanerin jedoch stets gewann, so dass es beiden bald keinen großen Spaß mehr machte.

Die Tatsache, dass ihr Körper sich durch die Quantenwelle in der anderen Welt verändert hatte - kleine Unebenheiten im Gesicht waren verschwunden und die Proportionen insgesamt etwas perfekter geworden - blieb Esther in diesen zwei Wochen noch verborgen. Nicht so jedoch Manuel, der die beiden regelmäßig besuchte und der froh war über die Maske des Schutzanzuges, den er tragen musste, und die seinen offen stehenden Mund ob der neuen verbesserten Esther verbarg.

Hikari

Hikaris größtes Problem war, dass der Trakt der Hogo Kyodai keinen Trainingsraum besaß. Auch konnte Esther ihr nur schlecht als Trainingspartnerin dienen und Hidana lag noch immer im Koma, was die Situation nur noch schlimmer machte. Wie sollte sie ihr Training fortsetzen? Wie sollte sie sich mit dem Training davon ablenken, dass der Mann, den sie liebte, scheinbar nur körperlich aus der anderen Welt zurückgekehrt war?

Doch schon nach kurzer Zeit kam sie auf die rettende Idee: Für einen normal großen Menschen war der Trakt zu klein, um zu joggen oder sich sonstwie fit zu halten. Aber sie war kein normal großer Mensch. Zumindest nicht, wenn sie das nicht sein wollte. Also nutzte sie ihre Fähigkeit zu schrumpfen, und schon hatte sie reichlich Platz, um herumzulaufen und sich so abzulenken. Doch dabei stellte sie auch etwas sonderbares fest: Als sie ein Stuhlbein im Konferenzraum aus Ziel für ein paar Tritte und Schläge nehmen wollte, schaffte sie es schon mit dem ersten Schlag, den Stuhl ein gutes Stück zu bewegen und umzuwerfen. Eigentlich hätte sie in dieser Größe für so etwas nicht genug Kraft haben dürfen. Aber scheinbar hatte de Energiewelle auch sie und ihre Kräfte verändert, auch wenn die Veränderung nicht so offensichtlich war wie bei Esther.

Neben dem Training verbrachte Hikari viel Zeit am Bett von Hidana und erzählte ihm Geschichten oder las ihm Comics vor, die sie sich zuvor von Manuel hatte bringen lassen. Vielleicht half ihre Stimme ihm ja, den Weg zurück zu finden, war ihre Hoffnung.

Da bei den mitgebrachten Comics neben Manga und amerikanischen Comics auch einige aus den Philippinen waren, nutzte Hikari die Gelegenheit, um sich von Manuel die Grundzüge des Tagalog beibringen zu lassen.

Nach den wenigen und wenig fordernden Go-Partien gegen Esther, spielte Hikari gegen Manuel einige Partien Go. Diese waren zwar ähnlich Einseitig wie die gegen Esther, aber dieses Mal war sie es, die jedes Mal verlor, was sie als gutes mentales Training sah. Und Manuel schien es nicht zu stören, dass die Partien so unausgeglichen waren.

Zudem übte sie sich im Zeichnen und nutzte dazu vorallem ihre Quantensicht, um die Quantenaura von Hidana und Esther zu zeichnen

Hidana

Hidana befand sich nach der Rückkehr aus der anderen Welt weiterhin im Koma. Es wurden alle erdenklichen Untersuchungen angestellt, aber es konnte kein Grund für diesen Zustand gefunden werden. Körperlich war alles in Ordnung mit ihm. Er war vom Gefecht im Fuji No Yama zwar noch leicht verbeult, aber die Blessuren heilten auf die Nova-typische schnelle Art und Weise. Zurück blieben jedoch die fahlen blauen Lichtimpulse, die beständig durch seine Adern zu laufen schienen. Auch diese konnten aber kaum der Grund für das Koma sein.

Nachdem also medizinische Gründe ausgeschlossen wurden, suchte Esther mit ihren telepathischen Kräften nach einer Ursache und fand heraus, dass der Geist von Hidana einfach abwesend zu sein schien. Sie untersuchte die Situation weiter und besprach die Ergebnisse mit Manuel und gemeinsam kamen sie zu dem Schluss, dass der Verstand von Hidana offenbar nicht vollständig mit durch das Portal gereist war, sich jedoch beständig durch Zeit- und Weltengefüge seinem Körper annäherte. Es war eine Frage der Zeit, bis er wieder aufwachen würde. Ob es jedoch Wochen oder Monate waren, das konnte nicht vorhergesagt werden.

Manuel mutmaßte, dass sein anderes und zukünftiges Ich, das ja die Apparatur zur Rückkehr gebaut hatte, Hidana nicht gut genug gekannt hatte und daher das Gerät für ihn nicht ganz sauber funktioniert hatte. Diese Vermutung behielt er aber für sich, da er das Missfallen seiner Teamgefährten nicht auf sich lenken wollte.

Außerhalb der Festung

Manuel

Vielleicht war es die Euphorie über die Rückkehr seiner Freunde, die Manuel einen neuen Schub Inspiration verlieh. Auf jeden Fall gelang ihm kurz nach der Rückkehr in seinem Laber der Durchbruch, der schon seit einiger Zeit immer knapp seinem Griff entglitten war. Die erste stabile Matrix im formbaren Metall kam zustande. Und der Prozess schien reproduzierbar. Alle Testergebnisse waren vielversprechend und zeigten, dass das Metall in einem Bereich von -50 bis +50 Grad Celsius absolut stabil war und bis 200 Grad Celsius noch ausreichend stabil. Auch war es sowohl im Vakuum als auch im Null G Umfeld verformbar und stabil, was eine breite Palette an Möglichkeiten eröffnete.

Diese neue Entwicklung, die kurz vor der Marktreife stand, sorgte auch für ein gesteigertes Interesse von Kuro-Tek an Unlimited Imagination. Manuel traf sich mit einigen Managern von Kuro-Tek in dem Glauben, dass es um eine Partnerschaft ging. Schnell stellte sich aber heraus, dass diese nur an einem Kauf interessiert waren, was für Manuel aber nicht in Frage kam. Entsprechend wurde das Treffen ergebnislos aber respektvoll beendet. Auch ein erneutes Treffen wenige Tage später, dieses Mal mit einem um 20% höheren Angebot aber immer noch ohne Möglichkeit auf eine Partnerschaft an Stelle eines Verkaufs, verlief ergebnislos. Die Manager von Kuro-Tek hatten offenbar nicht damit gerechnet, dass Manuel kein Interesse an Geld hatte.

Wenig erfreulich war die gesamte Situation mit Yagami Hakiro. Nachdem Manuel herausgefunden hatte, dass einer der Hauptgeldgeber von Blastec die Yamaguchi-Familie war, und auch, dass seit geraumer Zeit sowohl Gelder als auch Wissen aus seiner Firma veruntreut worden waren, entließ er seinen ehemaligen Freund mit sofortiger Wirkung und kappte alle Geldflüsse in dieser Richtung. Vorerst musste er selbst sich um die Belange seiner Firma kümmern wie es schien. Die Vorbereitungen dazu lieferten Manuel zwar neue Erkenntnisse über die Art und Weise, wie Wirtschaft und Firmen funktionierten, aber im Grunde wusste er, dass er nicht die Zeit hatte, dies zu seiner dauerhaften Aufgabe zu machen, weshalb er alle nur erdenklichen Wege nutzte, um einen neuen CEO zu finden. Einen, dem er dieses Mal hoffentlich vertrauen konnte.

Yagami Hakiro wechselte kein einziges Wort mehr mit Manuel, würdigte ihn beim Verlassen des Firmengebäudes nicht einmal mehr eines Blickes.

Auch der ständig gestellten Frage "Kannst du eigentlich vibrieren?" ging Manuel nach, aber noch immer fand er keine Möglichkeit, diesen Effekt zu erzeugen.

Entwicklungen

Natürlich verstrichen die zwei Wochen auch für den Rest der Welt nicht ereignislos.

Immer häufiger kam es vor, dass novafeindliche Politiker oder anderen Personen der Öffentlichkeit Ziel von Anschlägen wurden, die allesamt die Handschrift von Teragen trugen. Das wohl größte solche Attentat war die Ermordung des Bürgermeisters von New Orleans. Dieser war bereits seit Jahren durch Gesetzesvorhaben aufgefallen, die sich ganz klar gegen Nova richteten. Und er wurde eines Morgens auf dem höchsten Kirchturm von New Orleans gefunden. Aufgespießt auf die metallene Spitze des Turms.

Auch in der Kashmir-Region zwischen Indien, Pakistan und China spitzte sich die Situation weiter zu. Immer häufiger engagierten die Länder Elites, um diese für ihre Seite streiten zu lassen. Und so kam es zu Schlachten zwischen Menschen und Nova, aber auch zur Auslöschung ganzer Dörfer durch Elite-Söldner. Und es schien, als würde die Situation eher weiter eskalieren als sich zu beruhigen.

In Japan gab es keine größeren Zwischenfälle, jedoch spitzte sich der Konflikt innerhalb der Yakuza offenbar zu. Immer wieder kam es zu Ausschreitungen zwischen verschiedenen Clans innerhalb der Nakato-Familie. Und immer öfter gab es auch Berichte über die grün maskierte Gestalt, die von den Medien "der grüne Ronin" genannt wurde. Dieser nutzte tauchte oftmals auf und verscheuchte Gruppen von Yakuza, oder aber er nahm einige von ihnen fest und platzierte sie gut verschnürt und zusammen mit den Drogen, die sie verkaufen wollten, vor dem nächsten Polizeirevier. Dabei traf es die verschiedenen Clans alle gleichermaßen, so dass nicht davon auszugehen war, dass der grüne Ronin eine Vendetta gegen eine bestimmten Clan führte.

Untersuchungen der Fruchtbarkeit (25.-28. November 2005)

Eines der Details, das die Reisenden aus der anderen Welt mitgebracht hatten, war die Existenz von Miko gewesen. Die bloße Existenz bedeutete, dass dort Nova in der Lage waren, sich fortzupflanzen. Etwas, was in dieser Welt immer noch fraglich war, wenn man einmal von dem hermaphroditischen Wesen absah, dass die Gefährten im AmpRoom getroffen hatten.

Diese Information veranlasste Manuel, seine Forschungen in diesem Bereich erneut aufzunehmen und seine beiden Teamgefährtinnen zu fragen, ob sie bereit wären, Eizellen für entsprechende Experimente zu spenden.

Hikari

Hikaris Gesicht war während Manuels Ausführungen, dass es vermutlich unmöglich für Nova war, Kinder zu bekommen, erneut entsetzt entgleist, was dem Filipino jedoch auch dieses Mal nicht auffiel. Sie wollte ganz sicher irgendwann Kinder haben. Entsprechend war ihre Antwort so schnell wie eindeutig gewesen. Sie würde für die Experimente sofort zur Verfügung stehen.

Also wurden ihr in der medizinischen Einrichtung der Festung einige Eizellen entnommen und Manuel begann mit seinen Untersuchungen. Zu seiner völligen Überraschung stellte er fest, dass die Eizellen sich problemlos befruchten ließen und auch die Zellteilung ganz normal einsetzte. Nichts, aber auch gar nichts, deutete darauf hin, dass es irgendwelche Komplikationen geben würde, sollte Hikari versuchen, ein Kind zu bekommen.

Diese frohe Kunde überbrachte Manuel der Japanerin, die sichtlich erleichtert war.

Embryonen

Doch diese Erleichterung wich schnell einem Schockmoment, als Manuel sie fragte, wie er mit den so entstandenen befruchteten Embryonen verfahren sollte. Hikari hatte nicht mit dieser Frage gerechnet, und wohl auch nicht darüber nachgedacht, wie derartige Test überhaupt durchgeführt wurden. Auch ihre Nachfrage erfuhr sie, dass der Filipino bei einer Samenbank Spendersamen eingekauft hatte, da seine eigenen Spermien nicht in der Lage wären, lebensfähige Kinder zu zeugen und somit diese das Experiment verfälscht hätten. Auch konnte er ihr bestätigen, dass es möglich war, die befruchteten Embryonen einzufrieren für eine spätere Verwendung.

Genau das ließ Hikari dann durch Esther veranlassen. Und so wurden sowohl die Embryonen als auch die nicht benötigten Eizellen eingefroren und warteten auf den Moment, in dem Hikari entschied, was sie damit tun sollte.

Die Nachfrage Manuels, ob er mit den verbliebenen Eizellen direkt mit Spermien von Hidana testen sollte, verneinte Hikari erneut schockiert. Dies war etwas, was der Zustimmung von Hidana bedurfte.

Esther

Esther war in der ganzen Angelegenheit weitaus zögerlicher als Hikari. Sie wollte keine Kinder. Zumindest in diesem Moment war sie sich sicher, keine Kinder zu wollen. Aber sie wollte dennoch wissen, ob Manuels Theorien eine Basis hatten oder ob er sich einfach geirrt hatte. Vielleicht war Hikari eine Anomalie. Also stimmte auch sie zu, an dem Experimenten teilzunehmen.

Auch ihr wurden Eizellen entnommen und diese wurden von Manuel untersucht. Was er dabei feststellte war zuerst, dass Esther tatsächlich unfruchtbar war, so wie er es vermutet hatte. Was er aber nicht vermutet hatte, war die Tatsache, dass dies keine natürliche Folge ihrer Novaexistenz war, sondern eine genetische Manipulation, die fremdinduziert war. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Veränderungen so weitreichend waren, dass Esther nicht einmal mehr als Leihmutter fungieren konnte. Ihr Uterus würde jeden Embryo abstoßen an statt ihn zu versorgen.

Wer eine solche Manipulation durchgeführt haben konnte, und wie, war eine Frage, die sich zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten ließ. Die Manipulation zeugte von einem medizinischen Wissen, das das von Manuel weit überstieg. Zum jetzigen Zeitpunkt hatte er keine Idee, wer über solches Wissen verfügte oder ob und wenn ja wie man die Rückgängig machen konnte.

Esther überlegte indes, wer Motivation und Gelegenheit zu so etwas gehabt haben könnte, aber auch hier fand sich momentan keine Spur. Zu oft war sie in jeder einzelnen Phase ihres Lebens bei Ärzten gewesen, hatte Injektionen bekommen. Und jede einzelne davon, sowie vielleicht sogar andere Verfahren als die Injektion, konnten Ursache des Ganzen gewesen sein.

Manuels Theorien waren, dass es vielleicht die Eltern gewesen sein könnten, die keine Enkel wollte, oder aber die amerikanische Regierung - denen man ja alles zutraute - die nicht wollte, dass ein wichtiges Asset wie eine Warperin durch eine potenzielle Schwangerschaft von ihrer Arbeit abgelenkt würde. Aber beides waren nur wilde Theorien und Esther hielt sie für absurd.

Nachricht an Splash

Auf ihrer Suche nach Spuren schickte Esther auch eine E-Mail an Splash. Neben generellem Small Talk enthielt diese die Frage, ob schon einmal jemand aus ihrem Team schwanger gewesen sei. Als Antwort erhielt sie die Information, dass niemand dort jemals auf den Gedanken gekommen war, da sie alle keine Zeit hatten, über Kinder nachzudenken.

Eine weitere Nachfrage, ob es mal Untersuchungen gab, ob das Zeugen von Kindern überhaupt möglich war, blieb bis zu diesem Zeitpunkt unbeantwortet. Der Konflikt in der Kashmir-Region eskalierte gerade, und so waren Splash und ihre Leute zu beschäftigt, um sich um so unwichtige Fragen zu kümmern.

Gespräch mit O'Kage

Die Erkenntnis über ihre Unfruchtbarkeit wollte Esther natürlich auch O'Kage nicht verheimlichen. Schließlich waren die beiden ein Paar und damit war diese Information auch für den göttlichen Schatten relevant. Nachdem Esther das Gespräch etwas unglücklich damit eröffnete, dass Manuel ihr einige Eizellen entnommen hatte, was bei O'Kage erst einmal ein "Er hat WAS?!"" provozierte, schaffte sie es, die Situation zu erklären. O'Kage gelang es, sein Gesicht ob dieser Information lediglich versteinern zu lassen. Aber als Esther die weiteren herausgefundenen Details offenbarte, zeigte sich der Zorn des Mannes doch recht deutlich. Er wollte wissen, ob es schon Erkenntnisse gab, wer verantwortlich gewesen sein könnte und die Art der Fragestellung sowie sein Tonfall ließen keine Zweifel daran, dass er, sollte es eine Spur geben, die Verantwortlichen persönlich zur Rechenschaft ziehen würde. Aber da es noch keine Spuren gab, konnte er momentan auch wenig tun, außer Esther beizustehen und ihr Trost zu spenden. Denn obwohl sie sich vor der Untersuchung noch sicher gewesen war, niemals Kinder zu wollen, so war die Nachricht, dass sie es auch gar nicht konnte, schwer zu verarbeiten.

O'Kage versprach, selbst für weitere Tests zur Verfügung zu stehen und auch eine entsprechende Direktive anzuregen, dass der Rest von Nippontai ebenfalls untersucht werden solle. Ob diese Direktive jedoch von Ryu wirklich erteilt werden würde, konnte er nicht versprechen.

Das Massaker im Schwarzen Lotus (29.-30. November 2005)

Auftrag

Am Dienstag, 29. November, saßen die Gefährten in ihrem Konferenzsaal zum gemeinsamen Abendessen. Dieses war gerade so gut wie beendet, als es recht fordernd an der Tür klopfte. Hikari öffnete die Tür und fand O'Kage vor, der entgegen seiner in letzter Zeit gegenüber dem Team oft legeren Kleidung, in vollem Ornat und mit Daisho erschienen war. Das signalisierte den beiden Frauen sofort, dass es sich um einen offiziellen Besuch handelte und sie verbeugten sich entsprechend. Manuel hatte das mit dem Daisho nicht sofort verstanden, aber das Verbeugen konnte er deuten und so tat er es Hikari gleich. Wieder einmal überlegte er sich, dass es vielleicht an der Zeit sei, japanische Etikette zu studieren. Aber wie immer verschwand dieser Gedanke ebenso schnell wieder und wurde durch dringendere und interessantere Dinge ersetzt.

O'Kage betrat nach einer entsprechenden Aufforderung von Esther den Konferenzraum und nahm am Tisch platz. Dann begann er zu berichten.

Vor kurzer Zeit hatte es einen weiteren Zwischenfall aus dem Yakuza-Milieu gegeben. Aber dieses Mal war etwas anders, was Nippontai dazu veranlasste, größeres Interesse daran zu haben: Unter den Toten waren auch eine erhebliche Anzahl Gaijin, die mit AK-47 bewaffnet waren. Ob es sich dabei um Söldner oder eine neue Fraktion im Konflikt handelte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Der Zwischenfall hatte um 19 Uhr im Club "Kokuren" (Black Lotus) in Electric City stattgefunden und die Polizei war bereits vor Ort und stellte Ermittlungen an.

Das genaue Vorgehen überließ O'Kage den Hogo Kyodai, ebenso welche Maßnahmen sie einleiten wollten, wenn sie auf die Schuldigen stießen. Dabei betonte er jedoch noch einmal, dass sie als Teil von Nippontai agierten, also als Schild von Japan. Auch wies er darauf hin, dass vor dem Betreten des Tatorts besser nicht mehr allzu viel gegessen werden sollte, da der Anblick verstörend sein würde.

Vorbereitungen

Da es sich um einen offiziellen Auftrag handelte, und bereits von Waffengewalt die Rede gewesen war, machte sich Hikari sogleich zur Werkstatt auf, um ihre Kampfsausrüstung zusammenzustellen.

Esther und Manuel nutzten unterdessen Esthers Sicherheitsfreigabe und Manuels Fähigkeiten im Bereich Nachforschungen, um mehr über den Ort des Geschehens in Erfahrung zu bringen: Der Kokuren Club befand sich in im Keller und Erdgeschoss eines fünfstöckigen Gebäudes. Die Etagen 1 und 2 gehörten Maklerfirmen, auf den beiden obersten Etagen befanden sich Wohnungen. Wer dort wohnte war den Akten so nicht zu entnehmen, aber für den Moment auch nur von minimalen Interesse. Der Besitzer des Clubs war ein gewisser Ikinamoru Shenju und es war bereits der dritte Nachtclub, den er gegründet hatte. Die ersten beiden waren jeweils nach einiger Zeit bankrott gegangen. Es gab Gerüchte, dass die Clubs von der Yakuza zur Geldwäsche eingesetzt wurde. Und auch, dass die koreanischen Tänzerinnen des Etablissements auch illegal als Prostituierte dort arbeiteten.

Nach der Informationssuche, die etwa zwei Stunden dauerte, wurde überlegt, wie sie überhaupt auftreten und vorgehen wollten. Mit großem Auftritt und sehr offiziell oder aber eher auf kleiner Flamme kochend und im Verborgenen. Beides hatte Vor- und Nachteile, aber am Ende entschied Esther sich für den offenen Weg. Es waren Menschen zu Schaden gekommen und es würde ein gutes und wichtiges Symbol sein, das Nippontai sich der Sache annahm und so den Schutz der Bürger Japans auf offen zur Schau stellte.

Entsprechend wappneten sich auch die anderen Beiden in ihren offiziellen Kampfuniformen und mit ihren Daishos und Esther öffnete ein Portal auf die Hauptstraße vor dem Kokuren Club.

Vor Ort

Ankunft

Das gleißende Portal, wie immer umgeben von wabernden dunklen Nebeln, öffnete sich wie ein Vorhang. Es war abgesprochen worden, dass Manuel als erster hindurchtreten sollte, wodurch er sich als Yojimbo positionierte. Dieser Umstand war dem Filipino selbst nicht klar, aber er hätte auch keine Probleme damit gehabt. Schließlich verpackte er erheblich mehr als seine beiden Teamgefährtinnen.

Schon der erste Blick auf das Portal offenbarte etwas, womit Manuel fast gerechnet hatte: Ein Portal mitten auf einer Straße zu öffnen barg immer die Gefahr, dass ein Auto auf dieses zufuhr. Und so war es auch dieses Mal. Der Fahrer war nicht der wachste, und so bremste er erst spät. Aber Manuel durchschritt das Portal und hob den Wagen mit Hilfe seiner Magnetkräfte einfach an und über das Portal hinweg und setzte ihn sicher auf der anderen Seite wieder an.

Auch aus der anderen Richtung näherten sich Fahrzeuge, aber diese liefen nie Gefahr, ins Portal zu rasen, sondern waren ob des plötzlichen Auftauchens lediglich erschrocken, wodurch es fast zu Auffahrunfällen gekommen war.

Dann durchschritten auch Esther und Hikari das Portal, das sich hinter ihnen wieder schloss. Vor ihnen lag nun der Eingang des Clubs, der bereits durch rot-weiße Barkassen abgesperrt war. Einige Polizisten hielten Wacht, während Reporter und Schaulustige versuchten, einen Blick ins Innere zu erhaschen. Von Außen sichtbar waren Einschusslöcher in den Fensterscheiben sowie Explosionsspuren rund um das, was einst die Tür gewesen sein musste. Aber mehr war von hier nicht zu erkennen. Das, und die Tatsache, dass der ohnehin schon starke konstante Regen gerade noch einmal stärker wurde, sorgte dafür, dass die Schaulustigen nach und nach das Interesse am Eingang verloren.

Der Beobachter

Auffällig war dabei jedoch ein Mann, eindeutig Eurasier, den Hikari und Manuel bemerkten. Er hatte aus einer Seitengasse heraus beobachtet und war, kurz nachdem die Gefährten eingetroffen waren, in diese verschwunden. Die beiden teilten Esther dies mit und diese entschied, dass Manuel ihn verfolgen sollte. Manuel erklärte ihr kurz, dass Hikari das viel unauffälliger könne, was diese auch bestätigte. Aber Esther reagierte auf diesen Einwand nicht, weshalb Manuel dann die Verfolgung aufnahm.

Er aktivierte seinen Levitationsgürtel und schwebte dem Mann hinterher, wohl wissend, dass er so erheblich schneller war als zu Fuß. Natürlich erregte das weiteres Aufsehen und so manches durch den Regen verzerrte Bild von ihm würde später im OpNet landen.

Am Ende der Gasse angekommen sah Manuel den Mann gerade auf eine europäische Limousine zugehen, die dort parkte. Er machte ein Bild vom Gesicht des Mannes und nahm sich vor, das Nummernschild ebenfalls abzulichten. Aber als die Tür sich schloss und der Wagen sich in Bewegung setzte, verschwammen seine Konturen und er wurde unsichtbar. Manuel war noch Geistesgegenwärtig genug, ein Bild zu machen und hoffte, dass ein Nummernschild zu sehen sein würde. Dann nahm er die Verfolgung auf und berichtete den anderen beiden vom Geschehen. Eine kurze Überprüfung auch Quantenebene ergab, dass es sich nicht um eine Quantenkraft im herkömmlichen Sinne handelte, aber durchaus etwas verwandtes. Etwas Gröberes. So wie ein Kiesel an einem feinen Sandstrand.

Nach kurzer Zeit wurde die Verfolgung dann aber abgebrochen, da der Wagen sich auf dem Weg zum Highway befand, wo Manuel ihm nicht mehr hätte folgen können. Und da die Insassen nichts getan hatten, was ein Stoppen des Wagens rechtfertigte, blieb keine andere Wahl, als sie für den Moment ziehen zu lassen.

Im Club

Die gesamte Verfolgung hatte nur eine halbe Minuten gedauert, weshalb Esther und Hikari im Eingangsbereich des Clubs auf Manuel warteten. Ihre Anwesenheit hatten sie bereits beim wachhabenden Polizisten kundgetan und dieser hatte bestätigt, dass sie hinein durften.

Im Inneren gab es einen kurzen verspiegelten Gang, der hinab in den Keller führte. Eine kurze Überprüfung ergab, dass es sowohl offensichtliche als auch verborgene Kameras gab, was hoffen ließ, dass es gute Aufzeichnungen des Geschehens gab.

Dann kamen sie an die Tür zum eigentlichen Club. Aus dieser kam gerade ein Polizist heraus und schon beim Öffnen der Tür wurde durch den Geruch klar, dass O'Kages Warnung nicht ohne Grund ausgesprochen worden war. Und auch eine nähere Betrachtung ließ daran keinen Zweifel.

Der Raum war übersäht mit Leichen und Leichenteilen. Der Boden vollständig mit Blut bedeckt. Die Leichen waren teilweise durch Explosionen zerfetzt, teilweise durch Klingewaffen gespalten. Ein Anblick, der die Hogo Kyodai erst einmal stoppen ließ. Hikari machte gar ein paar Schritte rückwärts wieder aus dem Raum heraus, und batEsther um Erlaubnis, den Serverraum zu suchen, um dort einmal nach den Videoaufnahmen Ausschau zu halten.

Untersuchung

Manuel schwebte indes in den Raum und verschaffte sich einen Überblick über das, was geschehen sein musste. Die Wunden waren unterschiedlicher Natur und er stellt an Hand der Gerinnung des Blutes auch fest, dass nicht alle zur gleichen Zeit gestorben waren. Und insgesamt musste es sich um mindestens drei Parteien gehandelt haben, aber irgend etwas an diese Zahl stimmte nicht, soviel wurde ihm klar.

Was die Bewaffnung anging, so gab es bei den Leichen zwei verschiedene Standards: Die japanischen Leichen - allesamt mit Tätowierungen versehen und einige mit fehlenden Fingergliedern - waren mit älteren und kleineren Schusswaffen ausgestattet. Die Gaijin hingegen - Osteuropäer dem Phänotyp nach - waren sowohl leicht gerüstet als auch mit modernen Sturmgewehren ausgestattet. Die Aussage O'Kages über die AK-47 war offenbar eine Fehlinformation gewesen.

Vision

Esther hatte sich indes hingehockt und ihre Hand auf eine der bereits mit Tüchern bedeckten Leichen gelegt. Dem Weg dieser Person folgte sie auf dem Zeitstrang zurück, um so zu erfahren, was hier vorgefallen war.

Ihr Blickwinkel veränderte sich. Sie saß auf einem Motorrad. Eine Kawasaki. Um sie herum saßen anderen Japaner ebenfalls auf Motorrädern und vor ihnen befand sich ihr Anführer. Er richtete sein Wort an sie alle und erklärte, dass die alleinige Herrschaft der Nakato Familie die längste Zeit angehalten habe. Sie alle sollten sich daran erinnern, was ihnen versprochen worden war. Und sie würden es den Nakato heute Abend richtig zeigen.

Wieder änderte sich der Blickwinkel. Sie waren zu Fuß unterwegs, die Motorräder waren irgendwo abgestellt worden. Insgesamt etwa 20 Mann. Sie erreichten den Eingang des Clubs und schalteten die Wachen dort unblutig aus. 6 Mann gingen hinein, darunter auch die Person, aus deren Augen Esther die Szene erlebte.

Im Clubraum angekommen kam es zu einem kurzen Streitgespräch. Die Angreifer gaben zu verstehen, dass sie zur Hidachi Familie gehörten und hier seien, um sich das Mite zu holen. Erst lief alles zivilisiert ab. Keine der beiden Parteien wollte ein Blutbad. Aber dann, mit einem Mal, hoben die Soldaten beider Seiten die Waffen und feuerten fast zeitgleich drauf los. Auch eine Granate flog und zerfetzte Gäste und Yakuza gleichermaßen. Am Ende standen von den Angreifern noch drei, die Verteidiger lagen alle am Boden. Dann machte sich der Mann, der zuvor bei den Motorrädern auch gesprochen hatte, auf zur Tanzfläche und öffnete dort ein verborgenes Fach, aus dem er ein Paket mit vielen Einwegampullen entnahm. Gerade wollten sie sich mit ihrer Beute aus dem Staub machen, als weitere Personen den Raum betraten.

Die Neuankömmlinge waren Russen. Der Anführer trug auf dem Unterarm eine kyrillische Tätowierung in der Art, wie man sie in Gefängnissen sah. Dieses Mal kam nur zu einem minimalen Gespräch. Der Anführer der verbliebenen Japaner fragte, was die Gaijin hier wollten, der Russe antwortete, dass das Mite nun dem Camparelli-Zukhov Megasyndikat, woraufhin die anderen Russen das Feuer aus ihren vollautomatischen Waffen eröffnen und die drei verbliebenen Japaner niedermähen.

Der nächste Perspektivwechsel, dieses Mal in eine körperlose und schwebende Perspektive. Zwischen den Russen landet eine Gestalt in grünem Umhang und mit grüner Maske. Mit den Worten "Das hier ist Japan!" tötet er mit seinen beiden Klingen nach und nach alle Russen. Seine Meisterschaft der Klinge erinnert Esther dabei an die von O'Kage. Auch zeigt sich, dass die Rüstung, die der Mann trägt, mit modernster Technik vollgepackt ist. Sie ermöglicht es ihm unter anderem, eine Granate, die auf ihn geworfen wurde, mit einer Handbewegung aufzuhalten und die Explosion, die sich gerade entwickelte, rückgängig zu machen, so dass nur noch eine zerbrochene Granate übrig blieb.

Nachdem alle Russen tot waren, endete die Vision.

Verwaltungsräume

Hikari und die Kommissarin

Während ihre beiden Teamgefährten sich noch am Tatort selbst umsahen, war Hikari eine Etage höher gegangen, um dort Einblick in die Videoaufzeichnungen zu nehmen. Bevor es jedoch dazu kommen konnte, traf sie auf die leitende Kommissarin, die sie etwas barsch nach dem Grund ihrer Anwesenheit fragte.

Hikari zückte ihren Hojo Butai-Ausweis und stellte sich als Hogosha-Ko vom Hojo Butai-Team Nippontais vor. Ihr Auftreten war energisch und selbstbewusst und sie ging eigentlich davon aus, dass damit die Sache erledigt sei. Aber die Kommissarin ließ sich davon nur wenig beeindrucken und erst nach nochmaligem Hinweis von Hikari, dass sie im Auftrag von O'Kage hier sei, um die Ermittlungen zu unterstützen, akzeptierte die Kommissarin dies und brauchte Hikari widerstrebend und nach einem abfälligen Kommentar darüber, wie sehr sie es hasste, wenn "die" sich einmischten, in den Datenraum.

Kameraaufzeichnungen

Vor den dort befindlichen Rechnern saßen bereits einige Techniker der Edoer Polizei und gingen die Aufzeichnungen durch. Einige der Dinge, die Esther zur gleichen Zeit in ihrer Vision sah, fanden sich auch in den Aufzeichnungen, jedoch in weit niedrigeren Details. Die Kameras verfügten lediglich über völlig veraltete Schwarz-Weiß-Technologie ohne Mikrofone. Dennoch waren große Teile des Geschehens gut zu erkennen. Lediglich ab dem Auftauchen des Grünen Ronins war das komplette Bild weg. Auf den ersten Blick wirkte dies wie eine direkte Störung der Aufnahme, aber bei näherer Betrachtung - näher als es normalen Menschen möglich gewesen wäre - stellte Hikari bald fest, dass das Bild lediglich durch extrem starkes Rauschen überlagert war.

Der etwas später hinzugekommene Manuel bestätigte diese Beobachtung und bestätigte auch, dass die zu erkennende Silhouette in der Aufzeichnung, von der Hikari nur erkannt hatte, dass diese irgend etwas aufhob, ziemlich exakt der Silhouette des Mannes glich, den Manuel in den unsichtbaren Wagen hatte steigen sehen. Das, was er aufgehoben hatte, musste das Mite gewesen sein, über dessen Verbleib Esthers Vision keine Auskunft hatte geben können.

Audioaufnahmen

Etwas überrascht von der schlechten Qualität der Aufnahmen machte sich Manuel daran, zu kontrollieren, ob auch wirklich alle Kameras hier gelistet waren. Er hatte die Vermutung, dass es vielleicht nur die gut sichtbaren waren und die versteckteren bessere Bilder zeigten und anderweitig aufgezeichnet wurden. Aber es stellte sich schnell heraus, dass auch die Bilder der verborgenen Kameras hier waren. Die schlechte Qualität der Videos konnte aber eigentlich nur Absicht sein, denn im Zweifel konnten die Aufzeichnungen ja auch gegen die Besitzer des Clubs eingesetzt werden.

Dieser Gedanke brachte Manuel aber auf eine andere Idee: Dies hier war ein illegales Bordell der Yakuza. Es war also damit zu rechnen, dass durchaus auch Material für Erpressungen gesammelt wurde. Mit den Kameras war dies kaum möglich und aus dem gerade gefundenen Grund auch gar nicht sinnvoll. Aber das hieß ja nicht, dass es nicht weitere Aufzeichnungsgeräte gab, die den Ton an den Tischen aufnahmen. Diese Aufnahmen würden sicherlich nicht offensichtlich irgendwo herumliegen. Entsprechend begab er sich auf die Suche nach versteckten Daten, denn auch diese musste irgendwo im System registriert sein, wenn jemals ein Zugriff erfolgen sollte.

Und tatsächlich fand er bald einen verschlüsselten Bereich im System. Die Verschlüsselung war jedoch lächerlich schwach, so dass sie für ihn kaum ein Hindernis darstellte. Schnell sicherte er die so gefundenen Daten und schloss den Zugang wieder. Für den Moment hatte Esther entschieden, diese Erkenntnisse nicht mit der Polizei zu teilen.

Iron Embers?

Während Manuel das Computersystem überprüfte schienen einige der Polizeitechniker ihn tatsächlich zu erkennen und es ging ein entsprechendes Gemurmel um, ob das nicht "Iron Embers" sei. Hikari korrigerte sofort, dass sein Name Panday war, was die Techniker auch akzeptierten. Es war dabei jedoch nicht ganz klar, ob sie realisiert hatten, dass es die gleiche Person war, oder ob sie dachten, dass Iron Embers ein anderer Nova war.

Esther und die Kommissarin

Auch Esther war in der Zwischenzeit auf die Kommissarin getroffen. Diese war gerade dabei die bisherigen Erkenntnisse der Spurensicherung zu lesen, als Esther sich ihr näherte, um die aus der Vision gewonnenen Erkenntnisse zu teilen. Wie auch zuvor schon gegenüber Hikari zeigte sich die Frau als nicht besonders freundlich oder kooperativ. Mehr noch, sie ignorierte Esther für eine sehr lange Zeit. auch als esther sie wiederholt ansprach fuhr sie in aller Ruhe mit dem Lesen der Berichte fort.Esther war davon leicht irritiert. Dennoch ließ sie nicht locker bis sie Gehör fand. Endlich erklärte sie der Kommissarin die Erkenntnisse aus ihrer Vision. Auch wenn Esther weiterhin bemüht war höflich und freundlich zu bleiben, blieb die Kommisarin abweisend und unfreundlich. ein Japaner hätte ihr Verhalten als durch und durch respektlos empfunden. Widerwillig teilte die Kommissarin schließlich mit, wie weit ihre eigenen Leute mit ihren Ermittlungen gekommen waren, wobei sich zeigte, dass sie nicht wussten, was Esther nicht bereits herausgefunden hatte.

Zurück zur Festung

Nach den bis dahin stattgefundenen Nachforschungen war sich das Team recht sicher, vor Ort im Moment nicht mehr herausfinden zu können. Außerdem wollten sie auch die gruslige Szene so schnell wie möglich so weit wie möglich von sich weg wissen. Entsprechend sollte die Aufarbeitung des Erfahrenen auf der Festung stattfinden, wo dann auch Esther den Projektionshelm würde nutzen können um das, was sie gesehen hatte, den anderen besser zu vermitteln.

Dementsprechend öffnete sie ein Portal direkt aus dem Inneren des Gebäudes zur Festung in den Wolken und, unbemerkt von allen Medien und Schaulustigen, begaben sich die Hogo Kyodai zurück auf die Festung in den Wolken.

Analyse der Daten

Dort angekommen wurden erst einmal alle gesammelten Erkenntnisse verglichen und somit auch alle auf den selben Stand gebracht.

Dann wurden die Daten, sowohl aus dem Kameras, als auch aus Esthers Vision, als auch die der verborgenen Mikrofone, genauer analysiert:

Mikrofone

Die Mikrofone hatten hauptsächlich tatsächlich die Gespräche an den Tischen aufgezeichnet. Einige der Gespräche eigneten sich vielleicht als Erpressungsmaterial gegenüber den beteiligten Personen, aber neue Erkenntnisse über die Tat lieferten sie keine. Lediglich die Tatsache, dass die Mikrofone im gleichen Moment wie die Kameras ausfielen war überhaupt von Interesse.

Da aber das Erpressungsmaterial für spätere Verwendung vielleicht nicht uninteressant war, wurde es von Manuel entsprechend abgespeichert.

Konflikte

Sowohl die Kamerabilder als auch die Vision Esthers zeigten die verschiedenen Konflikte. Bei dem ersten, der offenbar Yakuza-intern war, fiel eindeutig auf, dass die Eskalation fremdinduziert war. Zu plötzlich und zu gleichzeitig geschah sie, als das sie natürlich entstanden sein konnte. Hikari war sich sicher, dass sie mit ihren Kräften eine Ähnliche Wirkung hätte erzielen können.

Der Konflikt zwischen den Russen und den verbliebenen Yakuza war hingegen nicht unbedingt eskaliert worden. Das Vorgehen passte auch ohne Fremdeinwirkung zum Modus Operandi der Beteiligten.

Der grüne Ronin

Genauer in Augenschein genommen wurde auch der grüne Ronin. Die einzige Quelle war hier Esthers Vision, und diese waren notorisch ungenau, wenn es um Details ging, so dass die gewonnenen Erkenntnisse mit Vorsicht zu betrachten waren.

Was die Vision offenbarte war, dass der grüne Ronin über eine gehörige Portion Selbstbewusstsein verfügte, das an Arroganz grenzte. Aber fast noch imposanter als sein Ego waren seine Ausrüstung und seine Kampffertigkeiten.

Manuel analysierte die Ausrüstung so gut es aus den Bildern ging, und stellte fest, dass er selbst keine Ahnung hatte, wie ein Großteil davon funktionieren konnte. Eines war ihm aber klar: Nur eine einzige Firma hatte die Mittel, derartige Dinge zu bauen: Kuro-Tek!

Was den Kampfstil anging, hatte Esther dieser bereits an die Meisterschaft O'Kages im Umgang mit dem Schwert erinnert, auch wenn dieser meist nur mit einer Klinge kämpfte, wo der grüne Ronin zwei verwendete. Manuel kannte sich in den japanischen Stilen nicht gut genug aus, um Details erkennen zu können, und so wurde O'Kage als Experte dann auch hinzugezogen.

Wieder und wieder ließ der göttliche Schatten sich die Szenerie vorspielen, bis er am Ende offenbarte, dass seiner Ansicht nach der Mann, den er sah, überhaupt nicht kämpfen könne. Auf eine entsprechende Nachfrage, was er damit meine, teilte er mit, dass der Mann keinen erkennbaren Stil habe. Viel mehr verwendete er für jeden Block oder Angriff die in diesem exakten Augenblick effektivste Technik. Manuel spekulierte daraufhin, dass vielleicht die Kampftechniken ebenfalls aus der Technik seines Anzuges stammten, was erfordern würde, dass der Träger selbst gar keine entsprechenden Reflexe hatte, denn diese würden den Anzug eher behindern als zu helfen.

Der Traum

Je öfter Esther sich die Bilder über den grünen Ronin in Erinnerung rief, desto mehr erinnerte sie sich an einen Traum, den sie vor einiger Zeit gehabt hatte. In diesem war ebenfalls ein Mann in grünem Kaputzenumhang aufgetaucht. Dieser hatte sie in dem Traum gerettet und ihr dabei eine rote Rose hinterlassen. Aber im Traum war von der Rüstung und der sonstigen Technologie keine Spur gewesen.

Die Rose aber war ein eindeutiges Symbol nach dem dann auch auf den Aufzeichnungen vom Tatort gesucht wurde. Und tatsächlich tauchte sie, von einem Frame zum nächsten, dort mitten im Kampf einfach auf. Das deutete auf mehr als nur ein Symbol hin, so dass entschieden wurde, zum Tatort zurückzukehren und sich die Rose einmal genauer anzuschauen.

Wieder vor Ort

Dieses Mal erfolgte die Anreise direkt ins Gebäude hinein und wieder mittels Portal von Esther. Mittlerweile war es recht spät und die Polizei war offenbar mit der Aufnahme des Tatorts fertig. Lediglich zwei Mitarbeiter der Spurensicherung waren noch dabei, letzte Arbeiten durchzuführen. Der Rest war, ebenso wie die Leichen, bereits verschwunden.

Die Rose

Dummerweise war der Tatort auch ansonsten bereits gut aufgeräumt, so dass die Rose nicht mehr an dem Ort lag, an dem sie auf dem Video zu sehen gewesen war. Eine entsprechende Nachfrage bei den beiden Polizisten ergab, dass alle gefundenen Blumen, zusammen mit sonstigem als unwichtig eingestuften Material, in einem Müllsack waren, der sich noch im Raum befand. Eben jenen Müllsack packte Manuel also und entleerte ihn zum Entsetzen der Polizisten einfach wieder auf den Boden des Clubs.

Nach ein wenig Suchen fand er auch die Rose zwischen den anderen Dingen und wollte sie näher untersuchen. Auf den ersten Blick schon wurde klar, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Denn im Gegensatz zu allen anderen Dingen in dem Müllsack, war die Rose noch immer völlig intakt und wirkte taufrisch.

Die genauere Untersuchung mittels seiner Kräfte offenbarte dann auch, wie das sein konnte: Schon bei der ersten Berührung mit Quantenkräften veränderte sich die Blume. Statt einer organischen Pflanzenstruktur, die offenbar immer nur eine Tarnung gewesen war, fand sich dort mit einem Mal die Struktur von C4 vor. Und auch ein Zündmechanismus, der gerade aktiviert worden war. Manuel war sich nicht sicher, eine derartige Bombe entschärfen zu können, denn sie war ganz klar eine Falle gewesen und wer konnte schon sagen, wie viele Sicherheitsmechanismen an dieser existierten. Also entschied er sich für die ungefährlichere Variante des taktischen Rückzugs.

Mit dem Ruf "RAUS! SOFORT!" lief er in Richtung Ausgang und schob die beiden verdutzen Polizisten dabei vor sich her. Auch Esther und Hikari reagierten und rannten aus dem Raum. Hikari war dabei die letzte und blieb etwas zurück, um den Eingang zum Clubraum mit einem Kraftfeld zu verschließen. Sie wusste nicht genau, wovor sie eigentlich flohen, aber es war sicherlich nicht verkehrt, eine Barriere davor zu errichten.

Sekundenbruchteile nachdem das Kraftfeld entstanden war, explodierte dann auch bereits die "Rose" und sandte eine gewaltige Schockwelle aus, die, reflektiert durch die anderen Wände im Raum, mehrfach gegen das Kraftfeld brandete, welches zu bersten drohte. Hikari spürte jeden Aufprall am Schild durch ihre Arme und Schultern, mit denen sie das Kraftfeld festhielt. Erst Risse zeigten sich, das Kraftfeld würde nicht mehr lange halten. Aber weiter stemmte sich die junge Japanerin dagegen, versuchte so, die Explosion einzudämmen. Und mit einem Mal verschwand der Druck. Der Moment, der ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen war, war vorbei, das Kraftfeld hatte gerade so gehalten und brach nun, nachdem die Gefahr vorüber war, leise zusammen.

Der Clubraum war verwüstet, nichts befand sich mehr dort, wo es eben noch gewesen war, und alle Spuren und Beweismittel, die noch nicht abtransportiert gewesen waren - was zum Glück nicht sehr viele waren - existierten nicht mehr.

Eine perfide Falle, die aber glücklicherweise so spät ausgelöst worden war, dass kein ernsthafter Schaden dadurch angerichtet werden konnte. Und Hikaris Eingreifen hatte verhindert, dass Unschuldige dabei zu Schaden kamen, denn die Druckwelle hätte die beiden Polizisten mit Sicherheit schwer verletzt. Von ihr selbst und Esther, vielleicht auch Manuel ganz zu schweigen. Das war den Muskelkater, den sie vermutlich in Armen und Schultern davon tragen würde, mit Sicherheit wert gewesen.

Auch ein Glück war es, dass die Medien und Schaulustigen bereits verschwunden waren und so die Explosion erheblich weniger Aufmerksamkeit bekam als es zu einem früheren Zeitpunkt der Fall gewesen wäre. Dennoch forderte Esther ein Team an, dass die Szenerie absperren sollte. Wer konnte schon sagen, ob nicht noch mehr Fallen lauerten?

Der Brite

Nachdem das schnell eingetroffene Notfallteam fertig instruiert worden war, fiel Esther und Manuel ein Mann auf, der übertrieben lässig an einer britischen Luxuslimousine lehnte. Esthers Eindruck von der Körperhaltung des Mannes war, dass er sie geradezu dazu einlud, sich mit ihm zu unterhalten. Manuel erkannte in ihm den Mann, der in den unsichtbaren Wagen gestiegen war. Also gingen die Hogo Kyodai zu dem Wagen und begannen ein Gespräch.

Der Mann, der sich nicht mit Namen vorstellen wollte, bat die drei in seinen Wagen hinein, damit das Gespräch nicht an die falschen Ohren gelangen würde. Nach kurzem Zögern willigten sie ein und stiegen ein. Kurz darauf setzte sich der Wagen in Bewegung und ihr Gastgeber ordnete bei seinem Fahrer den "Tarnmodus" an, woraufhin der Wagen ein weiteres Mal unsichtbar wurde.

Das Gespräch, das im Inneren des Wagens stattfand, war für die Hogo Kyodai äußerst verwirrend. Der Mann wusste offenbar eine gewaltige Menge sowohl über sie als auch über die Missionen der Vergangenheit. Das ging sogar so weit, dass er ein Detail aus Esthers Vergangenheit kannte, das sie selbst bereits vergessen hatte. Auch wusste er von den anderen, parallelen, Welten und davon, dass Kenshin und Yumi Kara nun in diesen seien.

Er behauptete, dass alle fünf derzeitigen und ehemaligen Mitglieder der Hogo Kyodai ein großes Schicksal hatten, weshalb sie schon seit ihrer frühesten Kindheit - weit vor dem N-Day oder ihrer eigenen Eruption - von verschiedenen Fraktionen beobachtet und teilweise gelenkt worden waren.

Den derzeitigen Konflikt in der Unterwelt erklärte er damit, dass Kuroi Kiri die Seiten gewechselt hatte. Als Grund dafür nannte er die Mission des Teams, die zum Abbruch des Senchineru-Projektes geführt hatte. Der finanzielle und gesellschaftliche Verlust für Kuro-Tek war so groß gewesen, dass diese dadurch angreifbar wurden, was Kuroi Kiri offenbar nutzen wollte.

Das Auftauchen der Russen nannte er einen echten Zufall. Auf eine entsprechende Nachfrage, was er mit dem Mite angestellt habe, behauptete er, dass die Organisation, für die er arbeitete, es vernichtet hätte. Dies könne den Hogo Kyodai ja nur recht sein, da sie kaum wollen konnten, dass eine Droge, die aus den Hirnsäften von Nova hergestellt wurde, weiter im Umlauf war.

Manuel nutzte die Zeit des Gespräches, um sich im Wagen ein wenig umzusehen. Der Mann, der ihnen gegenüber saß, war kein Nova, das war schnell klar. Aber er verfügte über eine große Anzahl von Gadgets und Geräten, die in der kurzen Zeit nicht von Manuel analysiert werden konnte. Wer auch immer er war, er hatte mächtige und fähige Verbündete. Auch Esther versuchte, mit ihren Mitteln mehr herauszufinden. Aber ihr Gastgeber war gegen das Lesen von Gedanken geschützt, ja er erkannte sogar, dass Esther eben das gerade versucht hatte. Und beim Fahrer hatte sie auch kein Glück, denn der war offenbar ein Roboter.

Während des ganzen Gesprächs wurde klar, dass der Mann zwar wirklich erstaunlich viel wusste, aber ein manches Mal auch Details nicht kannte. So wusste er nicht, dass Hikari und Manuel beide in unregelmäßigem Kontakt zu Divis Mal standen und diesem zumindest nicht völlig feindlich gegenüber standen. Nur so ließ sich erklären, dass er es für absolut selbstverständlich hielt, dass die Person von Divis Mal ein gemeinsamer Feind sei, gegen den vorzugehen er die Hogo Kyodai offenbar instrumentalisieren wollte. Da er aber weder offenbaren wollte, wer er war, noch für wen er eigentlich arbeitete wuchs das Misstrauen gegen ihn noch weiter, so dass das Gespräch irgendwann recht ergebnislos beendet wurde. Immerhin konnten aber einige Informationen daraus gewonnen werden, die überprüfenswert waren.

Die letzte Aussage, die der Brite noch tätigte, war sein eigener Name: Donnahue nannte er sich.


Die Motorräder

Nachdem Donnahue die Gefährten wieder vor dem Club abgesetzt hatte, überlegten die Gefährten, welche weiteren Spuren es denn noch gab, die sie verfolgen konnten. Dabei fiel ihnen auf, dass laut der Vision von Esther die erste Gruppe der Yakuza zwar mit 20 Personen angerückt war, von diesen aber nur eine Hand voll den Club betreten hatten. Eigentlich hätte es also vor der Tür ein Gefecht zwischen den restlichen und den Russen geben müssen, aber davon waren keine Spuren zu finden. Wo waren also die fehlenden Yakuza?

Auffinden

Leider zeigte Esthers Vision nicht genau, wo die Motorräder der Bande abgestellt worden waren, denn vielleicht fanden sich dort weitere Informationen. Also suchte Manuel in der Gegend nach Kameras und fand in der Tat einige Verkehrskameras sowie Kameras an Geldautomaten. Mit der Sicherheitsfreigabe von Esther war es auch kein Problem, an die entsprechenden Bilder zu kommen und so dauerte es nicht lange, bis der Ort gefunden worden war, an dem die Motorräder vermutlich standen. Denn alles, was die Kameras zeigten war, wie diese auf ein brachliegendes Fabrikgelände abbogen. Da sie nicht wieder herauskamen und es nur diesen einen Ausgang gab, stand zu vermuten, dass sie noch immer dort sein mussten.

Die Gefährten machten sich also auf den Weg, in der Hoffnung, dass die Motorräder weitere relevante Informationen liefern konnten.

Weitere Leichen

Was sie vor Ort dann fanden, schockierte sie zum zweiten Mal in dieser Nacht. Denn nicht nur die Motorräder fanden sich auf dem Innenhof des Geländes, sondern auch die fehlenden Yakuza. Gestorben waren sie alle offensichtlich durch Klingenwaffen und die ganze Szenerie machte klar, dass es einen Kampf gegeben hatte. Die Motorräder und Leichen lagen Wild durcheinander und die Yakuza hatten größtenteils Waffen in ihren Händen, auch wenn diese Hände nicht immer mit ihrem Körper verbunden waren.

Von einem Angreifer fehlte jede Spur. Wer auch immer hier die zweite Partei in dem Kampf gewesen war, hatte entweder keine Verluste erlitten, oder aber alle Verwundeten und Gefallenen der eigenen Seite bereits entfernt.

Der grüne Ronin

Wie sich schnell herausstellte, war ersteres der Fall. Denn es gab nur einen Angreifer: Den grünen Ronin. Dieser war auch noch immer vor Ort und machte sich den Gefährten gegenüber bald bemerkbar. Auf einem der Hallendächer stehend, mit theatralisch wehendem Umhang, sprach er die Hogo Kyodai an. Schon nach kurzer Zeit stellten Esther und Manuel fest, dass der Mann nicht etwa ein Unbekannter war, sondern ein alter "Freund": Burei, den sie zuletzt im Umfeld des Anschlages auf das Atomkraftwerk gesehen hatten. Manuel stellte fest, dass seine Fähigkeiten seitdem enorm gewachsen waren. Geistes- und Emotionskontrolle mit Flächenwirkung, übernatürliche Beweglichkeit, Stärke und Widerstandsfähigkeit. Und dazu noch die unglaubliche Technologie in seiner Rüstung. Auch stellten sie fest, dass seine Arroganz proportional mit seinen Kräften gewachsen war.

In dem Gespräch offenbarte Burei seine große Abneigung gegen alles, was nicht japanisch war. Eigentlich wollte Manuel ihn darauf hinweisen, dass seine Handlungen im Kampf gegen die Yakuza aber dazu führten, das ein Machtvakuum entstand, dass die Ausländer dann nutzen würden, aber Burei schaffte es geschickt, den Filipino so sehr zu provozieren, dass dieser kurz davor stand, ihn anzugreifen und nicht mehr zu einer ernsthaften Diskussion in der Lage war. Seine Mutter, seine (selbst empfundene) geistige Überlegenheit, die Tatsache, dass er kein Japaner war. Burei wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste, um Manuel wütend zu machen. Und nur das Wissen, dass es sich um einen Hinterhalt handeln musste, sorgte dafür, dass Manuel nicht wirklich angriff.

Irgendwann kam das Gespräch dabei auf den Lehrer von Burei zu sprechen. Esther vermutete erst, dass Okura No Oni gemeint war, aber auf entsprechende Nachfrage wurde dies verneint.

Der schwarze Nebel

Als Hikari dann nachhakte, welcher Lehrer denn dann gemeint wäre, erklang von hinter den Hogo Kyodai eine weitere vertraute Stimme mit dem Wort "Ich!". Kuroi Kiri hatte die Szenerie betreten.

Sofort gingen die Gefährten endgültig in Alarmstellung. Ihnen allen war klar, dass ein Kampf keinen Sinn ergab. Gegen einen von beiden hätten sie vielleicht bestehen können, aber gegen beide hatten sie keine Chance. Also öffnete Esther ein Portal zur Festung. Hikari war die erste, die hindurch trat.

Manuel und Esther wollten beide nicht gehen, bevor der jeweils andere in Sicherheit war. Nach einem kurzen Moment griff Manuel dann Esther, und ging mit ihr gemeinsam durch das Portal, so dass beide ihren Wunsch hatten. Niemand war alleine zurückgeblieben.

Flucht zur Festung

An der Festung angekommen schloss Esther das Portal so schnell sie konnte. Doch bevor er sich schloss, traten Burei und Kuroi Kiri noch vor das Portal und verbeugten sich vor den Geflüchteten. Offenbar erwiesen sie ihnen Respekt dafür, in dieser Situation den Rückzug angetreten zu haben.

Die zügig hinzugekommenen Sicherheitskräfte hatten sich mittlerweile daran gewöhnt, dass sie die Hogo Kyodai hier vorfanden und so war der Alarm zügig wieder beendet.

Rest der Nacht

Die Gefährten waren sich einig, dass sie alle für Nippontai relevanten Informationen gefunden hatten, die es in der Kürze der Zeit zu finden gab. Außerdem war es in der Zwischenzeit schon spät geworden, so dass sie sich zurückzogen um zur Ruhe zu kommen. Esther verfasste vor dem Schlafengehen noch einen Bericht für O'Kage, den dieser am nächsten Morgen erhalten sollte.


Hikari ging gleich, ohne sich um zu ziehen zu Hidana, um zu sehen, ob sich irgendeiner Veränderung eingestellt hatte. Wie jeden Tag setzte sie sich neben sein Bett und erzählte ihm von ihren Erlebnissen, während sie seine Hand hielt und streichelte und ihren Kopf an seine Brust legte. Völlig erschöpft schlossen sich ihre Augen und sie schlief ein. Als sie am nächsten Morgen erwachte lag Hidanas Arm um sie. Verwirrt prüfte sie sofort, ob er ansprechbar war. Doch er reagierte nicht. Nur die blauen Lichtimpulse bewegten sich durch seine Adern. Wahrscheinlich hatte eine Schwerster den Arm um Hikari gelegt, weil sie seine Hand im Schlaf fallen gelassen hatte.

Anfrage bei Schatten

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen suchte und fand Manuel den göttlichen Schatten, der gerade mit freiem Oberkörper meditierte. Manuel war zwar nicht entsprechend veranlagt, aber auch er bewunderte den perfekten Körperbau des Japaners. Er verstand, was die Frauen an ihm fanden.

Einige Zeit verging, in der Manuel in Respektvollem Abstand wartete. Dann endlich schien O'Kages Meditation beendet und er sprach Manuel an, was dieser wolle. Dieser kam wie gewohnt direkt zur Sache. Es hatte den Anschein, dass Kuroi Kiri, der Erzfeind O'Kages einen Schüler hatte. Und Manuel erbat sich von O'Kage, bei ihm lernen zu können. O'Kage fragte nach, ob er einen Kampf gegen Kuroi Kiri im Sinne habe, was Manuel verneinte. Er würde, wenn keine anderen Weg gab, diesem Kampf zwar nicht ausweichen, aber er würde ihn auch nicht suchen. Viel mehr war er der Meinung, dass es etwas poetisches und korrektes hatte, wenn zuerst die Schüler gegeneinander antraten, bevor die Meister es ihnen gleich taten. O'Kage schien mit der Erklärung einverstanden zu sein und er befahl Manuel, um 16 Uhr wieder an diesem Ort zu erscheinen - ohne Ausrüstung und ohne Einsatz seiner Novakräfte.

Anerkannte EP: 4
zzgl Wikiarbeit (1)

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