Kapitel 36: Stresslevel über 9000

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Die Hoffnung (01. Dezember 2005)

Die Motoren der Esperanza liefen donnernd an. Natürlich war an Bord das Flächenbombardement und der darauf folgende Kampf nicht unbemerkt geblieben. Und auch wenn die Besatzung sich nicht sicher sein konnte, dass dieser Tumult etwas mit ihnen zu tun hatte, so wollten sie doch den Hafen erst einmal hinter sich lassen. Und das konnten die Hogo Kyodai natürlich nicht zulassen.

Küstenwache

Esther rief bei der Küstenwache an und gab sich als Anführerin eines Hojo Butai Teams zu erkennen. Sie gab deutlich zu verstehen, dass die Esperanza den Hafen unter keinen Umständen verlassen dürfe, da sich potenziell extrem gefährliches Material an Bord befand. Die hörbar überforderte Dame am Telefon bestätigte diese Anweisung und wollte alles entsprechend in die Wege leiten.

Angriff auf das Schiff

Währenddessen machten sich Hikari und Manuel daran, das Schiff direkter an der Abfahrt zu hindern.

Hikari wollte zur Brücke und dort die Besatzung dazu bringen, kein weiteres Interesse am Auslaufen zu haben. Aber sie wurde gesichtet und ein paar Matrosen legten automatische Waffen auf sie an und schossen. Sie wurde nur äußerst knapp verfehlt und musste den Anflug erst einmal abbrechen.

Manuel versuchte, das Schiff ganz direkt anzugreifen. Er schwebte völlig offensichtlich, auch um das Feuer von Hikari abzulenken, auf das Schiff zu. Auch auf ihn wurde geschossen und einige Kugeln trafen ihn auch, richteten aber wenig mehr als ein ein paar leichte Kratzer in seiner metallenen Haut. Dennoch nahm er mittels seiner Kräfte einen der Stahlcontainer und brachte ihn zwischen sich und die Schützen. Diese feuerten weiter, jedoch nun ohne jeden Erfolg.

Als er mit dem Container nah genug am Schiff angekommen war, begann die Schiffsschraube, sich zu drehen und die Esperanza setzte sich in Bewegung. Manuel nahm den Container, mit dem er sich eben noch geschützt hatte, und schleuderte ihn gegen die Schraube, die auch schweren Schaden davontrug. Erst einmal war das Schiff festgesetzt.

An Bord

Aber damit war die Situation noch nicht geklärt. Also rief Esther ihre Kameraden zu sich und öffnete ein Portal auf die Brücke, durch das alle drei traten.

Auf der Brücke

Dort angekommen, sahen sich die drei nur einer einzigen Person gegenüber. Ein Eurasier mittleren Alters, der recht unbeeindruckt schien von dem plötzlichen Auftauchen der drei Nova. Statt wie die meisten Menschen eingeschüchtert zu sein, schien er der Ansicht, die Oberhand zu haben. Er stellte die Forderung, dass die Nova sofort verschwinden sollten, da sie ja nicht wüssten, was sie da taten.

Esther sah keinen Grund dazu, den Worten des Mannes zu folgen und so kam es zu einem Angriff auf ihn. Doch zur Verwunderung der drei Nova gelang es dem Mann nicht nur, den Angriffen von Manuel und Hikari auszuweichen und der mentalen Kontrolle von Esther zu widerstehen, sondern auch, einen Gegenangriff auf Esther durchzuführen. Er setzte eine Klinge an ihren Hals, zog diese dann aber ohne Schaden anzurichten wieder zurück. Es wäre ihm in diesem Moment ein leichtes gewesen, sie zu töten.

Verwirrt ob der Demonstration solcher Fähigkeiten hielten die Kameraden in ihrem Angriff inne und analysierten die Situation erst einmal neu. Manuel sah in der Quantensignatur des Mannes etwas, das er erst einmal zuvor gesehen hatte: Wie der alte Abt im Shaolin-Tempel war die Quantensignatur des Mannes zu sehen als Kiesel an einem feinen Sandstrand. Er war kein Nova, aber sicher auch kein Mensch.

Es entwickelte ein Gespräch, das jedoch stark davon geprägt war, dass der unbekannte Mann sich für so sehr überlegen hielt, dass er es nicht für nötig befand, Informationen zu geben. Statt dessen stellte er weiter die Forderung, dass das Schiff auslaufen müsse, da sonst eine große Gefahr bestünde. Und sowohl Hikari als auch Esther glaubten ihm das sogar. Dennoch, ohne weitere Informationen konnte der Bitte nicht nachgegeben werden.

Esther, die während des gesamten Gespräches schon starke Anzeichen von Stress und Überreizung gezeigt hatte, wurde zusehends ungehaltener. Sie keifte den Mann wiederholt an und befahl schlussendlich Manuel, diesen noch einmal anzugreifen. Sie wollte ihn auf jeden Fall festsetzen und wollte nicht länger seinen unverschämten Worten lauschen. Manuel war zwar überrascht von den harten Worten seiner Kommandantin, aber er hatte sich bereits einen Plan überlegt, wie er gegen diesen Mann vorgehen konnte, und war neugierig, ob dieser Erfolg haben würde. Also kam er dem Befehl nach.

Der Mann selbst war zu schnell und zu geschickt, als dass Manuel einen weiteren offenen Kampf mit ihm riskieren wollte. Aber ein indirekter Angriff konnte Erfolg haben. Also konzentrierte er sich kurz und mit einem Mal veränderte sich die an sich lockere und bewegliche Kleidung des Eurasiers in starren Stahl. Der Mann erstarrte in seiner Bewegung und sein Kopf ruckte herum, aber da führte Manuel bereits Teil zwei seines Planes aus. Mit einer Handbewegung hob er die metallene Kleidung mit samt dessen Besitzer in die Luft. Keine Bewegungsfreiheit und keine Möglichkeit, seine eigene Kraft effektiv einzusetzen. Ohne wirkliche Novakräfte hatte der Mann keine Chance, etwas zu tun. Er war der Gnade der Nova ausgeliefert.

Doch auch nach der Veränderung des Machtgefüges blieb er bei seiner Aussage. Wenn die Esperanza nicht bald auslaufen würde, drohte ganz Edo große Gefahr.

Das Erwachen

Mit einem Mal ging ein heftiges Beben durch das Schiff. Der Mann sagte, dass "es" erwacht sei und die Zeit nun immer knapper werde.

Auf Nachfragen, was "es" sei, erzählte er, dass im Rumpf des Schiffes ein Seeungeheuer war, das den Namen "Leviathan" trug. Manuel sah auf Quantenebene nach und entdeckte einen Gestaltwandler mit unglaublichen Machtpotenzial. Sollte dieses Wesen hier erwachen, würde es in etwa aussehen wie in den alten Godzilla-Filmen.

Schwere Entscheidung

Die Gefährten berieten sich kurz, wussten nicht so recht, was sie tun sollten. Konnten sie diesem Mann glauben? Konnten sie es riskieren, dass er recht hatte?

Am Ende obsiegte der Schutz dem Menschen in Edo und es wurde entschieden, die Esperanza ziehen zu lassen. Der Mann sagte, dass mit etwas Glück, von dem er gewöhnlich sehr viel hatte, zumindest noch eine Hilfsschraube intakt war und damit das Schiff bewegbar blieb. Und tatsächlich war es auch so. Langsam aber sicher setzte sich das Schiff in Bewegung und fuhr in Richtung des Hafentores - direkt auf die Schiffe der Küstenwache zu, die dort Position bezogen hatten.

Esther schnitt sich noch unbemerkt ihren Peilsender aus dem Unterarm und versteckte ihn auf der Brücke und dann verließen die Hogo Kyodai die Esperanza.

Entwarnung

Nach Verlassen des Schiffes rief Esther sogleich bei der Küstenwache an, um ihren vorherigen Befehl zu revidieren. Die Dame an der Hotline war noch immer vollkommen überfordert, wollte aber auch diese Anweisung weitervermitteln.

Bis der neue Befehl aber bei den Schiffen ankam, konnte es vielleicht zu spät sein, denn soeben waren die ersten Warnschüsse abgefeuert worden. Hikari, schon fast am Ende ihrer Kräfte angelangt, wechselte in ihre winzige Fluggestalt und flog zu einem der beiden Schiffe. Dort sorgte sie dafür, dass zumindest die Leute dort kein Interesse mehr daran hatten, auf irgend jemanden zu feuern. Doch als sie den Rückweg antreten wollte, merkte sie, wie ihre Energie zur Neige ging. In menschlicher Gestalt sank sie auf dem Dach des Schiffes zu Boden und bat Manuel, sie abzuholen.

Da aber noch das zweite Schiff da war, öffnete Esther statt dessen ein Portal und überzeugte die anwesenden Soldaten davon, dass es neue Befehle gab und das Feuer einzustellen sei. Die Esperanza musste unbehelligt auslaufen.

Kurz überlegte Esther, ob sie die ganze Episode nicht aus dem Gedächtnis der Soldaten löschen sollte, aber durch ihre Anrufe gab es ohnehin Aufzeichnungen ihrer Involvierung. Also brachte es auch nichts, hier Spuren zu verwischen. Sie würde am nächsten Tag einiges erklären müssen.

Völlig erschöpft und machten sie die Gefährten dann auf, zurück in die Festung.

Auf der Festung (01.-02. Dezember 2005)

In der Nacht

Körperlich und geistig Völlig erschöpft von den Geschehnissen kamen die Hojo Butai auf der Festung in den Wolken an.

Manuel

Manuel verfasste noch in der Nacht zwei Berichte. Einen über die Geschehnisse des letzten Tages, den er wie immer an Esther weiterleitete, damit diese ihn ihren offiziellen Bericht beilegen konnte. Der zweite Bericht jedoch war delikater. Er beschrieb Esthers Verhalten am vergangenen Abend, sowie die Diagnose, dass die Teamleiterin deutliche Symptome von Überarbeitung und Stress zeigte.

Diesen zweiten Bericht schickte Manuel direkt an O'Kage. Zum einen, da dieser Esthers Mentor gewesen war, zum anderen, weil er ihr auch emotional am nächsten stand und sicher wissen würde, was man tun könnte.

Den Rest der Nacht kümmerte sich Manuel um Belange seiner Firma.

Esther

Auch Esther verfasste ihren Bericht über den Abend und leitete diesen an O'Kage, damit dieser ihn lesen konnte, bevor sie sich am Morgen mit ihm unterhalten wollte.

Danach begab sie sich zur Ruhe.

Hikari

Die junge Japanerin war mit ihren Kräften noch mehr am Ende als ihre beiden Kollegen, und so begab sie sich, mit einem kurzen Umweg über Hidanas Krankenzimmer, direkt ins Bett.

Bericht an O'Kage

Das erste Gespräch, das Esther am frühen Morgen hatte, war das mit O'Kage. Dieser weckte sie überraschend mit einigen Küssen. Nach einiger Zeit der Zweisamkeit entbrannte dann ein Gespräch, bei dem es auch um die Erlebnisse des vorigen Abends ging. O'Kage war über die Entwicklungen alles andere als glücklich, aber er merkte auch, dass mit Esther nicht alles in Ordnung war. Als er dies ansprach, führte es zu einem vorwurfsvollen Monolog Esthers, in dem sie zugab, sehr unter Stress zu stehen und jemanden brauchen würde, der ihr Halt gab. Sie wusste, dass O'Kages erste Pflicht immer Japan sein würde und nicht sie selbst, und zum jetzigen Zeitpunkt war das auch OK für sie. Gleichwohl gab sie aber auch zu verstehen, dass wahrscheinlich irgendwann der Moment kommen würde, an dem es ihr nicht mehr reichen würde, an zweiter Stelle zu stehen. Und in diesem Moment würde sie ihn verlassen müssen.

O'Kage nahm diese Äußerung wortlos entgegen. Sie beide wussten, dass Esther recht hatte, aber es gab nichts, was sie dagegen hätten tun können.

Berichte in den Medien

Als die Gefährten beim Frühstück wieder beisammen saßen, mussten sie überrascht feststellen, dass in den Medien zwar durchaus vom Tumult des vergangenen Hafens berichtet wurde, jedoch jeglicher Hinweis auf die tatsächlichen Ereignisse fehlte. Es wurde lediglich gemeldet, dass ein Gasleck zu einer Explosion geführt habe, bei der aber niemand zu Schaden gekommen sei.

Wer auch immer hier seine Finger im Spiel hatte, hatte ganze Arbeit geleistet. Nicht einmal die übliche Gerüchteküche des OpNet hatte den Vorfall ernsthaft wahrgenommen.

Manuels Verrat

Nach dem Frühstück zeigte sich, dass Manuels Bericht aus der Nacht nicht ohne Folgen bleiben würde. Denn Naginata erschien im Konferenzraum und ließ sich zuerst einen Bericht über den Abend geben. Im Gegensatz zu den Hogo Kyodai kannte sie den Namen Leviathan und war schockiert, als sie erfuhr, dass dieser sich im Hafen von Edo befunden haben sollte.

Nachdem sie den Bericht erhalten hatte, richtete Naginata eine "Einladung" an Esther aus, Miko doch einmal in ihrem Schrein zu besuchen. Esther war davon völlig überrascht, sah aber schnell die Schuld, die sich nur allzu deutlich in Manuels Gesicht wiederspiegelte. Sie wartete, bis Naginata den Raum verlassen hatte und sprach den jungen Mann dann darauf an. Dieser rechtfertigte sich damit, dass Esther am gestrigen Abend so gestresst wie noch nie gewesen war und ihre Entscheidungen kurz davor gestanden hätten, einen schwerwiegenden Zwischenfall auszulösen und dass er ihrem Urteil in diesem Moment einfach nicht mehr vertrauen konnte. Esther gefiel zwar nicht, was sie zu hören bekam, aber das Kind war bereits in den Brunnen gefallen und die "Einladung" konnte sie nicht ausschlagen. Und so begab sie sich, sichtlich aufgebracht, zum Schrein.

Besuch bei Miko

Der Besuch bei Miko war ebenso kurz wie erfolglos. Esther war einfach nicht in der geistigen Verfassung, mit den sanften und bedächtigen Worten der jungen Japanerin wirklich etwas anfangen zu können. Und so endete dsa Treffen schon nach kurzer Zeit wieder, ohne dass Esthers Stimmung oder Verfassung sich merklich verbessert hätte.

Hidana erwacht

Währenddessen begab sich Hikari wieder einmal in den Krankentrakt, um Hidana zu erzählen, was alles vorgefallen war. Und zuerst erschien auch alles wie immer zu sein. Hidana lag regungslos im Bett, während Hikari erzählte.

Doch als Hikari an die Stelle der Erzählung kam, an der sie selbst, fast schon am Ende ihrer Kräfte, auf das Meer hinausflog, setzte der Beschützerinstinkt von Hidana ein. Sein Unterbewusstsein hatte gehört, was passiert war und er wollte seine geliebte Hikari nicht alleine in diese Gefahr fliegen lassen. Und die einzige Möglichkeit, ihr zu helfen, war, selbst dort zu sein. Hier, in dieser Welt. Oder vielleicht war es auch einfach nur Zufall gewesen, dass er just in diesem Moment geistig wieder vollständig in dieser Realität angekommen war.

Auf jeden Fall schlug er die Augen auf und versuchte, Hikari zu umarmen. Seine Muskeln waren jedoch seit Wochen nicht benutzt worden, so dass er es zwar schaffte, sie aufzurichten, aber statt aufzustehen, fiel er nur aus dem Bett.

Schnell eilten Schwestern und Ärzte herbei, untersuchten Hidana. Aber körperlich war ja bereits vorher alles in Ordnung gewesen und so konnten sie auch nun keine weiteren Diagnosen stellen. Wohl aber konnten sie Infusionen mit Nährstoffen legen. Hikari hatte während der Untersuchung Essen besorgt und versorgte Hidana auf diesem Wege ebenfalls.

Kurz darauf entließ Hidana sich selbst aus der Krankenstation. Das gefiel den Ärzten zwar nicht, aber da es ihm körperlich gut ging, konnten sie wenig dagegen tun. Seine Muskeln jedoch waren weiterhin so schwach, dass er einen Rollstuhl brauchte, der von Hikari aus dem Raum geschoben wurde. Sie brachte ihn in sein Quartier, wo die beiden erst einmal genossen, dass sie endlich wieder beisammen sein konnten.

Danach berichtete Hikari Hidana von den Erlebnissen der letzten Wochen. Der Punkt, der dabei am heikelsten war, war der Bericht über Manuels Untersuchung ihrer Fruchtbarkeit, der Hidana mehr als einmal wütend auf den jungen Filipino werden ließ. Dennoch verkannte er die Bedeutung des Berichtes nicht: Hikari war in der Lage, Kinder zu bekommen. Und irgendwann würde sie das auch wollen!

Untersuchung des Bolzens

Manuel

Manuel nahm sich unterdessen den Bolzen vor, der in der Lage gewesen war, Okura No Oni so schwer zu verletzen. Dieser bestand aus einem Verbundwerkstoff, der definitiv maschinell hergestellt worden war. Aber es war ein Werkstoff, der Manuel völlig unbekannt war und Eigenschaften aufwies, die dem aktuellen Stand der Technik um einiges voraus waren.

Was der Bolzen jedoch nicht besaß, waren irgendwelche Eigenschaften, die erklärt hätten, wie er die bis dato undurchdringliche Verteidigung Okura No Onis einfach ignorieren konnte. Das einzige, was Manuel bei genauerer Betrachtung fand, waren Restspuren eines elektromagnetischen Feldes, mit dem der Bolzen in Berührung gekommen war.

Esther

Mit den entsprechenden Erkenntnissen - beziehungsweise eher dem Fehlen dieser - begab sich Manuel zu Esther und übergab ihr den Bolzen zur weiteren Untersuchung. Vielleicht konnte sie mit einem Blick in die Vergangenheit mehr relevante Details zu Tage fördern.

Esther versuchte auch genau das und verfolgte den Weg zurück bis zur Herstellung.

Hergestellt wurde der Bolzen von Amalgamated Business Interests, einer Firma, die sich, allen Nachforschungen zur Folge, mit dem Abbau und der Verwertung von Erzen vor allem in Südamerika und Afrika beschäftigte. Die Herstellung war tatsächlich maschinell erfolgt und der Bolzen nicht der einzige seiner Art. Nach Japan war er in einem Koffer gelangt, in dem noch 5 weitere gleichartige Bolzen aufbewahrt wurden. Einen Hinweis darauf, was den Bolzen so effektiv gegen Okura No Oni gemacht hatte, konnte aber auch Esther nicht finden.

Kontaktaufnahme mit Donahue

Dennoch erinnerte die Untersuchung Esther daran, dass es vermutlich nicht gut wäre, Donahue zum Feind zu haben. Und so nutzte sie die Visitenkarte, die sie bei ihrem ersten Zusammentreffen von ihm erhalten hatte und nahm Kontakt zu ihm auf. Donahue schien über den Anruf erfreut zu sein und er lud die Hogo Kyodai für den nächsten Tag zu einem Treffen ein. Als Ort sollte ein Gebäude im Außenbezirk des Kaiserpalastes in Edo City dienen.

Verbleib der Esperanza

Danach forderte Esther von Sanmiittai eine Sattelitenüberwachung der Position ihres Peilsenders an. Sie wollte wissen, wo sich die Esperanza aktuell aufhielt. Doch die Bilder zeigten kein Schiff, sondern lediglich eine unruhige See in der Nähe Indonesiens. Einige Schatten waren unter Wasser zu sehen. Dabei konnte es sich sehr wohl um ein Schiffswrack handeln. War der Leviathan doch noch ausgebrochen und hatte die Esperanza zerstört?

Training

Hikari und Manuel nutzten derweil die Zeit für einen Trainingseinheit. Manuel hatte in der Nacht schon Überlegungen angestellt, wie er sich gegen derart gewandte Personen wie den Mann von der Brücke der Esperanza durchsetzen konnte. Und seine Recherchen hatten die EM-Frequenzen zu Tage gefördert, die er mit einem gezielten Magnetfeld würde übersteuern müssen, um die Signale an die Muskeln eines Zieles zu überlagern und dieses damit bewegungsunfähig zu machen. Diese Theorie wollte er testen und Hikari willigte ein, als Ziel dafür zu fungieren.

Hidana war ebenfalls beim Training anwesend, aber noch nicht in der Verfassung, teilzunehmen. Statt dessen saß er ein einem Rollstuhl am Rand des Trainingsraumes und beobachtete das Geschehen.

Erst, also kurz vor Ende des Trainings Manuels Versuche Erfolg hatten und die heranfliegende Hikari von dem Magnetfeld umfangen wurde und zu Boden stürzte und dort ungebremst aufschlug, stand Hidana ruckartig auf und wollte erbost auf Manuel losgehen. Doch noch bevor er nur einen Schritt gemacht hatte, gaben die Muskeln seiner Beine nach und er fiel vornüber um. Nachdem Manuel das Kraftfeld um Hikari wieder aufgelöst hatte und ihm aufhalf, war der Zorn aber bereits wieder verflogen.

Bei einem Gespräch während des Trainings, bei dem Manuel berichtete, warum er überhaupt diese neue Technik erlernen wollte, berichtete Hidana davon, dass er durchaus bei seinen Einsätzen bereits auf Personen mit ähnlichen Fähigkeiten wie die des Mannes von der Esperanza gestoßen war. Was genau sie waren und wo die Kräfte herkamen wusste er nicht. Wohl aber kannte er den Namen, unter dem diese Leute in den einschlägigen Kreisen bekannt waren: Protomorphs.

Teleaudienz mit dem Drachen

Bevor am Mittag des nächsten Tages das Treffen mit Donahue stattfinden sollte, wollte Esther sich dieses Mal eine Absegnung von Nippontai holen. Nicht zuletzt der Ort des Treffens gab ihr zu Denken. Und so stellte sie eine entsprechende Anfrage und war selbst überrascht, dass Ryu selbst eine Audienz über Video anberaumte.

Als der Zeitpunkt der Konferenz gekommen war, befanden sich alle Hogo Kyodai im Besprechungsraum. Das Videotelefonat zeigte auf der anderen Seite einen Raum, der der Optik nach auf einem Kriegsschiff liegen musste. Ryu selbst trug seine übliche Uniform und wirkte wenig erfreut. Er ließ sich berichten, was vorgefallen war. Der Bericht stimmte ihn nicht gerade positiver und er befahl, dass beim nächsten Gespräch darüber mehr Informationen über den Bolzen zur Verfügung stehen sollten. Auch gab er zu verstehen, dass er keine Ahnung habe, was für eine Fraktion Donahue repräsentierte. Wohl aber glaubte er kaum, dass das Treffen mit ihm positiv enden würde und er sprach Hikari und ihre Familie prophylaktisch von jeder Schuld und Unehre frei, was das Versagen des Teams zu dieser Gelegenheit anging.

Am Kaiserpalast (03. Dezember 2005)

Das Treffen mit Donahue war für 11 Uhr angesetzt. Der Winter hielt immer deutlicher Einzug und die Landschaft war mit einem dünnen Flaum aus Neuschnee überzogen.

Anreise

Da Esther noch nie vor Ort gewesen war und auch keinen unnötigen Tumult durch das plötzliche Auftauchen eines Portals erzeugen wollte, nutzten die Gefährten Manuels Hovercar. Während des Fluges von der Festung nach Edo inspizierte Esther die gut bestückte Bar und instruierte ihre beiden Teamkameraden, sie deutlich darauf hinzuweisen, wenn ihr Verhalten wieder wie am Hafen auffällig von Stress geprägt sein sollte. Sie hatte mittlerweile sehr wohl eingestanden, dass der Stress ihr zusetzte, aber das Treffen war zu wichtig, um es zu verschieben.

Das Hovercar landete vor dem Palast und erzeugte durchaus auch Aufsehen - immerhin gab es bisher nur eine Handvoll dieser Fahrzeuge in Edo - aber weit weniger und vor allem weniger von Seiten der Wachen als es ein Portal getan hätte.

Über die Brücke betraten die Gefährten das Gelände des Palastes und orientierten sich. Der Weg zu den von Donahue gelieferten Koordinaten war nicht weit und schon bald standen sie vor einem Gebäude, in dem laut Aufschrift verschiedene Unternehmen ansässig waren. Zur Sicherheit überprüfte Manuel, ob sich noch weitere Novasignaturen in der Umgebung finden ließen. Und zu seiner Überraschung entdeckte er eine, mit der er nicht gerechnet hatte: Naginata befand sich tiefer in der Anlage, vermutlich im Palast des Kaisers selbst. War sie dort, um sicherzustellen, dass bei dem Treffen nichts schief ging, was den Kaiser gefährden könnte? Oder hatte ihre Anwesenheit andere Gründe, die überhaupt nichts mit den Hogo Kyodai zu tun hatten? Eine Frage, deren Beantwortung für den Moment ebenso unmöglich wie belanglos war.

Gespräch mit Donahue

Die Hogo Kyodai betraten das Gebäude und wurden sofort von einer Empfangsdame begrüßt, die fragte, wen sie zu sprechen wünschten. Sie nannten den Namen und wurden erst einmal gebeten, Platz zu nehmen und zu warten. Während der Wartezeit studierten die Gefährten die ausliegenden Broschüren und informierten sich so ein wenig über die hier ansässigen Firmen. Viele von ihnen waren im handwerklichen Bereich tätig und dort hauptsächlich der Restauration und Instandhaltung des kaiserlichen Palastes.

Namen und Symbole

Nach wenigen Minuten des Wartens erschien dann Donahue aus einer der Glastüren an der Seite des Foyers. Er trug einen Kimono im klassischen japanischen Stil. Für menschliche Augen kaum wahrnehmbar fanden sich auf diesem Kimono feinste Stickereien, die die kaiserliche Chrysantheme zeigten. Ein Zeichen, das niemand in Japan tragen würde, ohne eine gute Begründung dafür zu haben.

Donahue begrüßte Hogo Kyodai und bat sie, ihm zu folgen. Dann öffnete er die Glastür, aus der er eben gekommen war, mit einer Sicherheitskarte. Auf dieser stand auch zum ersten Mal ein vollständiger Name von ihm: Zebediah Donahue. Der Trakt, in den die Tür führte, gehörte zur Firma Rekishi Daikuza Inc. (grob übersetzt: Historical Carpenters)

Die Gefährten wurden zu einem Besprechungsraum geführt, in dem bereits einige Erfrischungen auf dem länglichen Tisch standen und Donahue bat sie, Platz zu nehmen. An den Plätzen standen keine Namensschilder und die Positionierung der Gefährten blieb ihnen so selbst überlassen. Esther entschied sich, an einer der Längsseiten Platz zu nehmen. Hikari setzte sich auf ihre rechte Seite, Manuel auf die Linke. Donahue setzte sich danach an die gegenüberliegende Längsseite des Tisches. Ein vielversprechender Start, denn keine der beiden Seiten hatte an den demonstrativeren Schmalseiten Platz genommen, um so eine Machtposition einzufordern und die Distanz zur Gegenseite maximal zu halten.

Beobachtung

Vor Beginn des Gespräches wollte Manuel wissen, ob das Gesagte aufgezeichnet werden würde - etwas, was Donahue dem Team untersagt hatte. Also streckte er seine Sinne aus um nach Magnetfeldern zu suchen, die auf Mikrofone hindeuteten. Und tatsächlich fand er derer zwei. Oder besser gesagt zwei, die nicht ohnehin offensichtlich waren, denn es gab durchaus einige Geräte im Raum, die zur Aufzeichnung oder Übertragung geeignet waren, die aber allesamt ausgeschaltet waren. Die beiden verborgenen Geräte hingegen schienen zu laufen. Eines davon befand sich unter dem Konferenztisch, das andere zur Manuels großer Verwunderung in der Luft schwebend hinter ihnen.

Zuerst ging er von einer Drohne aus, die mittels der Tarnfeldtechnologie, die sie schon bei Donahues Auto gesehen hatten, unsichtbar gemacht worden war. Aber eine kurze Überprüfung des Quantenraumes zeigte eine andere Ursache: Hinter ihnen stand ein unsichtbarer Nova, dessen Aura Manuel noch nicht kannte. Neben der Fähigkeit, Unsichtbar zu werden, zählten gesteigerte körperliche Fähigkeiten zu den Quantenkräften der Person.

Die gewonnenen Erkenntnisse gab Manuel an Esther weiter, die dann jedoch entschied, erst einmal nicht weiter auf diese zu reagieren.

Esther und Hikari beobachteten währenddessen die Körpersprache Donahues. Er zeigte sich fast völlig frei von Angst, und das obwohl er sich drei Nova gegenüber fand, die ihn vermutlich binnen Sekunden hätten auslöschen können. Wie konnte er sich so sicher sein? Hatte er einen Trick in der Hinterhand oder war er einfach nur sicher, dass sie nicht angreifen würden?

Das Spiel

Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln entbrannte ein Gespräche, in dem Donahue zugab, die Reaktion der Hogo Kyodai am Hafen falsch eingeschätzt zu haben. Seine Fraktion, über die er immer noch keine näheren Informationen preisgeben konnte oder wollte, hatte nicht mit einem Eingreifen von dieser Seite gerechnet, sondern war davon ausgegangen, dass sie sich vor dem Raketenangriff in Sicherheit bringen würden und damit nicht mehr Teil des Situation gewesen wären. Aber er verstand auch die Erklärung Hikaris, dass sie sich in dem Moment, wo sie Okura No Oni geholfen hatte, nicht bewusst für eine Seite entschieden hatte, sondern einfach nur ihrem innersten Wesen nachgekommen war. Entsprechend war er damit einverstanden, den Vorfall erst einmal zu vergessen und keine Konsequenzen irgend einer Art daraus zu ziehen.

Des weitere eröffnete er im Gespräch eine Art "Spiel", wo Informationen stets gegen Informationen getauscht wurden. Er hatte Fragen, die Hogo Kyodai hatten Fragen, und so sollte sichergestellt werden, dass beide Seiten bekamen, was sie wollten, ohne dass eine Partei dabei übervorteilt wurde.

Im Verlaufe des Gesprächs gaben die Hogo Kyodai vor allem Informationen preis über Kuroi Kiri. Sowohl was dessen Involvierung in den momentanen Konflikt im Untergrund anging, als einige Details darüber, dass es nicht mehr der "echte" Kuroi Kiri war, sondern eine Version aus einer anderen Welt. Hierbei bestätigte sich, dass Donahue bereits entsprechende Theorien gehabt hatte, aber nach seinen Aussagen waren es bisher eben nur Theorien ohne stichhaltige Beweise gewesen. Er war entsprechend fasziniert von den Erzählungen, so dass es den Hogo Kyodai gelang, diese Informationen Stück für Stück gegen für sie wertvolles Wissen einzutauschen.

So erfuhren sie, dass die Fraktion Donahues durchaus Nova in ihren Reihen hatte. Zum einen wurden die Seher ein weiteres Mal genannt. Diese waren auch die Gründer der Organisation gewesen und lenkten deren Geschicke, da sie sahen, wie die Welt sich entwickeln würde, und versuchten, das bestmögliche Ergebnis dieser Entwicklung zu forcieren. Wiederholt klang dabei an, dass es sich hierbei jedoch um das bestmögliche Ergebnis für Menschen handelte, nicht zwangsläufig für Nova. Ein anderer Nova, der in den Diensten dieser Organisation stand, wurde als Verantwortlich für den durchschlagenden Erfolg des Bolzens gegen Okura No Oni bezeichnet.

Auch zur Obsidianen Schlange wurden Fragen gestellt und so erfuhren die Hogo Kyodai, dass Donahues Leute sich nicht sicher waren, ob Kuro-Tek wirklich ein eigenständiger Kopf gewesen war, oder nur eine Front für einen Kopf, der noch immer existierte. Weitere Köpfe, die Donahue bekannt waren, oder deren Existenz zumindest von ihm vermutet wurde, waren die Yakuza, das Militär sowie die Regierung Japans, die er als "unterwandert" bezeichnete.

Eine Frage, die Doanhue im Verlauf des Gespräches stellte, war, ob die Verhinderung des Baus der Senchineru vielleicht sogar das Ziel von Kuroi Kiri gewesen sein könnte. Und so unangenehm der Gedanke den Hogo Kyodai auch war, so wenig konnten sie verleugnen, dass es durchaus Sinn ergeben würde. Denn aus seiner Welt kannte Kuroi Kiri die Senchineru als mächtige Waffe gegen die Nova. Und auch war er es gewesen, der mit dem Einsatz des Manipulationsgerätes am Werk von Kuro-Tek überhaupt erst den Gedanken in die Köpfe der Hogo Kyodai eingepflanzt hatte, der schlussendlich zu dem Plan führte, den sie dann genutzt hatten, um das Projekt zu stoppen.

Seitenwahl?

Nachdem die zu tauschenden Informationen langsam weniger wurden und die Fragen in Bereiche vordrangen, wo keine der beiden Parteien gewillt war, Informationen preis zu geben, wandte das Gespräch sich in eine andere Richtung. Donahue bat dem Team eine Kooperation an. Er wollte weitere Informationen liefern, und im Gegenzug sollten die Hogo Kyodai ihm helfen, Okura No Oni zur Strecke zu bringen.

Wäre Esther alleine gewesen, so hätte sie ohne großes Zögern zugestimmt, aber insbesondere Manuel schien anderer Ansicht zu sein. Es wurde eine kurze aber heftige mentale Diskussion geführt. Und auch wenn Esther nicht verstehen konnte, warum Manuel auf seiner Position verharrte, so musste sie doch für den Moment das Angebot ablehnen.

Direktive 23/6

Nach dieser Ablehnung neigte sich das Gespräch rapide dem Ende zu. Doch bevor er seine Gäste gehen ließ, holte Donehue noch ein kaiserliches Siegel hervor und teilte ihnen mit, dass er ihnen gemäß Direktive 23/6 untersagte, mit irgend jemandem über das soeben beendete Gespräch zu sprechen. Dies schloss explizit auch ihre Vorgesetzten bei Nippontai mit ein, denn diese sollten von der Existenz von Donahues Fraktion möglichst nichts wissen. Diese Aussage verwunderte die Hogo Kyodai zutiefst, aber für den Moment blieb ihnen nichts weiter übrig, als sie so hinzunehmen.

Zum Abschied verneigten sich die Hogo Kyodai dann noch einmal vor Donahue. Und bevor er den Raum verließ, verneigte sich Manuel auch noch einmal vor dem unsichtbaren Nova, der die ganze Zeit über anwesend gewesen war, was sowohl bei Esther als auch bei Donahue zu Stirnrunzeln führte.

Im Restaurant

Da das Treffen mit Donahue gezeigt hatte, dass es offensichtlich Gesprächsbedarf innerhalb des Team gab, führte der Weg der Gefährten nach diesem Treffen nicht direkt zurück zur Festung in den Wolken, sondern erst einmal in das Restaurant, in dem Hikari ihren Geburtstag gefeiert hatte. Es war in direkter Nähe des Palastes und bot eine ruhige Atmosphäre und gutes Essen.

Zwar war kein Tisch reserviert gewesen, aber dank der stetig wachsenden Prominenz des Teams war es kein Problem, auch spontan einen solchen zu bekommen. Es handelte sich dabei um einen kleinen separierten Bereich, so dass die Gespräche privat bleiben würden. Auch Aufzeichnungsgeräte gab es keine, wie eine schnelle Überprüfung ergab.

Also wurden Essen und Getränke bestellt und erst einmal genossen.

Gespräche

Doch schon bald war es an der Zeit, den Genuss dadurch zu trüben, dass ebenso schwierige wie wichtige Dinge geklärt werden mussten.

Donahue und die Direktive

Am akutesten dabei war sicherlich die von Donahue angeführte Direktive 23/6. Diese war keinem der Anwesenden ein Begriff. Eine schnelle OpNet Recherche ergab, dass die Direktive tatsächlich existierte und dazu befugte, Anweisungen zu erteilen, die das gleiche Gewicht hatten, wie Anweisung seiner Kaiserlichen Hoheit selbst. Es war jedoch nirgendwo verzeichnet, wer über derartige Befugnisse verfügte. Und auch war kein Weg genannt, die Echtheit zu überprüfen. Also das perfekte Mittel für Betrüger.

Ach die Chrysanthemen auf dem Kimono Donahues waren etwas, das zwar kein Japaner jemals ohne Grund tragen würde. Aber Donahue war kein Japaner und hatte in dem Gespräch an diesem tag sogar explizit erwähnt, dass sowohl Esther als auch er selbst Gaijin waren und damit Dinge tun konnten, die für Japaner unmöglich waren. Dadurch, dass die Chrysanthemen selbst auch für menschliche Augen kaum wahrzunehmen waren, bestand auch keine Gefahr, dass zum Beispiel die Empfangsdame in dem Gebäude sie bemerken und somit unangenehme Fragen hätte stellen können. Somit konnten auch diese legitim sein, oder nur ein geschicktes Mittel eines Betrügers, der einen ganz bestimmten Eindruck erwecken wollte.

Und die einzigen Personen, die das Team kannte, und die eine Sicherheitsfreigabe haben könnten, die hoch genug war, die Behauptungen Donahues zu überprüfen, waren exakt die, mit denen sie laut Donahues Befehl nicht über ihn sprechen durften. Eine verzwickte Situation ohne gute Lösung.

Der große Konflikt und seine Seiten

Nachdem die Gefährten bei der Diskussion über die Direktive an einen Punkt gelangt waren, wo es nichts weiteres mehr zu sagen gab, wandte sich das Gespräch dann dem weitaus persönlicheren und wichtigeren Thema zu: Esthers und Manuels unterschiedliche Reaktion auf das Angebot Donahues.

Es entbrannte eine Diskussion darüber, wer eigentlich welche Seite repräsentierte, ob es in dem großen Konflikt, der vielfach heraufbeschworen wurde, schon fest Seiten gab und ob man selbst eine Seite zu diesem Zeitpunkt wählen sollte.

Esthers Ansicht nach war die Seite von Okura No Oni auf jeden Fall die falsche, denn dieser wurde nicht nur von Donahue gejagt, sondern auch von Nippontai als Terrorist eingestuft. Sich also gegen ihn zu verbünden konnte keine falsche Sache sein.

Manuel hingegen hielt Donahues Fraktion für die falsche Wahl, da diese sich ganz offensichtlich auf Seiten der Menschen positionierte und schon vor Beginn des eigentlichen Krieges zwischen Menschen und Nova so viele Big Player der Gegenseite ausschalten wollte wie möglich. Da Manuel aber der Ansicht war, dass dieser Krieg nicht unausweichlich war, war genau so ein Verhalten ein möglicher Auslöser für einen an sich vermeidbaren Konflikt und durfte nicht unterstützt werden. Zumal, sollte es tatsächlich zum Krieg kommen, er es für falsch hielt, sich jetzt schon auf eine Seite festzulegen. Insbesondere, wenn diese Seite die war, zu der sie eigentlich gar nicht gehörten.

Hier bitte Hikaris Sicht einfügen

Angriff!

Das Gespräch wurde im Verlaufe der Zeit immer hitziger. Aber bevor es wirklich eskalieren konnte, wurde es jäh unterbrochen.

CZ Soldaten

Angriff aufs Restraurant

Denn mit einem Mal hörte man automatische Waffen feuern und Glas splittern. Sofort sprangen die Gefährten auf und verschafften sich einen Überblick.

In der Etage unter ihnen sahen sie eine ganze Reihe Verletzter Männer, Frauen und Kinder. Bei einigen von ihnen waren unter der Kleidung deutlich Tätowierungen zu sehen. Yakuza-Mitglieder und ihre Familien.

Die Angreifer waren einige bullig aussehende Gaijin in einem Mercedes. Dieser setzte gerade mit quietschenden Reifen zur Flucht an.

Heilung

Hikari ging sofort in ihre Fluggestalt und schnellte in die untere Etage des Restaurants. So viel Blut, so viel Schmerz, so viele Verletzte. Sie blickte sich um, und versuchte zu ergründen, wie sie am besten helfen konnte. Aber die Heilung jedes einzelnen würde zu lange dauern. Sie konnte einige wenige retten, aber der Rest würde verbluten. Wie konnte sie auswählen, wen sie retten sollte? Die am schwersten verletzten, da die anderen die beste Chance hatten, es ohne ihre Hilfe zu schaffen? Die am leichtesten Verletzten, da sie so mehr Leuten helfen konnte? Die Frauen mit Kindern? Die Kinder selbst? Eine Entscheidung, die sie unmöglich treffen konnte.

Aber da erinnerte sie sich an ihr Training. Gab es da nicht eine Möglichkeit, in Momenten großer Not seine eigenen Grenzen zu durchbrechen und Dinge zu tun, die ansonsten unmöglich waren? War dies hier nicht ein Moment größter Not?

Sie sank auf den Boden des Restaurants herab, erinnerte sich an die Lektionen ihrer Lehrer. Sie konzentrierte sich und öffnete sich ganz dem Fluss des Quantenraumes um sie herum. Da war etwas, am Rande ihrer Wahrnehmung. Eine Art Tür? Ein Weg? Sie griff danach, öffnete sich dem, was dahinter lag.

Der Quantenfluss durchdrang sie und sie verstand in diesem Moment, was sie tun konnte. All ihre Energie würde es verbrauchen, aber so konnte sie allen hier helfen. Sie ließ die Energie fließen, nicht in ein einzelnes Ziel, sondern in alle Anwesenden gleichzeitig. Und während sie das tat, erkannte sie sogar, dass es nicht ihre eigene Energie sein musste, sondern auch die Energie des Raumes um sie herum genutzt werden konnte. Es würde sie immer noch viel Kraft kosten, aber nicht ganz so viel, wie sie am Anfang befürchtet hatte.

Für alle anderen waren all dies nicht wahrnehmbar. Sie sahen nur eine junge Japanerin, die sich auf den Boden kniete und von der alsbald bläuliche Welle ausgingen, die sich wie Wasser über die Verletzten ergossen und einen Teil ihrer Wunden schlossen. Sie waren nicht vollständig geheilt, aber die meisten von ihnen würden leben. Etwas, das nur Momente zuvor die wenigsten für möglich gehalten hätten.

Kampf

Während Hikari um das Leben der Verletzten kämpfte, tobte vor dem Restaurant ein anderer Kampf. Manuel war direkt nach dem Angriff in Metallgestalt gegangen und so durch die Bodendielen der Etage gebrochen, auf der sie standen. Und da er schon einmal unten war, wollte er sich auch direkt um die Angreifer kümmern. Oder zumindest darum, dass sie nicht ungestraft entkamen.

Mittels seiner Kräfte erhob er die Limousine der Angreifer in die Luft. Hoch genug, dass sie keine Lust haben würden, herauszuspringen. Einer von ihnen schaffte es noch, ein paar Schüsse in Manuels Richtung abzugeben, danach levitierte er die Waffen der Angreifer aus dem Wagen heraus.

Offenbar hatten diese aber auch noch einen weiteren Mann zur Sicherung vor Ort. Dieser trat nun hervor und spritzte sich etwas, das Manuels Sinne als Mite erkannten. Dann forderte er ihn dazu auf, sich zu stellen wie ein Mann. Aber Manuel wollte sich nicht provozieren lassen und verblieb Schwebend außerhalb der Reichweite des Mannes. Er war noch mit den Insassen beschäftigt.

Esther hingegen war unbeschäftigt und konnte den Mann mittels ihrer geistigen Kräfte sehr schnell davon überzeugen, jeden weiteren Angriff zu unterlassen. Statt dessen befahl sie ihm, durch das Portal zu treten, das sie zur Festung öffnete, nachdem sie dort telefonisch Bescheid gegeben hatte, das in Kürze ein Gefangener dort eintreffen würde und gesichert werden musste.

Währenddessen versuchte Manuel relativ erfolglos, den Soldaten auf der Mauer des Kaierpalastes klar zu machen, dass sie die Personen aus dem Wagen sichern sollten, sobald er diesen auf den Boden sinken ließ.

Doombot

Kampf

Doch dann vernahm er ein weiteres Geräusch. Etwas schlug auf seinem Rücken ein und klammerte sich an seine Metallhaut. Bevor er die Zeit hatte, es weiter zu untersuchen, explodierte das Objekt und schleuderte ihn durch die Luft, ohne jedoch ernsthaften Schaden anzurichten.

Bald wurde auch klar, wer diesen Angriff durchgeführt hatte. Ein Mann in einer High-Tech-Rüstung flog heran. Das Design war Manuel nur allzu bekannt. Yagami Hakiro war gekommen. Und er fuhr sogleich seine weiteren Waffensysteme aus. Manuel wollte keinen Kampf gegen seinen ehemaligen Freund. Also brachte er den Wagen mit den CZ Soldaten zwischen sich und diesen. Seine Annahme war, dass der nur hier sein konnte, um eben diese Leute zu retten. Doch diese Annahme erwies sich schnell als falsch, denn noch bevor der Wagen wirklich zwischen ihnen war, feuerte Hakiro eine Rakete ab und zerfetzte ihn mit Samt der Insassen. Dann richtete er seine Waffen auf Manuel.

Esther wollte ihn, wie schon den anderen Angreifer zuvor, mit ihren Gedankenkräften stoppen, aber sie schaffte es einfach nicht, zu seinem Geist vorzudringen. Manuel hingegen entschied sich, nicht den Mann in der Rüstung, sondern die Rüstung selbst anzugreifen. Er konzentrierte das Magnetfeld zwischen seinen Händen und feuerte einen EMP auf die Rüstung ab, die daraufhin starr wurde.

Unterhaltung

Danach sprach Manuel seinen alten Freund an, wollte wissen, warum er sich auf die Seite des CZ geschlagen hatte. Hakiro antwortete mit einem Schwall von Vorwürfen an Manuel und dass dieser ihm keine andere Wahl gelassen hatte, um an weiteres Geld zu kommen.

Da die Gefahr für den Moment vorüber zu sein schien, kamen auch Esther und Hikari der Szenerie näher und Esther versuchte wieder, in den Geist Hakiros einzudringen. Wieder ohne Erfolg. Manuel vermutete, dass der Helm der Rüstung einen Schutzmechanismus hatte, so wie auch sein eigener Helm dies tat. Also wollte er eben diesen Helm entfernen um so Esther den Weg frei zu machen.

BUMM!

Doch als er den Helm entriegeln wollte, begann ein immer schneller werdendes piepen. Manuel rief seinen Gefährtinnen zu, dass sie in Deckung gehen sollten und schoss nach vorne, um den Roboter - denn um genau so etwas und nicht um Hakiro selbst handelte es sich bei dem Angreifer - in den Wassergraben des Palastes zu befördern.

Ein Teil des Roboters befand sich auch bereits im Wasser, als dieser explodierte, aber große Teile der Schockwelle waren oberhalb der Oberfläche und konnten sich so ungehindert ausbreiten.

Aftermath (03. Dezember 2005)

Verletzte

Manuel selbst war in unmittelbarer Nähe der Explosion, und sein metallener Körper wurde von dieser durch die Luft geschleudert. Er trug einige Verbrennungen und Prellungen davon, aber nichts wirklich ernsthaftes.

Seinen beiden Gefährten erging es weniger gut. Hikari war nicht ganz so nah am Geschehen gewesen und wurde so nur von einem Teil der Explosionswelle erfasst und schwer verletzt, blieb aber bei Bewusstsein.

Esther hingegen, die selbst mit "Hakiro" sprechen wollte, war recht nah an der Explosion und wurde einige Meter durch die Luft geschleudert, bevor sie regungslos auf dem Boden aufschlug.

Hikari kroch zu ihr hinüber, stellte fest, dass sie noch atmete, und verwendete ihre letzte Energie, um zumindest einen Teil der Wunden wieder zu verschließen. Sie würde leben, aber das nur knapp.

Rückreise

Da Esther schnellstmöglich medizinische Hilfe von Novakundigen Ärzten brauchte und selbst nicht mehr in der Lage war, ein Portal zu öffnen, setzten die Hogo Kyodai einen Notruf an die Festung in den Wolken ab. Vielleicht war es dieser, vielleicht aber auch schon die Explosion selbst, die dafür sorgte, dass kurze Augenblicke später Naginata heranflog. Sie bat die Versammelten, sich gut festzuhalten, und erzeugte dann einen Malstrom aus Sturm und Wind, der sie alle auf direktem Weg zur Festung beförderte.

Dort angekommen wurden die Verletzten sofort an ein wartendes Ärzteteam übergeben.

Manuel, selbst relativ ausgelaugt von dem Kampf, hatte noch ein wenige Energie, die er hier in der Sicherheit der Festung an Hikari übertrug, die damit sich selbst und Esther soweit heilen konnte, dass keinerlei Gefahr mehr bestand. Um die restlichen Wunden würde sie sich am nächsten Morgen kümmern.

Befehl: Ausruhen!

Ebenfalls am nächsten Morgen erreichte das Team eine Nachricht. Es würde in einer Woche eine persönliche Audienz mit Ryu geben, der über die Geschehnisse informiert werden sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde dem Team eine Auszeit verordnet. Ob dies war, um sich zu erholen, oder weil man ihnen nicht mehr genug vertraute, um weiterhin im Einsatz zu bleiben, ging aus der Nachricht nicht hervor.

Verordnete Ruhezeit (04.-08. Dezember 2005)

Gemeinsames

Gespräche zwischen Hikari und Manuel

Während der Woche trafen sich Hikari und Manuel mehrfach für Gespräche zu verschiedenen Themen. Dabei auch, wie sie selbst sich und ihre Fähigkeiten sahen und was sie Lehren von Divis Mal bedeuteten.

Esther

Hikari

Manuel

Veröffentlichung

Während der freien Zeit schrieb Manuel endlich die Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse zum lebendigen Metall fertig. Diese sorgten in den entsprechenden Fachkreisen schnell für ein gewisses Aufsehen, was zu Interviewanfragen verschiedener Wissenschaftsmagazine, des Time Magazine und von Cory Heißler von Nova Networks führte.

Eine Rücksprache mit seiner PR Abteilung ergab, dass diese empfahl, die Anfragen anzunehmen und auch alleine dort aufzutreten.

Die Suche nach dem CEO

Nachdem die Suche nach einem neuen und geeigneten CEO zwar einige geeignete Personen aufgetan hatte, Manuel aber niemanden von diesen kannte und ihnen somit auch nicht vertrauen konnte, trat er an seinen alten Freund und Mentor, Cho Akeno heran und bat diesem die Stelle an. Nach reiflicher Überlegung und etwas Überzeugungsarbeit von Manuels Seite willigte dieser schlussendlich ein, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen. Gleichzeitig gab er aber zu bedenken, dass er selbst schon recht alt war und die Stelle nur wenige Jahre würde besetzen können.

Lernen

Den eigenen Körper Meistern

Vielleicht auch angespornt durch die erneute Frage Sandra Akihitos bei einer Traininssession, bei der sie zufällig auch anwesend war, ob er mittlerweile gelernt hatte, zu vibrieren, besann sich Manuel darauf, erst einmal die Dinge zu meistern, die er bereits konnte, bevor er sich neuen Fähigkeiten zuwenden wollte. Entsprechend trainierte er seinen metallenen Körper ausführlicher, was auch bald von Erfolg gekrönt war. Seine Fähigkeit, die metallene Struktur seines Körpers zu verstärken hielt länger und wurde insgesamt stabiler. Einen Weg zu Vibrieren fand er dabei allerdings immer noch nicht.

Training mit O'Kage

Auch sein Training mit O'Kage setzte Manuel in der Woche fort. Der Kampf gegen Burei und Kuroi Kiri schien ihm nach wie vor unausweichlich.

Benimm-Training

Manuel tat einen Privatlehrer für Benimm-Fragen auf, der schon früher Gaijin unterrichtet hatte und begann, Stunden bei diesem zu nehmen, um nicht immer nur Hikari kopieren zu müssen. Bisher hatte er aber noch nicht genug Stunden, um einen Lernerfolg zu erzielen.

Materialwissenschaft

Sowohl seine eigene Forschung und Veröffentlichung, als auch die Untersuchungen an dem Bolzen von Donahue führten zu tieferen Erkenntnissen im Bereich Materialwissenschaft.

Kontaktaufnahme mit Amai

Bei einer der regelmäßigen Sitzungen mit Miko, die Manuel endlich wieder begann, sprach diese ihn noch einmal auf seine persönlichen Beziehungen an, was ihn daran erinnerte, wie gut ihm die Zeit mit Amai getan hatte. Und in der derzeitigen stressreichen Zeit sehnte er sich regelrecht nach dieser Zeit zurück, weshalb er einen Brief an Amai schrieb und um ein erneutes Treffen bat. Amai stimmte zu und Manuel überließ ihr die Wahl von Ort und Zeit.

Anerkannte EP: 6

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