Kapitel 6: Zerbrochene (Familien)Bande

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Wieder auf der Festung in den Wolken - Samstag, 09. Juli 2005

Das verschlossene Portal

Das Portal war geschlossen, die Gefährten alle wieder auf der Festung. Der verwunderte Blick von O'Kage war das letzte, was durch das sich schließende Portal sichtbar war. Auch Sauzando Naifu bliebt auf Hokkaido zurück.

Yumi Kara stürmte sofort in Richtung ihrer Unterkunft, im festen Entschluss, ihre Sachen zu packen und diesen Ort nie wieder zu betreten. Wie sehr war sie doch verraten worden durch die Helden ihrer Jugend. Wie falsch waren all die Bilder, die sie von diesem Ort und seinen Insassen gehabt hatte.

Bevor sie jedoch das Gebäude erreichte, kam ihr Miko mit einem Trupp Soldaten entgegen und versuchte höflich, sie aufzuhalten. Kurz hielt Yumi Kara sogar inne, und erhielt so die Bitte, nicht zu gehen, bevor die Geschehnisse des Abends nicht zumindest berichtet worden seien. Sie nickte und ging dann weiter in Richtung ihrer Unterkunft.

Manuel kniete zu diesem Zeitpunkt noch immer über der schwer verwundeten Naginata und überwachte den Druckverband, den er ihr angelegt hatte. Viel Ahnung von Medizin hatte er nicht, aber dass die Wunde tief und gefährlich war, konnte er nicht übersehen. Überall Blut, überall der Tod. Sollte er hier noch ein weiteres Opfer fordern?

Dann kam aber Miko auch schon, nahm behutsam Manuels Hände vom Verband, entfernte diesen, legte ihre eigenen auf die Wunde und begann einen Gesang, der alle in Hörweite tief berührte. Sogar Yumi Kara gewann einen Moment der Klarheit, der aber am Ende nichts an ihrer Entscheidung änderte.

Ein goldenes Licht breitete sich von ihrem Händen wabenförmig aus und erfüllte den Körper Naginatas. Langsam aber sicher schloss sich die tiefe Bauchwunde und frische, rosige, gesunde Haut bildete sich. Schon bald war die Wunde nur noch eine schmerzhafte Erinnerung.

Die Situation war geklärt, es gab nichts mehr akut zu tun, keine sofortigen Probleme, die der Lösung bedurften. Manuels Geist hatte endlich die Zeit, sich klar zu werden, was er getan hatte. Wie eine Maschine, kalt wir Stahl, effizient und ohne jedes Mitgefühl hatte er getötet. War stolz gewesen auf seine Einfälle, die ihm im Rückblick wie grausamer Mord vorkamen. Er hatte nicht verhindert, dass der Raketenwerfer überhaupt funktionierte, er hatte ihn so verändert, dass der Schütze sich selbst und einige seiner Kameraden tötete. Er hatte nicht den Lauf der Sturmgewehre verbogen, er hatte sie im Moment des Schusses herum gerissen, so dass sich die Soldaten gegenseitig erschossen. Und es war ihm richtig erschienen. Aber war es das gewesen? Hätte es nicht vielleicht einen besseren Weg gegeben?

Naginata sprach ihn an, fragte ihn, ob es ihm gut ginge, legte ihre Hände auf die seinen. Erst in diesem Moment bemerkte er, dass er unbewusst mit den Kugeln, die durch Mikos Heilung aus Naginata herausgewachsen waren, herumgespielt hatte. Dieses heiße Gefühl, der Schmerz, der Geruch nach verbranntem ... was war da verbrannt? War das Blut?

Manuel ließ die Kugeln los, versuchte zu antworten, aber konnte seine Gedanken nicht in Worte fassen. Er versuchte es mehrfach, setzte zu Sätzen an, brach ab. Dann gingen ihm die Worte aus und er brach in Tränen aus. Naginata nahm seinen Kopf, legte ihn auf ihre Schulter und hielt ihn fest. Das erste Mal seit seine Mutter ihren Schlaganfall gehabt hatte, fühlte sich Manuel geborgen.

Begegnung im Gang

All dies bekam Yumi Kara gar nicht mehr mit. Kurz nach Beginn von Mikos Gesang hatte sie den Eingang des Wohntraktes erreicht. Zielstrebig ging sie diesen entlang, nahm die Frau, die ihr entgegen kam, kaum wahr, war sich nicht einmal sicher, ob sie wirklich da sei, denn ihr Gesicht, dieser zerbrochene Blick, erinnerten sie zu sehr an ihren eigenen. Bis die Frau sie ansprach. In ihrem innersten kämpfte die japanische, höfliche, Erziehung gegen ihre Wut und das Verlangen, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Die Höflichkeit obsiegte.

Die Frau stellte sich vor als Kono Fujiko, die Frau, die bekannt unter dem Namen Tenchi als Botin von Nippontai bekannt war, aber seit geraumer Zeit in den Medien nicht mehr aufgetaucht war. Yumi Kara erinnerte sich dunkel an einen Skandal, konnte sich aber nicht an irgendwelche Details erinnern. Erst wollte Yumi Kara nicht viel sagen über das, was sie bewegte. Aber die Worte "Ihr könnt offen sprechen, der Drache ist nicht in der Nähe!" zeigten ihr, dass vielleicht nicht nur der gebrochene Gesichtsausdruck und das erlebte Leid die beiden verband. Es entwickelte sich ein Gespräch über die Erlebnisse der jeweils anderen, wobei jedoch von keiner der beiden auf die tatsächlichen Geschehnisse eingegangen wurde, sondern stets nur die resultierenden Gefühle, Ideale, Entscheidungen eine Rolle spielten. Offenbar hatten sich hier zwei Personen gefunden, die eine Menge gemeinsam hatten.

Dann jedoch wurde das Gespräch jäh unterbrochen. Ryu trat aus einem Raum auf den Gang, ließ verlauten, dass er es nicht länger hinnehmen könne, wie über ein Mitglied von Nippontai gesprochen wurde - das letzte Thema war Sandra Akihito und ihre Grausamkeit gewesen. Auch befahl er, dass in einer Stunde in dem bereits bekannten Audienzraum eine Nachbesprechung stattfinden würde und dass Yumi Kara den anderen Mitgliedern des Teams bescheid sagen solle. Dann verschwand er ebenso plötzlich, wie er gekommen war, wieder in dem Zimmer.

Yumi Kara und Kono-san tauschten noch Comnummern aus und entschlossen, sich außerhalb der Festung noch einmal zu treffen. Nächstes Mal würde der Drache wirklich nicht in der Nähe sein!

Dann ging Yumi Kara auf die Suche nach den anderen, fand sie auch recht schnell und informierte Esther, Michiko und Kenshin über die anstehende Besprechung. Manuel war noch nicht wieder ansprechbar, daher konnte sie ihn nicht informieren.

Mein guter Freund Johnny

Auch Esther war von den Erlebnissen auf Hokkaido schwer erschüttert. Oder war es die Weigerung Nippontais, auf ihre Warnungen angemessen zu reagieren, die ihr so sehr zusetzte? An statt jedoch wie Yumi Kara erbost ihre Sachen zu packen, wählte Esther eine andere Art der Bewältigung: den Alkohol. Sie wusste zwar, dass sie in nicht ganz einer Stunde zu einer Nachbesprechung würde erscheinen müssen, aber bis dahin gehörte ihre Zeit ihr allein.

Sie öffnete ein Portal in ihre Wohnung in der Amerikanischen Botschaft und traf sich dort mit ihrem guten Freund Johnny Walker. Es war wohl eine Mischung aus ihrer Zurückhaltung ob der Besprechung in Kürze in Kombination mit ihrer erhöhten Resistenz als Nova, die dafür sorgte, dass der Alkoholgenuss zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Auswirkungen auf ihr Verhalten hatte.

Auch nutzte sie die Gelegenheit, sich nach dem vorangegangenen Chaos wieder frisch zu machen und so erschien sie pünktlich und sauber zu der folgenden Besprechung.

Reinigendes Wasser

Nachdem Manuel keine Tränen mehr hatte und auch das trockene Schluchzen allmählich nachließ, wurde er der Situation gewahr, in der er sich befand. Über und über mit Blut besudelt, das meiste davon das Blut anderer, jetzt toter Personen, immer noch in voller Kampfmontur, verheultes Gesicht, und in sehr inniger Umarmung mit einer Frau, die er bis vor ein paar Tagen gar nicht kannte. Er versteifte sich, löste sich langsam aus der Umarmung, unsicher, wie er damit umgehen solle. Er wagte es nicht, in die Augen von Naginata zu blicken, würde sowieso nicht verstehen, was dort stand. Er nickte ihr dankend zu und begab sich dann in den Wohntrakt.

Sein Gang führte ihn geradewegs in die Dusche, und noch in voller Montur stellte er das Wasser an, begann damit, sich Tränen und Blut aus dem Gesicht spülen zu lassen. Mit Esthers Vision der Wassermassen hatte es angefangen, mit Wasser würde es enden.

Irgendwann bemerkte er, dass er noch seine Kleidung und Ausrüstung trug und begann, diese abzulegen und einfach auf den Boden fallen zu lassen.

Yumi Kara fiel unterdessen ein, dass er ja noch gar nichts von der Besprechung wusste, und so suchte und fand sie ihn auch in eben diesem Moment. Unsicher, wie sie sich einem vermutlich nackten Mann unter der Dusche nähern sollte, sprach sie ihn einfach aus dem Vorraum der Dusche an. Wie sich herausstellte, wäre das gar nicht nötig gewesen, denn Michiko hatte ihn bereits informiert. Manuel konnte immer noch keine richtigen Worte finden, versprach aber knapp, dass er da sein würde.

Nachdem Yumi Kara wieder gegangen war, wusch sich Manuel die letzten Reste des Blutes und Drecks vom Körper, sammelte seine Sachen ein, und begab sich in sein Zimmer.

Besuch beim Riesen

Danach begab sich Yumi Kara auf die Suche nach Kyojin um sich von ihrem Sensei zu verabschieden. Wie auch immer die Besprechung ausgehen würde, sie hatte nicht vor, noch einmal auf die Festung zurückzukehren.

Da sie nicht wusste, wo sich der Wohntrakt der Kernmitglieder von Nippontai befand, fragte sie einen Wachmann, der ihre Identität prüfte und sie dann zu einem Aufzug führte. Zusammen mit dem Wachmann fuhr sie in das zweite Untergeschoss und dort einen gemauerten Gang entlang. Entgegen der Türen im Rest der Festung waren hier schwere Metallene Sicherheitstüren zu finden. Vor einer davon hielt der Wachmann an und bedeutete ihr, dass dies das Quartier des Riesen sei.

Yumi Kara klopfte erst, bemerkte aber dann, dass klopfen bei dieser Tür sinnlos war und sie betätigte die Klingel. Durch die dicke Stahltür konnte sie nicht hören, was dahinter vor sich ging, aber nach kurzer Zeit öffnete ihr Kyojin, offenbar in seiner Schlafkleidung. Er bat sie herein und verschloss hinter ihr die Tür.

Das darauf folgende Gespräch war kurz, denn Kyojin bemerkte sehr schnell, dass Yumi Kara aktuell nicht in der Lage war, hier etwas zu lernen. So verabschiedete er sich von ihr und bat sie, zurückzukehren, sobald sie sich selbst wieder gefunden habe. Als sie erwiderte, dass sie nicht wisse, ob sie dann hier noch würde willkommen sein, antwortete Kyojin, dass sie das sein würde.

Der Wachmann stand immer noch vor der Tür und brachte Yumi Kara wieder an die Oberfläche. Sie begab sich in den Audienzraum, auch wenn bis zur Audienz noch 40 Minuten verstreichen sollten.

Eintausend Kraniche

Nachdem Manuel aus der Dusche kam, entschied der rationale Teil von ihm, als Ausgleich zu all der Zerstörung, die er angerichtet hatte, nun etwas erschaffen zu wollen. Da er nicht viel zur Verfügung hatte, musste es etwas einfaches sein. Und gab es da nicht ein Sprichwort, dass derjenige, der 1000 Kraniche faltet, von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekomme? Also machte er sich daran, zu falten.

Nach den ersten paar Kranichen, bei denen er noch darüber nachdenken musste, wie sie zu falten seien, wurde die Tätigkeit zu allem, woran Manuel in diesem Moment denken konnte - oder vielleicht wollte? Er verlor sich darin und vergaß völlig, dass er zu dem Debriefing gehen wollte.

Sein Fehlen fiel jedoch den anderen, die rechtzeitig erschienen waren, auf und Yumi Kara sendete Manuel eine Nachricht über das Smartphone, worauf dieser aus seiner Trance erwachte und sich schnell auf den Weg in den Audienzraum machte. Irgendwann in der Zwischenzeit hatte Manuel vergessen, weiterzuzählen, und so war sein Raum über und über mit kleinen Papierkranichen erfüllt, aber ob er die 1000 geschafft hatte, wusste er nicht. Aber das war auch nicht wichtig. Aberglaube wie dieser sollte niemals wichtig sein für ihn.

Debriefing durch den Drachen

Nachdem alle in dem Raum versammelt waren, betraten auch Naginata und Miko, die links bzw. rechts des Podestes Platz nahmen, den Raum. Zuletzt kam dann Ryu und nahm auf dem zentralen Kissen auf dem Podest Platz.

Mit ruhigem aber bestimmten Ton forderte er die Anwesenden auf, einen Bericht abzugeben. Sichtlich angeschlagen von den Erlebnissen zögerten alle Anwesenden zuerst, doch dann ergriff Yumi Kara das Wort und berichtete in ungewohnt knapper, sachlicher und fast tonloser Art von den Geschehnissen. Als sie an dem Punkt angekommen war, als O'Kage und Sauzando Naifu hinzukamen, stockte sie merklich, was Manuel zum Anlass nahm, ihre Ausführungen zu korrigieren bzw. zu ergänzen. Aber auch er war angeschlagen und vergaß, die Worte und Schriftrolle zu erwähnen, die Kuroi Kiri ihm mitgegeben hatte.

Danach äußerte Yumi Kara dann mit einem kurzen Seitenblick zu Esther, dass sie über den Rest der Geschehnisse auf der Festung nicht sprechen könne, solange sie nicht sicher sei, ob die Informationen geheim seien. Auf Nachfrage von Ryu sagte Naginata, dass O'Kage "die Amerikanerin" wieder von der Leine gelassen habe. Daraufhin wurde Miko damit beauftragt, O'Kage zu dem Treffen hinzuzuholen.

Schon während sie unterwegs war, ging eine erste, kurze Diskussion los, die jedoch unterbrochen wurde, als Miko mit O'Kage und Sauzando Naifu zurückkehrte.

Die beiden Neuankömmlinge nahmen hinter den vier Kissen von Manuel, Esther, Kenshin und Yumi Kara Platz. Ryu befragte O'Kage zu den Vorwürfen, die ihm und seiner ehemaligen Schülerin gegenüber geäußert worden waren. Er erwiderte, dass er getan habe, was getan werden musste. Als O'Kage auf das Verhalten von Sauzando Naifu angesprochen wurde, mischte diese sich ein und sagte, dass die Gegner es nicht wert gewesen seien, dass man nun über sie rede. Diese Aussage war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Yumi Kara hatte sich schon die ganze Zeit, die O'Kage gesprochen hatte, sichtbar zurückgehalten. Aber nun verlor sie die Beherrschung. Sie packte Sauzando Naifu, die hinter ihr saß, am Hals und schmetterte sie an die Seitenwand des Raumes, die nicht aus Papier bestand und hielt sie dort mit der Hand an der Kehle fest. Das Zischen, mit dem Kara Sauzando Naifu anfauchte, schnitt durch die Stille. "Du Abschaum schweigst, wenn Dein Daimyo spricht!". Alle im Raum waren schockiert und es gab einen kurzen Moment völliger Stille. Dann sprang O'Kage auf und zog im Rücken von Yumi Kara sein Schwert. Manuel machte sich bereit, dieses mittels Magnetfeldern zu stoppen oder abzulenken, Esther warnte Yumi Kara mit einem Ruf. O'Kage erhob sein Schwert in Angriffshaltung, stieß jedoch nicht zu. Yumi Kara wurde sich der Situation bewusst und sie ließ Sauzando Naifu los, deren Finger sich bereits zu Dolchen zu formen begonnen hatten. Dann machte sie einen Schritt weg von ihr, neigte ihr Haupt vor Ryu und bat um Vergebung, welche ihr gewährt wurde. Des weiteren wies Ryu O'Kage an, Sauzando Naifu zu entfernen, deren Gesichtszüge sich bereits bedrohlich verzerrt hatten. O'Kage schlug sie mit einem Faustschlag K.O., warf sie über seine Schulter und verließ den Raum.

Nachdem wieder etwas Ruhe eingekehrt war, und nachdem nun offensichtlich war, dass in der aktuellen emotionalen Verfassung eine weitere Kooperation nicht möglich war, wurde beschlossen, dass das Training eine Woche ausgesetzt werden würde. Danach dürfe jeder zurückkehren, der das dann noch wünsche. Aber die Ereignisse hatten auch gezeigt, dass die Nova keine Gefahr für Nippon waren, so dass ein Abschluss des Trainings nicht erforderlich war, sollte es nicht gewünscht werden. Nach dieser Verlautbarung beendete Ryu die Versammlung und die Anwesenden zerstreuten sich.

Unterredung mit dem Schatten

Esther begab sich in ihr Zimmer, um zu packen. Doch bevor sie ging, wollte sie O'Kage noch einmal zur Rede stellen. Sie hoffte, dass er wie immer lauschen würde und rief ihn einfach. Nach wenigen Sekunden bildeten sich tiefe Schatten um sie herum und sie hörte seine Stimme, die fragte, was sie wollen.

Das resultierende Gespräch war heftig, und es wurden von beiden Seiten Beleidigungen ausgesprochen. Von Esther gegen O'Kage und Sauzando Naifu, von O'Kage vor allem gegen Yumi Kara, die er unter anderem einmal als "das Fangirl mit den rot-weißen Titten" bezeichnete. Es eskalierte recht schnell und endete damit, dass O'Kage immer lauter wurde und Esther befahl, die Festung sofort zu verlassen. Sie kam dem nach, indem sie ein Portal in ihre Wohnung öffnete.

Abreise

Nachdem mit Esther die schnellste Möglichkeit der Abreise fort war, packte Manuel, der natürlich durch die Papierwände zwischen den Räumen das Gespräch mit angehört hatte, weiter seine Sachen. Die Kraniche ließ er dabei ebenso in dem Zimmer zurück wie seine sorgsam gefaltete Kampfmontur und die Überreste des zerbrochenen Schwertes. Dann ließ er sich von einem Hubschrauber zu seinem Labor bringen. Da er ja nur eine Woche fort sein würde, verabschiedete er sich nicht besonders von seiner Lehrerin Miko oder von Naginata

Yumi Kara war zu diesem Zeitpunkt bereits abgeflogen.

Versuchte Verarbeitung - Samstag, 09. Juli 2005

Esther

Jogging

In ihrer Wohnung angekommen, genehmigte sich Esther erst einmal noch den ein oder anderen Whiskey. Dann brach sie trotz des Regens, der zwischenzeitlich eingesetzt hatte, in den Garten der Botschaft auf um den Kopf beim Jogging frei zu bekommen.

Sie drehte einige Runden, bis sie plötzlich hinter sich eine Verzerrung des Raumes spürte und es kurz darauf hell aufblitzte. Eine unglaublich schöne japanische Frau, gekleidet in ein rotes Seidenkleid, stand vor ihr. Es handelte sich um Geisha, die von Esthers Mentorin Slider hergebracht worden war. Zwischen den beiden entwickelte sich ein kurzes, höfliches Gespräch. Geisha war gekommen, da die Ereignisse der Nacht auch für Team Tomorrow von Interesse waren. Sie bat Esther darum, all ihre Ressourcen einzusetzen, um ihr eine Audienz beim Kaiser zu besorgen, da Dinge geschahen, die weit mehr als nur Japan betrafen.

Esther erwiderte, dass sie seit Monaten versuche, eine Audienz für Carlton Harris zu bekommen, bisher ohne Erfolg, sich aber bemühen werde, dem Wunsch nachzukommen. Danach verließ Geisha den Garten auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommen war.

Anrufbeantworter

Nach diesem sonderbaren Zusammentreffen lief Esther noch ein paar Runden, dann begab sie sich wieder in ihr Zimmer und unterhielt sich weiter mit Johnny.

Später in der Nacht, irgendwann zwischen der dritten und vierten Morgenstunde, versuchte sie, Yumi Kara telefonisch zu erreichen, hatte jedoch keinen Erfolg. Statt dessen sprach sie gute 10 Minuten auf den Anrufbeantworter von Yumi Kara, sollte sich aber am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern, die getan zu haben.

Yumi Kara

Die einsame Insel

Yumi Kara suchte nach ihrem Aufbruch aus der Festung in den Wolken nicht etwas den Weg nach Hause, sondern suchte vielmehr nach einer Möglichkeit, die Wut, die sich in ihr aufgestaut hatte, herauszulassen, ohne dass dabei jemand zu Schaden käme. Zuerst überlegte sie kurz, ob sie nicht den Mond vandalisieren solle, aber als ihr klar wurde, wie weit dieser entfernt war, entschied sie sich für eine unbewohnte Vulkaninsel, etwa 100 Kilometer vor der Küste.

Sie flog dort hin, landete, und zertrümmerte einen Felsen nach dem anderen, ließ ihrer Wut freien Lauf, konnte endlich die Kontrolle fallen lassen, und so die Anspannung loswerden, die sie erfüllt hatte, seit sie mit ansehen musste, wie zwei ihrer größten Helden grausam zu Werke gingen. Die einzigen Zeugen dieses Ausbruches waren einige Krebse, die sich ängstlich in ihre Behausungen zurückzogen.

Götter unter sich

Doch dann geschah etwas: Yumi Kara spürte eine Veränderung im Quantenraum und drehte sich um. Dann erschien in einem gleißenden Lichtblitz eine Gestalt, in einen weiten Umhang gehüllt und mit einer No-Maske vor dem Gesicht. Die Macht, die dieses Wesen abstrahlte, war gigantisch. Noch nie zuvor hatte sie solche Schwingungen den Quantenraumes gespürt. Wenn es einen lebenden Gott gab, einen wahren Kami, dann schwebte er in diesem Moment vor ihr.

 Gespräch noch einfügen

Manuel

Analyse des Geschehenen

Als Manuel in seinem Labor ankam, wusste er, dass an Schlaf noch nicht zu denken war. Zu verwirrt waren seine Gedanken und Gefühle. Und hätte er dennoch Schlaf gefunden, so wären es Albträume gewesen, die ihn heimgesucht hätten. Die Gesichter. Der verwunderte Ausdruck auf dem Gesicht des Raketenschützen, Bruchteile einer Sekunde, bevor er und seine Gefährten sich in eine flammende Wolke aus menschlichen Überresten verwandelten. Das erstaunen und der Hass im Blick von Tsunami, kurz bevor ihr Körper in zwei Hälften zu Boden ging. Wie sollte er diese Bilder jemals wieder loswerden?

Er versuchte zu ergründen, was geschehen war, wo der Fehler gewesen sein mochte, wie die Toten hätten verhindert werden können.

Aus einem metallenen Labortisch zog er mittels seiner Kräfte ein Modell des Berges, an dem das Gefängnis gelegen hatte, versuchte sich an möglichst viele Details zu erinnern, mögliche Fehler so zu finden.

Alles was er fand, waren ein paar Personen mit einem Bewässerungstank, die den Berg herausgefahren waren. Es war keine trockene Jahreszeit. War es wirklich nötig gewesen? Gehörten sie vielleicht zu den Angreifern? War so das Wasser in den Fels gelangt? Und hätten seine Gefährten und er diese Leute nicht vorher als Gefahr erkennen können? All diese Fragen beschäftigten ihn, aber Antworten konnte er keine finden.

Nach Stunden des Grübelns und Suchens war ihm eines jedoch klar geworden: Es hatte keinen großen Fehler gemacht. Hatte gehandelt, wie er es musste, und aus einer schlechten Situation das meiste gemacht. Die Mission war kein Erfolg gewesen, aber auch kein völliger Fehlschlag. Die Toten waren nicht zu vermeiden gewesen. Sich Aufzuteilen war nicht klug, aber es nicht zu tun hätte das Ergebnis nicht verbessern können. Vielleicht wären es andere Personen - Yumi Kara, Kenshin - gewesen, die einige der Männer getötet hätten, aber am Ende wäre Kuroi Kiri zu Tsunami gelangt. Vielleicht hätte er sie sogar befreien können, wäre Manuel nicht so plötzlich aus dem Portal gekommen und sie mit einem Streich niedergestreckt.

Aber wollte Kuroi Kiri das überhaupt? Tsunami befreien? Das ergab nicht vollständig Sinn. Hatte er sie womöglich nur deshalb mit Wasser versorgt, damit sie ein Gegner und kein Opfer gewesen wäre? Zu wenig wusste er über diesen Mann und seine Motivationen. Aber irgend etwas stimmte nicht.

Informationen - daran mangelte es, hatte es vor dem Besuch auf Hokkaido bereits.

Aber all dieses Nachdenken, zusammen mit den Nachwirkungen des Adrenalins früher am Abend, machten ihn irgendwann dann doch müde und er legte sich im Morgengrauen zur Ruhe. Zum Glück war es ein traumloser Schlaf.

Der Tag danach - Sonntag, 10. Juli 2005

Manuel

Unerwarteter Besuch

Am nächsten Morgen - naja, eigentlich eher am frühen Mittag, denn die letzte Nacht war doch recht lang geworden - grübelte Manuel wieder über den Geschehnissen auf Hokkaido. Seine Gedanken verliefen dabei im Kreis und konnten keine weiteren Erkenntnisse erbringen.

Doch dann wurde er plötzlich von seinem firmeninternen Telefon aus den Gedanken gerissen. Wie immer brauchte es mehrere Versuche des Wachdienstes, ihn zu erreichen, aber als es endlich gelang, erschien auf dem Display ein sichtbar aufgeregter junger Wachmann. Es gab Besuch, und offenbar wusste der Mann nicht, wie er damit umgehen sollte. Denn es handelte sich dabei um Michiko, und so berühmte Personen standen eher selten vor den Türen von Unlimited Imagination. Auch Manuel war durchaus überrascht von dem Besuch, wies den Wachmann aber sofort an, Michiko zu ihm zu geleiten.

Das tat der Wachmann dann auch, und als die beiden im Labor ankamen, hatte der junge Mann seine Fassung zumindest ein Stück weit wiedergefunden. Er verlor sie jedoch sogleich wieder, als Michiko Manuel sehr unjapanisch und herzlich mit einer Umarmung begrüßte. Dann wurde er dankenswerterweise von Manuel auf seinen Posten zurückgeschickt, mit der Anweisung, Michiko auf die Liste der Leute zu setzen, die jederzeit willkommen waren.

Nun alleine unterhielten sich Michiko und Manuel über die Ereignisse des Abends zuvor, und es wurde schnell klar, dass sich hier eine Verbindung gebildete hatte. Sie hatten sich gegenseitig das Leben gerettet, er ihr sogar bereist zum zweiten Mal, und auch die ruhigeren Ereignisse im Hof der Festung hatten ihre Spuren hinterlassen. Bei diesem Gespräch erwähnte Manuel auch zum ersten Mal von dem Zettel und der Botschaft, die er von dem Angreifer erhalten hatte. Diese neuen Informationen besorgten Michiko zutiefst und sie versprach, die Ryu mitzuteilen. Auch erzählte sie, um wen es sich bei dem Angreifer überhaupt gehandelt hatte, und gab Manuel somit die Möglichkeit, sich weitere Informationen über den Mann anzueignen. Auch nahm sie die Informationen, die Manuel in der Nacht herausgearbeitet hatte, mit, um sie Nippontai zu überbringen.

Natürlich kam die Sprache auch auf das Verhalten der anderen "Team"-mitglieder, und beide waren gleichermaßen von dem Verhalten Yumi Karas überrascht, die sie anders eingeschätzt hätten. Oder vielleicht hatten sie das Verhalten ja auch nur missgedeutet?

Das Gespräch dauerte insgesamt etwa eine Stunde, wonach Michiko sich wieder aufmachte. Zuvor sagte sie Manuel aber noch, dass er jederzeit willkommen bei ihr sei, und dass Sie, unabhängig davon was zwischen Nippontai und den Protagonisten noch geschehen würde, den Kontakt zu ihm nicht würde abbrechen lassen.

Nachforschungen

Wieder alleine, machte sich Manuel danach daran, einige Nachforschungen anzustellen, die mit dem Angreifer des vorigen Abends zu tun hatten:

Black Mist

Über Kuroi Kiri, oder auch "Black Mist" selbst konnte Manuel einige Dinge herausfinden:

Wahrer Name: unbekannt

Kōrusain: Kuroi Kiri

Alter: unbekannt

Novakräfte: Top Assassine der Yakuza

Zugehörigkeit: Yakuza

Persönlichkeit: noch unbekannt

Zur Person

Kuroi Kiri, oder auch "Black Mist", ist einer der gefährlichsten Nova von Japan. Auf der Liste von Projekt Utopia wird er an dritter Stelle der Novabedrohungen des kompletten asiatischen Raumes geführt. Vor ihm sind auf dieser Liste lediglich Tötentanz (der in jedem Kontinent auf Platz 1 steht) sowie die selbst proklamierte indische Göttin Kali

In seiner Funktion als Killer der Yakuza, genauer des Nakato Gumi Clans und deren Verbündeter, hat er bereits dutzende Politiker, Richter, sowie andere Staatsfunktionäre getötet.

Gerüchte besagen, dass Kuroi Kiri einen Bruder hat, mit dem er gemeinsam aufgewachsen ist, und der ebenfalls ein Killer der Yakuza war. Auch ist der Bruder ein Nova, der sich dann jedoch für einen anderen Weg entschieden hat und nun nicht mehr für die Yakuza tätig ist. Um wen es sich dabei handelt, oder ob es überhaupt jemand ist, der bereits in Erscheinung getreten ist, ist unklar.

Fähigkeiten

Kuroi Kiri kann ich in den namensgebenden schwarzen Nebel verwandeln, unsichtbar bzw. für alle denkbaren Sinne unwahrnehmbar werden, sowie einen Wirbelsturm aus purer Zerstörung um sich herum erzeugen.

Er verfügt über übermenschliche Stärke, Geschicklichkeit und Robustheit und ist zugleich unglaublich attraktiv und dennoch in einer Menschenmenge völlig unauffällig.

Auch hat er Zugriff auf außergewöhnliche Ausrüstung. So verfügte er über Granaten, die nicht nur alle Sinne überluden, sondern sogar den Quantenraum um sie herum zerfetzten.


Anti-Nova Granaten

Auch über die Granaten suchte Manuel Informationen, konnte aber nur wenig herausfinden:

  • Es handelt sich dabei offensichtlich um mindestens Black-Tech, wahrscheinlicher um Gadgets, die direkt von einem anderen Nova hergestellt wurden
  • Die Granaten verfügen über mehrere Effekte:
    1. Zum einen überladen sie mehrere Sinne anwesender Personen in ihrer Umgebung. Dies entspricht einer Kraft, die durchaus bei verschiedenen Nova beobachtet wurde, wenn auch in einer recht starken Variante, die sehr selten ist
    2. Zum anderen wird durch einen bisher nicht bekannten Effekt der Quantenraum selbst zerrissen, was für Nova sehr schmerzhaft ist und aktive Kräfte zu unterbrechen vermag. Eine derartige Kraft ist Manuel bisher auch bei seinen Nachforschungen noch nicht begegnet.
      • Zu diesem Effekt gibt es Forschungen von Vijay Srinivarsan, der unter anderem über mutagenischen Verfall geforscht hat. Auch tauchte bei der Suche der Begriff Odin-Satelliten auf, deren Beuteung ist jedoch noch unklar.
  • Die Kombination der beiden Effekte ist äußerst effektiv, und kann zwar auch normale Menschen betreffen, aber die wahren Ziele sind offensichtlich Novas
  • Da einer der beiden Effekte Quantenkräfte zerstört, der andere aber ein Quanteneffekt ist, ist die Mischung aus beiden hochgradig komplex und der Hersteller muss über erhebliche Fähigkeiten verfügen.

Zu einer genaueren Untersuchung fehlten Manuel jedoch konkrete Anhaltspunkte oder auch Teile der Granaten. Er nahm sich vor, bei Nippontai zu fragen, ob bei den Aufräumarbeiten entsprechende Teile gefunden wurden und ob er auf diese Zugriff bekommen könne. Diese Nachfrage ist aber bisher noch nicht erfolgt.

Training

Nachdem alle aktuell möglichen Nachforschungen abgeschlossen waren, entschied Manuel noch, ein wenig zu trainieren. Allerdings hatte er vom Kämpfen und Töten erst einmal genug, weshalb er sich auf seine anderen Kräfte konzentrierte und dem Ziel, EMPs besser und einfacher verwenden zu können als bisher, etwas näher kam.

Verabredung für den Abend

Für den Abend hatte Manuel eigentlich vor, sich mal wieder mit seinem besten Freund Yagami Hakiro zu treffen und ihm von den Geschehnissen zu berichten und um Rat zu fragen, was er als nächstes tun solle. Ein entsprechendes Treffen war auch bereits vereinbart, als ihn ein Anruf Yumi Karas ereilte, in dem diese um ein Treffen mit allen Protagonisten bat.

Manuel wollte beides nicht absagen, aber es fand sich schnell eine einfache Lösung: Yumi Kara schlug vor, Yagami Hakiro doch einfach zu dem Treffen mit den anderen einzuladen. Gut, das war nicht genau das, was Manuel geplant hatte, da hier ja die Möglichkeit fehlen würde, alleine mit Hakiro zu sprechen, aber es war wohl die beste Möglichkeit, beides unter einen Hut zu bekommen.

Auch Hakiro hatte nichts dagegen und freute sich schon darauf, Manuels neue Freunde einmal kennenzulernen, und so wurde ein Treffen am Abend im Glaspalast vereinbart.

Esther

Training

Auch Esther ließ sich die Geschehnisse des vorigen Tages noch weiter durch den Kopf gehen, konzentrierte sich dabei jedoch darauf, wie man solche Ereignisse in Zukunft besser vorhersehen könnte. Ein Punkt, der ihr dabei bisher noch fehlte, war, die Intentionen von anderen Wesen besser voraussehen zu können, und sie versuchte, ihre Quantenwahrnehmung in dieser Richtung auszudehnen. Mit Erfolg, wie sich später am Abend zeigen sollte.

Yumi Kara

Yumi Kara begann den Tag damit, erst einmal lange auszuschlafen. Ihr Körper benötigte diesen Schlaf zwar nicht mehr, aber ihr Geist war zu sehr durcheinander und so gönnte sie sich ihn.

Training

Dann vertiefte sie ihre Studien der wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen den Ereignissen rund um die neunköpfige Schlange und die Einkäufe in japanische Unternehmen. War vielleicht auch der Ausbruchsversuch, der gestern vereitelt werden konnte, damit im Zusammenhang?

Zwar konnte sie keine neuen Erkenntnisse gewinnen, aber die Studien hatten einen anderen Erfolg und erweiterten ihren Geist in dieser Richtung. (Mega-Intelligence 1, Financial Prodigy erlernt)

Gedanken über die Zukunft

Über die Zukunft - sowohl ihre eigene als auch die der anderen Protagonisten - machte sich Yumi Kara ebenfalls lange Gedanken. Nippontai war nicht das, was sie erwartet hatte. Deren Vorgehen war falsch und sie war nicht in einer Position, in der sie dagegen hätte irgendwie vorgehen können. Ihr fehlten Stand und Ansehen. Und allein diese Tatsache war es gewesen, die sie am vorigen Abend zu ihrer "Flucht" veranlasst hatte. Was sollte sie auch anders tun? Das Verhalten akzeptieren konnte sie nicht, es ändern ebenfalls nicht, also blieb ihr nur, zu gehen, um es wenigstens nicht mit ansehen zu müssen, und auch so ihren Unmut kund zu tun.

Aber wie sollte es nun weitergehen? Offenbar gab es eine Verbindung zwischen ihr und den anderen Novas, die sie kürzlich kennengelernt hatte. Zuviel war passiert, was kaum Zufall sein konnte. Die Kami in ihnen zogen sich gegenseitig an, wollten zusammenarbeiten, da war sich Yumi Kara sicher. Und auch wenn sie noch eine Menge zu lernen hätten, so hatten sie doch als Team schon gute Ansätze gezeigt. Das wollte und konnte sie nicht einfach so vergehen lassen.

Gab es nicht in anderen Städten Stadtbeschützer? Vielleicht wäre das ja ein Weg. Oder man ließ sich für Aufträge anheuern? Aber dann nur solche, deren Hintergrund man auch gutheissen konnte. Eine Privatdetektei vielleicht? Oder noch etwas anderes?

Welcher Weg auch immer es werden würde, sie war sich sicher, dass er einfacher zu beschreiten wäre, wenn man einen legalen Unterbau hätte. Eine Firma, die dann von Tokyo - nein, Edo hieß es ja - mit dem Schutz der Stadt beauftragt werden könnte. Oder die als eingetragene Detektei Nachforschungen anstellen durfte. Ja, so etwas wäre sinnvoll, und die anderen würden es sicherlich genauso sehen.

Um sie genau davon zu überzeugen, verabredete sie erst mich Esther ein Treffen für den Abend, dann rief sie Manuel an, der aber schon etwas anderes vorhatte. Er wollte sich mit einem alten Freund, dem CFO und Mitbegründer seiner Firma treffen. Perfekt - jemand, der sich mit Firmengründungen auskennen sollte. Kurzerhand wurde er ebenfalls zu dem Treffen eingeladen.

Als Ort sollte der Glaspalast in der Electric City dienen und Yumi Kara ließ einen Tisch reservieren.

Im Glaspalast - 10. Juli 2005

Ort des Geschehens: Der Glaspalast - eine angesagte Disco mit Restaurant und Bar, deren Außenwände und auch Zwischenböden komplett aus Glas oder anderen durchsichtigen Materialien bestehen. Einzig die Toiletten sind blickdicht, alles andere einsehbar. Der Glaspalast liegt im Akihabara Viertel, das sich vom Treffpunkt der Otaku-Kultur zum Szenebezirk gemausert hat.

Ankunft

Der vereinbarte Zeitpunkt war 18 Uhr, und Yumi Kara, die das Treffen anberaumt und den Tisch geordert hatte, war als Gastgeberin natürlich als Erste vor Ort. Die Schlange vor dem Eingang war zwar lang, aber sie war sich ihres Status durchaus bewusst und ging zum VIP Eingang. Dort wurde sie zwar kurz von einem Türsteher angehalten, aber da ihr Name auf dessen Liste stand, kam sie ohne Probleme hinein.

Auch Esther war rechtzeitig vor Ort und konnte, wenn auch mit etwas mehr Schwierigkeiten, an dem Türsteher vorbeikommen.

Manuel hingegen war zwar früh genug aufgebrochen, um um 18 Uhr vor dem Glaspalast zu stehen, aber er reihte sich in die Schlange der Wartenden ein. Als ihm klar wurde, dass er es nicht mehr rechtzeitig ins Innere schaffen würde, schrieb er Yumi Kara eine entsprechende Nachricht. Diese antwortete ihm, dass er zum VIP Eingang gehen sollte, was Manuel dann auch etwas verlegen tat. Auch sein Name stand auf der Liste des Türstehers, und so konnte auch er hineingelangen.

Tischdekoration

Bevor Esther und Manuel aber eingetroffen waren, hatte Yumi Kara bereits die den Tisch erreicht. Dieser war mit weißen Blumen (Lilien) dekoriert. Etwas, was nur auf Beerdigungen und Trauerfeiern passieren sollte. Empört verlangte sie sofort, den Geschäftsführer zu sprechen. Dieser war nicht anwesend, aber der Schichtleiter kam nach kurzer Zeit, entschuldigte sich in aller Form, und ließ die Dekoration ändern.

Die Anweisung, den Tisch auf diese Weise zu dekorieren, war von einem der Besitzer des Glaspalastes gekommen, dieser war aber an diesem Abend nicht anwesend und auch nicht erreichbar. Der Schichtleiter konnte sich den Vorfall nicht erklären, und versprach, es bei der Geschäftführung vorzubringen.

Da den Mann keine Schuld traf, und er auch nicht mehr wusste, beließ es Yumi Kara für den Moment dabei und war froh, dass sie frühzeitig hier gewesen war. Die Amerika-jin Esther hätte wahrscheinlich damit umgehen können, aber Manuel lebte schon zu lange in diesem Land und war gerade psychisch zu labil, um mit einer solchen Symbolik in Kontakt zu kommen.

Kurz, nachdem der Tisch angemessen umdekoriert war, trafen dann auch erst Esther und dann Manuel ein.

Yumi Karas Vorschlag

Es wurden Essen und Getränke geordert, und Yagami Hakiro meldete sich, dass er aufgehalten wurde, und erst etwas später kommen würde. Das war Yumi Kara nur recht, denn so konnte sie Esther und Manuel schon einmal von ihrem Vorschlag überzeugen und dann mit Yagami-san nur noch die geschäftlichen Details durchgehen.

Also unterbreitete sie den beiden den Vorschlag, eine Firma zu gründen, mit der man dann an die Stadt Edo herantreten und als Stadtbeschützer fungieren sollte.

Zu ihrer Überraschung traf dieser Vorschlag aber bei Esther und Manuel nicht auf Zustimmung. Esther hatte ja bereits eine Stelle bei der amerikanischen Botschaft, und diese fände es vermutlich nicht witzig, wenn sie nun in offizieller Art und Weise für den Schutz der Hauptstadt von Nippon zuständig wäre. Manuel hingegen sah die Abkehr von Nippontai immer noch als Fehler und hoffte, Yumi Kara würde ihre Ansicht noch einmal überdenken und wieder nach dort zurückkehren. Und de Gründung einer Firma würde dies unterbinden, da es ein zu definitiver, endgültiger Schritt wäre. Das sagte er Yumi Kara so aber nicht, sondern argumentierte, dass dies einfach nicht der Weg sei, den er gehen wolle, er den Weg aber auch noch nicht kannte. Und die Firma würde auch keine Vorteile bringen, die er sehen konnte.

Es entbrannte eine recht fruchtlose Diskussion zwischen Manuel und Yumi Kara, die daran scheiterte, dass keiner der beiden von seiner Meinung ablassen wollte.

Unterbrochen wurde diese Diskussion nur dadurch, dass die Vorspeisen eintrafen.

Explosive Vorspeisen

Es waren mehrere Platten mit Vorspeisen geordert worden, und diese wurden mit Hauben verdeckt geliefert. An sich nicht weiter ungewöhnlich, wäre da nicht die brennende Zündschnur gewesen, die unter einer der Hauben hervorragte. Diese wurde jedoch erst entdeckt, als der Kellner, der die Platten gebracht hatte, wieder verschwunden war.

Yumi Kara schaute vorsichtig unter die Haube, stellte aber fest, dass gar keine Bombe darunter war, sondern lediglich eine weitere weiße Blume und ein Zettel, auf dem in lateinischen Lettern "Boom, you are dead" stand.

Es wurde wieder der Schichtleiter herbeibeordert, der sich abermals demütig entschuldigte, und sagte, dass solche Scherze aus der Küche durchaus vorkämen und die meisten Gäste das lustig fänden. Er veranlasste, dass für diesen Tisch keinen weiteren Scherze erfolgen würden.

Yagami Hakiro

Kurze Zeit nach diesem Vorfall traf dann auch Yagami Hakiro ein und entschuldigte sich für sein verspätetes Erscheinen. Sein Auftreten und seine durchaus gekonnt charmanten Worte zogen Yumi Kara sofort in seinen Bann. Auch er schien von der jungen und extrem gut aussehenden Frau angetan und es entbrannte ein Flirten zwischen ihnen.

Auch geschäftlich lagen sie offenbar auf einer Wellenlänge und, unbeirrt von der Tatsache, dass die anderen eigentlich wenig Interesse an einer gemeinsamen Firma zu haben schienen, diskutierten sie lange und ausgiebig über eine solche. Hakiro fand viele Vorteile, die sich daraus ergeben könnten, gerade in finanzieller und PR Hinsicht, und unterbreitete verschiedene Vorschläge, wie die Firmen von Manuel und Yumi Kara davon würden profitieren können.

Da es hierbei um geschäftliches ging, überließ Manuel den beiden das Feld und fing an, auf seinem Smartphone an verschiedenen Problemen zu arbeiten, die ihn beschäftigten.

Esther war von dem Thema offenbar ebenfalls gelangweilt und so schaute sie sich im Glaspalast um.

Dann wurde die nächste Runde Getränke gebracht.

Der sonderbare Kellner

Dieses Mal nicht von einer der Damen, die bisher für den Tisch zuständig gewesen waren, sondern von einem unscheinbaren Kellner mit einem Allerweltsgesicht. An sich dachte sich niemand etwas dabei, aber Esther meinte zu hören, wie er sagte: "Amerikanische Schlampe. Wenn du das trinkst, bist du tot!"

Niemand reagierte.

Sie trank das Getränk natürlich nicht, war sich aber auch unsicher, was geschehen war, also ließ sie den Kellner erst einmal gehen.

Es stellte sich heraus, dass niemand sonst etwas gehört hatte. Dennoch wollte Esther das nicht auf sich beruhen lassen und so ging sie zur Bar, um den Kellner zur Rede zu stellen. Aber niemand dort war sicher, wer der Kellner gewesen war. Vermutlich einer der "neuen", wurde ihr gesagt. Details über ihn wusste niemand.

Sie beobachtete, suchte ihn, erblickte ihn auch das ein oder andere Mal, aber er war immer weit entfernt und sie konnte seiner nicht habhaft werden. Irgendwann gab sie frustriert auf, da sie noch immer nicht sicher war, überhaupt etwas gehört zu haben.

Stimmen in Esthers Kopf

Aber dabei blieb es nicht. Auch am Tisch der anderen zurück, hörte sie weiterhin Dinge, die gar nicht gesagt worden waren. Ganz klar in den Stimmen der Anwesenden Leute. Es kam Verwirrung auf, als sie auf Dinge reagierte, die sonst niemand gehört hatte. Doch irgendwann verstand sie: Sie hörte die Gedanken der anderen, nicht nur ihre Worte. Offenbar hatte sie eine neue Ausprägung ihrer Novakräfte entwickelt.

Bei den meisten Anwesenden gab es nicht viel interessantes zu hören, aber Yagami Hakiro dachte einige durchaus bemerkenswerte Dinge. Dass er über Yumi Kara in sehr eindeutig sexueller Absicht dachte, war ja verständlich und nicht unerwartet. Aber die Art und Weise war doch sehr herabwürdigend. Gut, vielleicht war auch das normal, Esther hatte noch nie zuvor in den Kopf eines Mannes geschaut.

Was aber nicht normal sein konnte, war die Art und Weise, wie er über Manuel dachte. Die beiden waren doch Freund, oder nicht? Wieso bezeichnete Hakiro Manuel in seinen Gedanken immerzu als Idioten und Deppen? Irgend etwas stimmte da nicht.

Die versuchte, Hakiro damit zu konfrontieren, dieser wich aber stets geschickt aus.

So verging der Abend dann, ohne endgültige Ergebnisse in der Absicht Yumi Karas, aber mit vielen Dingen, über die es Nachzudenken gilt.


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